Zur Schau gestellte Frömmigkeit

Mt 6,1 Habt acht, daß ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.

Mt 6,5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie stellen sich gern in den Synagogen und an den Straßenecken auf und beten, um von den Leuten bemerkt zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.

Mt 6,16 Wenn ihr aber fastet, sollt ihr nicht finster dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Angesicht, damit es von den Leuten bemerkt wird, daß sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.

Mt 23,5 Alle ihre Werke tun sie aber, um von den Leuten gesehen zu werden. Sie machen nämlich ihre Gebetsriemen breit und die Säume an ihren Gewändern groß, 6 und sie lieben den obersten Platz bei den Mahlzeiten und die ersten Sitze in den Synagogen 7 und die Begrüßungen auf den Märkten, und wenn sie von den Leuten »Rabbi, Rabbi« genannt werden.

Neulich habe ich ein gutes Werk getan. Als ich dann abends im Bett lag, kam so ein flüchtiger Gedanke, bei dem ich mich selber in Gedanken dafür auf die Schulter klopfte und dachte, dass diese Tat mir bei gewissen Leuten geistliche Bonuspunkte bringen müsste. Sofort jedoch schrillten bei mir die Alarmglocken und ich dachte daran, dass Frömmigkeit, die vor Menschen praktiziert wird, um sich selber als „besonders guten Menschen“ darzustellen, nichtig, falsch und wertlos ist. Meiner Meinung nach ist das ein Thema, das jeden Christen irgendwann einmal betrifft. Auch Christen sind nur Menschen, und wie leicht ist man gefährdet, sich selber und sein angeblich frommes Wesen in den Mittelpunkt zu rücken und damit den Herrn Jesus Christus von diesem seinen rechtmäßigen Platz verdrängen zu wollen.

Ich habe ja neulich schon einige Male von einer neuen und aggressiven Bewegung in Deutschland geschrieben. (Hier, Hier  und Hier). Sie ist zur Zeit in der Aufbauphase und schart immer mehr Christen um sich. Teilweise handelt es sich um Christen, die von den Gemeinden bis jetzt etwas vernachlässigt worden sind; aber es handelt sich auch um Christen, die sich eine Reformation und eine Wiederbelebung des christlichen Glaubens in Deutschland wünschen. Diese Anliegen kann man nachvollziehen, aber das wissen auch die Bauernfänger und Scharlatane, die diese Bewegung anführen. Ich könnte mir vorstellen, wie solche Leute ihre Kumpels anrufen und sagen: „Wisst ihr was? Ich habe eine völlig neue Geschäftsidee, bei der uns das Geld und der Ruhm nur so zufliegen wird! Wir gründen einfach eine Sekte, eine Ministry!“

Natürlich kennt nur der Herr die Motive dieser Leute, aber etwas Wahres könnte da schon dran sein. Wenn man die Homepage und das Facebookprofil studiert, fällt einem auf, wie viel Wert darauf gelegt wird, selber in einem guten Licht zu erscheinen. Manchmal widert es den nüchternen Betrachter sogar regelrecht an, mit welch einem lammfrommen Blick und präsentierter Gutmütigkeit das Ganze bildlich in Szene gesetzt wird. Wer schon einmal auf solche Scharlatane hereingefallen ist und dann auch das Ganze überstanden hat, der kennt die Mechanismen und Vorgehensweisen, mit der diese Blender die Leute in ihren Bann ziehen. Aber viele Christen durchschauen das nicht, weil sie einfach naiv und leichtgläubig sind. Das ist das Traurige daran.

Wir sollen unsere Frömmigkeit nicht der Welt und unseren Geschwistern präsentieren, wir sollen die guten Werke ausschließlich nur deshalb tun, weil wir Gott und seine Anliegen im Zentrum haben. Nicht die Welt und die Brüder und Schwestern sollen uns loben, sondern wir wollen doch alle einmal erleben, wie Jesus Christus zu uns sagt:

Mt 25,21b (…)Recht so, du guter und treuer Knecht! Du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über vieles setzen; geh ein zur Freude deines Herrn!

Wenn Gott uns eines Tages lobt, dann muss das ein gewaltiger Augenblick sein, bei dem sogar die Engel zuschauen könnten! Darum sollten wir unsere Werke auch nur für Gott und nicht für Menschen tun:

Kol 3,17 Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Menschen sind nicht so beständig wie Gott! Sie können einem Star vielleicht jahrelang zujubeln, aber wenn dieser Star alt wird oder einen groben Fehler begeht, dann kann aus dem Umjubelten ein völlig verachteter und geschmähter Mensch werden. Denken wir an Michael Jackson. Dieser Mann war ein Idol. Viele Jugendliche orientierten sich an ihm. Er war umjubelt und gefragt. Doch in der Mitte seines Lebens, nach gescheiterten Schönheitsoperationen und Skandalen, verließ ihn ein großer Teil seiner Fangemeinde. Man dachte dann auch noch nur an seine Eskapaden, nicht mehr an den früheren Ruhm. Sein Ruhm verschwand!

Wenn wir Lohn haben wollen, dann müssen wir unsere Taten und Worte ausschließlich für Gott tun!

Zum Lesen:  https://www.bibleserver.com/text/SLT/Matthäus6

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