Geruch zum Leben, Geruch zum Tod

Es gibt ein feines Organ, das sehr schnell und unterbewusst entscheidet, ob man sich sympathisch ist oder nicht. Noch bevor man mit jemanden gesprochen hat, entscheidet der Geruchssinn, ob „man sich riechen kann“ oder eben nicht. Nichts gegen Penner, die eigentlich oft mehr Durchblick und Lebenserfahrung haben als die schlafende Mehrheit, die im Hamsterrad rauf und runter rennt! Aber wenn man neben jemanden am Bahnhof sitzt, der auf gut deutsch gesagt nach Zigaretten, altem Schweiß und Bier stinkt, dann kann diese Person wirklich noch so liebenswürdig, intelligent und nett reden (und auch tatsächlich sein (!)), aber man wird wahrscheinlich unter einem Vorwand recht bald versuchen, aus dieser Duftzone zu kommen. Das hat nichts mit der Wertigkeit der Person zu tun, sondern einfach mit einer natürlichen Veranlagung. Es ist einfach unangenehm! Ob man sich dann darüber hinwegsetzt, dieser Person weiterhilft, falls sie es will, oder mit ihr dann redet, steht auf einem anderen Blatt.

(Oft können diese Menschen auch nirgendwo ihre Kleidung und sich selber waschen, oder sie haben sich bereits aufgegeben und es ist ihnen egal. Beten wir gerade für diese Menschen, die immer mehr zu werden scheinen, wenn man durch die Städte geht! Es sind gerade die Gestrandeten, für die Jesus Christus sehr viel Liebe und Interesse hat. Ich weiß, dass ich selber auch schon dort gelandet wäre, hätte Jesus Christus mir nicht geholfen.)

Ich bin von Natur aus ein Mensch, der versucht, möglichst nirgendwo anzuecken und meinem Gegenüber keinen Anstoß zu geben; es gibt aber ein Phänomen, mit dem ich (leider?!) gleich nach meiner Bekehrung zu Jesus Christus konfrontiert wurde, meist zu meiner großen Verwunderung. Es handelt sich dabei um die Ablehnung der Mitmenschen. Dabei bin ich kein Mensch, der sich nicht waschen würde. Meist dusche ich mich alle zwei Tage und achte auch auf Hygiene und eine gute Rasur. Oft, wenn ich außer Haus gehe, nehme ich noch zusätzlich eine kleine Menge Deo, aber wirklich nicht zu viel, damit man nicht schon meilenweit riecht, dass ich komme. Trotzdem kann es sein, dass ich ohne es zu wollen, bei meinen Mitmenschen auf eisige Ablehnung stoße. Meist gab ich mir früher immer selber die Schuld daran, ich meinte dann, ich hätte mich seltsam oder komisch verhalten, sodass mein Gegenüber ungehalten wurde, aber mit der Zeit wurde mir klar, dass etwas anderes dahinter stecken könnte.

Obwohl der Herr Jesus Christus ein liebevoller Mann war, so hassten ihn doch viele seiner Volksgenossen ohne Grund:

Joh 15,25 doch [dies geschieht,] damit das Wort erfüllt wird, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: »Sie hassen mich ohne Ursache«.

Hat der Herr Jesus Christus sich ungebührend verhalten? Ich glaube nicht! Denn er war ohne Sünde (vgl. Hebr 4,15)! Es musste etwas anderes sein, denn wenn wir uns mit Jesus Christus identifiziert haben, weil wir seinen Opfertod am Kreuz in Anspruch genommen haben und daher an ihn glauben, dann kann es uns genauso gehen:

Joh 15,18 Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. 19 Wenn ihr von der Welt wärt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt heraus erwählt habe, darum hasst euch die Welt. 20 Gedenkt an das Wort, das ich zu euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; haben sie auf mein Wort [argwöhnisch] achtgehabt, so werden sie auch auf das eure [argwöhnisch] achthaben. 21 Aber das alles werden sie euch antun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Wohlgemerkt: Es gibt sicherlich Situationen, in denen auch ein Christ sich nicht schön verhält, so dass er einen Anstoß gibt; das ist aber nicht immer der Fall. Manchmal hasst die Welt ein Schäfchen von Jesus Christus einfach nur, weil es die Art und eventuell auch die Kompromisslosigkeit von Jesus Christus in, bzw. an sich trägt. Dabei kann sich der Christ dann verbiegen und seinem Gegenüber entgegenkommen, wie der will, – die Ablehnung bleibt!

Paulus beschrieb das recht anschaulich:

2Kor 2,14 Gott aber sei Dank, der uns allezeit in Christus triumphieren lässt und den Geruch seiner Erkenntnis durch uns an jedem Ort offenbar macht! 15 Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch des Christus unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verlorengehen; 16 den einen ein Geruch des Todes zum Tode, den anderen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Und wer ist hierzu tüchtig?

Das könnte man vielleicht Umgangssprachlich so umschreiben: Die „Einen“ riechen uns gerne, die „Anderen“ können uns einfach nicht riechen!

Wer einen Geruch wahrnimmt, der für ihn den Tod bedeutet, der wird nicht so freudig darauf reagieren. Genauso sind wir Christen bei allen Fehlern, die wir auch haben, wie unser Herr ein Anstoß für andere. Dabei müssen wir manchmal gar nichts tun. Schon allein darum, weil wir an Jesus Christus glauben, fühlen sich viele Mitmenschen provoziert, denn das stellt sie selber vor die Verantwortung, ob sie Gott gehorchen wollen oder nicht.

Es ist wie in einem kleinen Dorf auf dem Land: Am Samstag kommt jemand auf die Idee, sein Auto zu waschen und zu reinigen. Der Nachbar, der das sieht, denkt sich:

Also mein Auto ist auch dreckig! Eigentlich sollte ich es sauber machen. Aber irgendwie habe ich heute nicht den Willen dazu. Was werden wohl die anderen sagen, wenn sie mein dreckiges Auto sehen? Sie werden über mich schlecht reden. Aber über meinen Nachbarn werden sie nicht schlecht reden, denn er hat ja sein Auto gewaschen. Der will doch bloß besser dastehen als ich?! (…). So ein arroganter Affe! Also den könnte ich wirklich…!

Der Nachbar des Mannes hat nur sein Auto gewaschen und „provozierte“ ihn dazu, das Gleiche zu tun. Er fühlte sich dadurch negativ herausgefordert.

Diese kleine Beispiel zeigt, dass Christen oft ohne es zu wollen einen Anstoß bieten. Manchmal müssen sie dazu gar nichts tun, es ist einfach so!

Als ich noch unter dem Schwarmgeist war, das Wort Gottes mich zwar ergriffen hatte, aber noch nicht zur echten Wiedergeburt gebracht hatte, hatte ich einen wiedergeborenen Christen als Arbeitskollegen, mit dem ich jeden morgen zur Arbeit fuhr. Er hat sich mir gegenüber nie unfreundlich oder hässlich verhalten, er nervte mich einfach nur! Obwohl er ein sehr fröhlicher, freundlicher, umgänglicher Mensch war, ging er mir derart auf den Senkel, dass ich jedes Treffen mit ihm zu vermeiden suchte. Ich mochte ihn einfach nicht.

Nachdem ich mich bekehrt hatte, war das ganz anders. Der Mann wurde einer meiner besten Freunde, mit dem ich auch in meiner Freizeit öfter mal etwas unternahm. Es war, als hätte Jesus Christus die Mauer zwischen uns abgerissen. Vor einiger Zeit ist er weggezogen und ich vermisse ihn.

Daher sollten wir uns nicht vom Teufel einreden lassen, dass mit uns etwas nicht stimmt. Manchmal vielleicht schon, aber manchmal ist einfach Jesus Christus in uns, der die Ablehnung der ungläubigen, (manchmal auch gläubigen) Mitmenschen hervorruft.

Und was die Penner betrifft: Ihnen gilt das Angebot des Evangeliums genauso wie allen anderen auch. Denn jeder Sünder gleicht dem verlorenen Sohn:

Mt 18,11 Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten.

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