Armut mitten in Deutschland

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Neulich war ich mal wieder in der nächstgelegenen Stadt. Früher habe ich einmal dort gewohnt. Doch jetzt lebe ich ein paar Kilometer entfernt, was auch gut ist, denn diese Stadt ist nicht mehr das, was sie einmal war. Als ich am Bahnhof auf meinen Bus wartete, sah ich schon von weitem einen alten Freund, den ich früher ab und zu in der Kneipe getroffen hatte, als ich noch dort wohnte. Er saß am Bahnhof und beobachtete den Schienenverkehr; neben sich hatte er eine Flasche Bier, Bier, das vielleicht 40 Cent kostet. Billiges Bier, das man trinkt, wenn man kein Geld hat. Ich setzte mich neben ihn und sah, dass er total verwahrlost aussah. Schmutzige Klamotten, nicht gewaschen, langer Bart, lange Haare, abgemagert. Dann sah ich auch die missbilligenden Blicke, der „normalen“ Passanten, wenn sie vorbeigingen, sie, die in ihm wohl einen Penner sahen. Ein zutiefst trauriges Bild, das zeigt, was Alkohol und Armut aus einem Menschen machen kann.

Ich setzte mich neben ihn und fragte, wie es ihm ginge. Natürlich hätte ich mir diese Frage sparen können, aber ich wollte mit ihm ins Gespräch kommen. Er erklärte mir, dass er seine Arbeit verloren hätte, dass er jetzt einen Betreuer habe, der seine Finanzen kontrolliere, und dass dieser ihm im Monat nur 100 Euro für sein Leben geben würde. Der Rest ginge für die laufenden Kosten drauf. Ich war schockiert! Wie kann man in Deutschland, einem der angeblich reichsten Ländern der Welt, einem Menschen, der über 30 Jahre lang gearbeitet hat, nur 100 Euro im Monat geben. Mein Freund hat über viele Jahre lang gearbeitet, Steuern bezahlt und jetzt bekommt er gerade einmal 100 Euro im Monat, um sich Nahrung kaufen zu können?

Es gibt in unserem Land viele arme Menschen. Ich gehöre selber auch dazu. Aufgrund meiner Schizophrenie kann ich heute nicht mehr arbeiten. Viele Jahre habe ich versucht, meinen Arbeitsplatz zu behalten, aber mein Arbeitgeber war nicht gerade erfreut, dass ich so oft ausfiel, weil ich wieder einen der vielen für mich schrecklichen Psychiatrieaufenthalte hatte. So bot man mir einen Auflösungsvertrag an, den ich auch akzeptierte und danach in Rente ging. Ich bekomme knapp 880 Euro Rente bei 20 Berufsjahren. Davon muss ich die Miete, die ungefähr 400 Euro ausmacht, berappen und mit dem restlichen Geld über die Runden kommen. Dabei muss noch erwähnt werden, dass Strom, Internet und Kosten für Medikamente davon noch nicht bezahlt sind. Geschweige den Essen, Trinken, Kleidung und Toilettenartikel. Zum Glück stecken mir meine Eltern ab und zu noch etwas zu, sonst wäre ich vollkommen verloren.

Ich habe gelernt zu sparen. Oh, wie ich es gelernt habe zu sparen. Bei mir gibt es keine teuren Bioprodukte, wenn ich etwas koche, sondern nur billige Produkte. Gelegentlich gönne ich mir jedoch ein Glas mit gutem Fisch, das ich beim teuren Feneberg kaufe. Sonst gibt es nur Netto-Produkte. Also Produkte aus dem Supermarkt. Kleidung habe ich schon seit Monaten nicht mehr gekauft. Ich besitze zwar ein paar alte Pullover; aber mit diesen kann man sich nicht mehr sehen lassen. Ich bräuchte dringend neue Pullover, eine neue Hose und auch mal ein paar neue Schuhe, aber das kann ich mir nicht leisten. Pizza-Express gibt es bei mir nicht. Ich mache meine Pizza selber. Ich trinke billigen Orangensaft mit Wasser vermischt, aber am Morgen gibt es noch Kaffee, den will ich mir nicht nehmen lassen. Aber auch hierbei handelt es sich um billigen Kaffee.

Ich habe es gelernt, auf Sonderangebote im Supermarkt zu achten; ich habe es gelernt, mein Geld einzuteilen, so dass ich mit minimalem Aufwand, die bestmöglichen Einkäufe machen kann. Wenn ich mit Freunden in ein Lokal gehe, dann esse ich nicht die teuersten Spezialitäten, sondern eher die billigen Sachen. Wenn ich Bücher kaufe – und die brauche ich für meine Internetarbeit -, dann bestelle ich mir ausschließlich gebrauchte Bücher, die billig sind, und keine neuen. Sollte auch mal eine CD drin sein, dann nur eine gebrauchte. Ich danke Gott dafür, dass ich es gelernt habe, zu sparen und mit meinem Geld gut zu haushalten.

Früher war mir das egal. Ich habe gut verdient und habe damals das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Früher war ich sehr leichtsinnig mit dem Geld. Wenn ich 50 Euro in der Tasche hatte, dann wusste ich, dass es vielleicht noch maximal zwei Tage reichen würde – heute kann ich mit 50 Euro mehrere Tage lang leben. Früher waren 50 Euro nichts in meinen Augen. Heute sind sie viel Geld.

50 Euro muss ich auch alle drei Monate für die Rundfunkgebühren bezahlen. Das ist ungerecht. Ich besitze keinen Fernseher und kein Radio. Ich schaue mir auch im Internet keine Mainstreammedien an, weil ich weiß, dass man von ihnen von vorne bis hinten belogen wird. Propaganda eben. Aber ich muss dafür bezahlen. Ebenso geht es unzähligen armen Rentnern auch, die dafür bezahlen müssen, dass die Propaganda weiterhin laufen kann. Ist eigentlich mal jemand auf die Idee gekommen, von Flüchtlingen Rundfunkgebühren zu verlangen? Ein Flüchtling kostet dem Staat ca. 24 000 Euro im Jahr. Ein Flüchtling darf umsonst Bus und Bahn fahren, bekommt großzügiges Taschengeld und sogar noch den Puffbesuch (!) bezahlt. Das sind Tatsachen! Ich, chronisch krank, der ich 20 Jahre lang gearbeitet habe, Steuern bezahlte habe, bekomme vom Staat im Jahr ca. 10 500 Euro und muss noch Rundfunkgebühren bezahlen, obwohl ich den Rundfunk gar nicht nutze? Liebe Leute, das sind die Zustände in unserem Land! Die Asylanten, die noch nie etwas in unser Land investiert haben, bekommen Smartphones mit Vertrag, Kleidung, Fahrrad, Essen, Taschengeld und Puffbesuch umsonst, und eine alte Rentnerin, die sich kein Bahnticket leisten kann und schwarz fährt, weil sie arm ist, muss dafür ins Gefängnis. Sie hat im Gegensatz zu den Asylanten etwas für unser Land beigetragen, wird aber im Alter gnadenlos dafür bestraft. Ist das noch Recht und Ordnung?

Nicht dass ich jammern wollte. Ich bin Gott so dankbar, dass ich jeden Monat über die Runden komme und Er mich versorgt. Ich habe, obwohl ich arm bin, immer noch ausreichend zu essen und zu trinken. Ich habe eine Wohnung – das ist mehr, als viele andere Menschen auf dieser Welt haben. Ich habe eine gesundheitliche Versorgung, ich kann mir auch ab und zu einen kleinen Luxus leisten. Aber viele Menschen in diesem Land haben nicht einmal mehr das. Sie bekommen, obwohl sie hier in die Kassen eingezahlt haben, nicht einmal das Lebensnotwendige. Im Alter müssen sie in ihrer wohlverdienten Rente noch nebenher arbeiten, damit sie einigermaßen über die Runde kommen.

Auch diejenigen, die noch arbeiten, müssen manchmal extrem hart sparen, weil manche von ihnen durch Lohndumping und die unsäglichen Zeitarbeitsfirmen für einen „Appel und ein Ei“ buckeln und rackern müssen. Dabei werden die Zeitarbeiter dann von den Firmen auch noch wie Arbeiter zweiter Klasse behandelt. Ich weiß das, denn ich habe es selber erlebt. Wenn die Stammbelegschaft sich auf das Weihnachts- oder Urlaubsgeld freut – falls es das noch gibt – dann bekommen die Zeitarbeiter nur ein paar mickrige Kröten, für die sie sich vor den Ausbeutern auch noch herzlich bedanken und am besten noch einen Freuden-Salto machen sollten. Sie werden oft auch nicht auf die Betriebsweihnachtsfeiern eingeladen, müssen tagtäglich die Drecksarbeiten erledigen und haben so gut wie keine Rechte. Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel!

Es wird von den Volksbeherrschern immer das Argument vorgebracht, dass es uns Deutschen ja im Gegensatz zu den Entwicklungsländern noch gut gehen würde und wir nicht zu jammern brauchten. Doch dieses Argument zieht nicht mehr. Wir haben in Deutschland seit Jahren einen Zuwachs an Menschen, die unter dem Existenzminimum leben müssen, auch viele Kinder. Dabei wird auch vergessen, dass wir in Deutschland höhere Preise für Nahrungsmittel haben als in den Entwicklungsländern. Und nur, weil andere Regierungen ihre Völker noch schlimmer ausbeuten als unsere Regierung, kann man damit das Unrecht in unserem eigenen Land nicht rechtfertigen. Unrecht bleibt Unrecht! Die Stufe ist dabei egal.

Während die Armen immer ärmer werden, werden die Reichen immer reicher. Was will ein Mensch denn mit Milliarden von Euro oder Dollar anfangen? Er kann nur ein einem Bett schlafen, nur ein Auto fahren und ein Mittagessen essen. Die Reichen und diejenigen, die von ihnen gekauft werden, häufen sich Reichtum um Reichtum an, geben aber meistens nichts an die Armen ab. Falls sie dann doch etwas spenden – was eigentlich selbstverständlich ist – dann lassen sie sich als die großen Heilsbringer feiern. Nur weil sie von ihrem massiven Überfluss einen für sie kleinen Betrag gespendet haben, werden sie wie Heilige verehrt. Sie haben so viel Geld, dass sie es nicht mehr ausgeben können. Trotzdem sind noch gieriger als die Armen. Sie wollen immer mehr und mehr, und manche zocken noch auf die Nahrungsmittelpreise in der dritten Welt und treiben sie dabei so hoch, dass die Armen sich nichts mehr zu essen kaufen können. Und das alles nur, damit die reichen Zocker noch ein paar mehr Millionen einsacken können. (Natürlich sind nicht alle Reichen so. Manche schaffen auch Arbeitsplätze und geben etwas von ihrem Reichtum ab – aber im Normalfall ist das nicht so.)

Ehemals gute Arbeitsplätze werden meistens ins billige Ausland verlagert, wo die Menschen noch ärmer sind und sich leichter versklaven lassen. Heute wird in allen großen Betrieben am Lohn gespart und geschaut, wie man den Arbeitstakt und die Ausbeutung auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter noch effizienter gestalten könnte. Das alles habe ich selber gesehen und am eigenen Leib erfahren, als ich noch im Berufsleben war. Die Arbeitsbedingungen wurden kontinuierlich schlechter, es wurde mehr gefordert und weniger bezahlt. Das alles spiegelte sich dann in den psychischen Erkrankungen und Burnouts der Arbeitnehmer wieder.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auf der Neuen Erde einmal viele Afrikaner, die an Jesus Christus geglaubt haben und wegen der Ungerechtigkeit verhungert sind, leben werden, während viele Reiche im Gegensatz dazu in der Hölle gepeinigt und gequält werden. Es gibt eine letztendliche Gerechtigkeit – das sollten wir niemals vergessen. Darum bettle ich nicht – wie so viele andere Internetportale und Videomacher – um Geld und Spenden. Ich bin dafür, dass das Evangelium, das auch eine gute Botschaft für die Armen ist, kostenlos verkündigt wird. Ich habe nichts für meine Rettung bezahlen müssen und verlange dafür auch nichts von anderen. Falls also der Leser dieses Textes auf die Idee gekommen ist, mich zu unterstützen, dann lehne ich dankend ab. Ich werde meinen Lohn dafür noch bekommen und diesen will ich mir nicht nehmen lassen.

Es gibt also eine letztendliche Gerechtigkeit. Wie viele Menschen werden beschämt vor Jesus Christus stehen; und wie viele werden einen großen Lohn bekommen? Reichtum oder Armut retten nicht vor der Hölle; aber ein armer Gläubiger ist einem reichen Gottlosen bei weitem vorzuziehen. Nur weil man arm ist, kommt man noch lange nicht in den Himmel; aber Arme bekehren sich leichter zu Jesus Christus als Reiche, die ihre Sicherheit in ihrem Reichtum sehen.

Darum möchte ich vor allem auch die Armen, die das hier lesen, daran erinnern, dass Jesus Christus auf sie wartet und sie erretten will:

Spr 28,6 Besser ein Armer [sein], der in seiner Lauterkeit wandelt, als ein Reicher, der krumme Wege geht.

Und den Reichen will ich sagen:

1Tim 6,17 Den Reichen in der jetzigen Weltzeit gebiete, nicht hochmütig zu sein, auch nicht ihre Hoffnung auf die Unbeständigkeit des Reichtums zu setzen, sondern auf den lebendigen Gott, der uns alles reichlich zum Genuß darreicht.

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