Aufgeblasenheit

Lustige Wolke
Lustige Wolke

Mit der Zeit und den Jahren, die man lebt, lernt man dazu. Was würde ich geben, noch einmal 20 Jahre alt sein zu können mit der Erfahrung, die ich heute habe? Ja, mit der fortschreitenden Zeit wird man reifer und hoffentlich auch weiser, so dass man nicht mehr so naiv und blauäugig ist, wie als Jugendlicher. So lernt man auch durch oft leidvolle, schmerzhafte Erfahrung, Menschen besser einzuschätzen, und nicht jedem gleich zu vertrauen.

Vor einer Sorte Menschen habe ich vor allem gelernt, mich in Acht zu nehmen, aus dem einfachen Grund, weil ich früher selbst zu ihnen gehörte: den Übergeistlichen.

Ja, ich war früher auch ein Übergeistlicher. Übergeistliche geben einem immer das Gefühl, dass sie eine Treppenstufe höher als ihr Gegenüber stehen. Sie reden gerne von ihrer tollen Beziehung zu Gott; sie reden davon, dass sie ihn über alles lieben würden. Sie sprechen es vielleicht nicht offen aus, aber sie glauben, dass Gott ohne sie nicht klarkommen würde. Indem sie davon reden, wie hingegeben sie leben würden, geben sie ihrem Gegenüber immer das Gefühl, ein Christ oder Mensch zweiter Klasse zu sein. Denn wer kann schon immer hingegeben und völlig geistlich leben? Auch Liebe zu Gott ist nicht immer gleich stark vorhanden. Manchmal gibt es auch Probleme in der  Beziehung mit Gott, manchmal ist man deprimiert und manchmal verzweifelt man am Leben. Es gibt Phasen, wo man an der Liebe Gottes zweifelt und nicht fähig ist, ihn zurück zu lieben. (Mir geht es zumindest oft so.) Ich kann mir keinen Menschen vorstellen, der noch nie mit Gott gehadert hat. Vielleicht gibt man es nicht offen zu, aber ich glaube, dass die meisten Menschen, die gläubig sind, schon einmal an Gottes Wegen und Führungen verzweifelt sind und ihm Vorwürfe gemacht haben.

Ja, ich war früher auch so drauf. Bei jedem Gespräch lenkte ich das Thema auf Gott. Zu jeder Aussage, die mein Gegenüber hatte, hatte ich einen „geistlichen“ Kommentar dazu. Ich konnte mich nicht in Menschen hineinversetzen, ich konnte keine weisen Ratschläge geben, weil ich nicht weise war, sondern arrogant und hochmütig. Wenn ich mit jemanden redete, dann sagte ich nicht, was ich tief in meinem Innern dachte. Ich sagte das, von dem ich meinte, was mein Gegenüber am meisten manipulieren würde. Ja, so war ich. Ich muss aber auch sagen, dass ich unter dem Einfluss eines Schwarmgeistes war. Das haben ich HIER beschrieben. Als Irrlehrer war ich so und kann das auch bei anderen Menschen sehen, die Irrlehrer sind:

1Tim 6,3 Wenn jemand fremde Lehren verbreitet und nicht die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus annimmt und die Lehre, die der Gottesfurcht entspricht, 4 so ist er aufgeblasen und versteht doch nichts, sondern krankt an Streitfragen und Wortgefechten, woraus Neid, Zwietracht, Lästerung, böse Verdächtigungen entstehen, 5 unnütze Streitgespräche von Menschen, die eine verdorbene Gesinnung haben und der Wahrheit beraubt sind und meinen, die Gottesfurcht sei ein Mittel zur Bereicherung — von solchen halte dich fern!

Die Bibel hat einen guten Ausdruck dafür: Aufgeblasenheit. Ja, Aufgeblasenheit ist eine merkwürdige Eigenschaft. Wer schon einmal Blähungen hatte, der weiß das. Man ist von unten bis oben angefüllt. Nicht mit Liebe, sondern mit Luft. Und diese Luft verschafft sich nach und nach immer mehr Platz, so dass sie plötzlich herausbrechen muss. Meist riecht das nicht besonders gut, um es milde auszudrücken. Das ist die perfekte Beschreibung eines aufgeblasenen Menschen. Mehr als heiße Luft ist nicht dahinter. Er ist stolz darauf, einen lauten Furz zu fabrizieren. Aber das kann jeder, wenn er etwas dessen Begünstigendes gegessen hat.

So laufen viele Leute herum. Aufgebläht. Was ist das beste Mittel dagegen? Zuerst einmal echte Demut und echte Liebe zum Gegenüber. Wie lernt man diese Dinge? Demut lernt man, indem man gedemütigt wird:

Spr 15,33 Die Furcht des Herrn ist die Schule der Weisheit, und der Ehre geht Demut voraus.

Und Liebe? Liebe baut im Gegensatz zur Aufgeblasenheit den anderen auf:

1Kor 8,1b Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut.

Ich musste einige Jahre leiden, bis aus dieser Aufgeblasenheit entkommen konnte. Viele Schmerzen, viele Demütigung und viele Depressionen. Man kommt nur davon weg, indem man auf schmerzhafte Weise auf dem Boden der Tatsachen aufschlägt und erkennt, dass man keinen Deut besser als andere ist. Auch das eingebildete Wissen muss sich als nutzlos erweisen, so dass man von Null anfangen muss und lernen muss, völlig abhängig von Gott zu sein, der mehr weiß als man selber.

Ps 119,67 Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber befolge ich dein Wort.

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