Bibelstechen?!

701826_web_R_B_by_Ferdinand Ohms_pixelio.de„Ein schwäbischer Pietist pflegte den Sonntag mit Bibelstechen zu beginnen. Beim ersten Stich geriet er an Mt  27,5: „Und Judas ging hin und erhängte sich.” –  Klingt wenig erfreulich, also ein erneuter Anlauf. Nun wurde es dem ernsten Bibelforscher noch unbehaglicher: „Gehe hin und tue desgleichen!” (Lk 10,37)  – Das dritte Stechen ließ den frommen Mann an Gottes weiser Führung verzweifeln: „Was Du tust, das tue bald!” (Joh 13,27).“

Ob diese Geschichte wahr ist oder nicht – auf jeden Fall zeigt sie, wie man durch das Bibelstechen buchstäblich in Teufels Küche kommen kann.

Wer kennt das nicht? Man befindet sich in seinem Leben vor einer Weggabelung und weiß nicht weiter. Vielleicht hat man Fragen wie diese:

„Soll ich diesen oder jenen Beruf ergreifen?“
„Soll ich diese oder eine andere Person heiraten?“
„Soll ich da oder dort in den Urlaub hinfahren?“
oder:
„Soll ich Missionar werden?“

In solchen Fällen wäre es jetzt wichtig, wenn man wissen würde, was Gottes Wille ist und was er einem raten würde. Denn die Gefahr besteht, dass man eine falsche Entscheidung trifft und diese dann vielleicht verheerende Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Manche „Christen“ meinen die Lösung darauf gefunden zu haben. Sie stellen eine Frage an Gott, schlagen die Bibel dann willkürlich auf und deuten den ersten Text, den sie finden, als Antwort Gottes.

Schon im Altertum benutzten die Könige und Regierenden ihre Wahrsager und Orakel. Als Krösus, der letzte König von Lydien, in den Krieg ziehen wollte, befragte er das Orakel von Delphi. Er bekam die Antwort:

„Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.“

Er deutete diese doppeldeutige Antwort als Aufruf, in den Krieg zu ziehen. Er gewann jedoch nicht, sondern wurde vom gegnerischen König Kyros entweder gefangen genommen oder umgebracht. Die Geschichtsschreiber sind sich hier nicht einig.

Das Bibelstechen ist nichts anderes, als heidnische Wahrsagerei mit christlichem Anstrich. Beim Bibelstechen will man von Gott eine Antwort erzwingen, und das ist nichts anderes als das Wesen der Magie. Ziel der Magie ist es, Macht über Gott oder Macht über Geister zu erlangen und sie für seine eigenen Zwecke zu benutzen. Das erinnert an den Zauberer Simon, der über den Heiligen Geist verfügen wollte und vom Apostel Petrus deswegen scharf zurecht gewiesen wurde (Apg 8,5-25). Beim Bibelstechen versucht man Gott eine Antwort abzugewinnen, obwohl man nicht weiß, ob Gott eine Antwort geben will oder nicht:

Mt 4,7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!«

Vielleicht will ja Gott nicht antworten. Vielleicht will er, dass man eigene Entscheidungen trifft.

Gott hat nicht das Ziel, dass wir vor jeder schwierigen Frage ein Zeichen fordern sollen, sondern dass wir mündige Menschen werden, die ihre eigenen Entscheidungen an Gottes Wort festmachen. Die Bibel soll deswegen nicht zu einem Wahrsagebuch werden, sondern zu einem Studienbuch.

Wir brauchen Gottes Wort, um richtige Entscheidungen zu treffen, darum sollen wir auch viel in der Bibel lesen und darin forschen:

Jos 1,8 Laß dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln!

Wenn wir die Bibel als Studienbuch nehmen und sie mit System lesen, werden wir immer mehr Zusammenhänge erkennen. Dadurch wird unser Geist getrimmt, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um selber den richtigen Weg, den wir dann erkannt haben, einzuschlagen. Daher ist es wichtig, dass man die Bibel studiert, bevor die wichtigen Weggabelungen kommen.

Im Alten Bund konnte man Gottes Willen noch durch Lose erfragen, durch die Propheten und durch Urim und Thummin (2. Mo 28,30). Im neuen Bund ist das nicht mehr so. Denn der Heilige Geist wohnt in den echten Christen und will sie leiten:

Joh 16,13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.

Wir finden außerdem kein Beispiel in der Bibel, in dem Gott vorschreibt, seinen Willen durch willkürliches Aufschlagen der Bibel zu erfragen.

Bibelstechen ist Wahrsagerei und es kann sein, dass man bei dieser Praktik die dunklen Mächte anzapft und sie einem Antworten geben, die Gottes Willen gegenüberstehen:

5Mo 18,10 Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer,

Hinter der Wahrsagerei steckt der Teufel. Wenn man dem Teufel zu viel Raum gibt, dann findet er Einzug in das Leben. Das kann auch Gläubigen passieren. Auch durch Bibelstechen.

Daher: Lesen sie die Bibel mit System. Studieren sie sie jeden Tag, damit sie, wenn wichtige Entscheidungen anstehen, den richtigen Weg abwägen und wählen können. Dieses Wissen wird dann der Heilige Geist benutzen, um sie richtig zu führen.

Auch folgender Vers könnte ihr eigener werden:

Ps 37,5 Befiehl dem Herrn deinen Weg, und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen.

Wenn wir nicht wissen, welchen Weg wir einschlagen sollen, dann können wir dem Herrn unseren Weg anbefehlen. Dann entscheiden wir uns für einen Weg und überlassen die Führung dem Herrn.
Wenn wir das tun, sind wir immer auf der sicheren Seite. Haben wir vielleicht dann doch eine falsche Entscheidung getroffen, wird uns Gott dann wieder auf den richtigen Weg zurückbringen.

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