Das alte Evangelium

DSCN0481 (Medium)Der Leser meines Blogs wird wahrscheinlich schon mitbekommen haben, dass ich an einer psychischen Krankheit leide. Genaugenommen leide ich an einer paranoiden Schizophrenie, die durch Drogen ausgelöst und beschleunigt wurde. Hätte ich in meiner Jugend geahnt, wohin mich der Haschisch-Konsum, der heute weitgehend verharmlost wird, führen würde, ich hätte damals sofort aufgehört. Doch leider habe ich das nicht, und so muss ich mich heute mit den Folgen begnügen. Doch die ganze Situation macht mich nicht hoffnungslos. Ich leide zwar momentan viel durch die Negativsymptomatik meiner Krankheit. Bei der Negativsymtomatik verschwinden die positiven Gefühle und die negativen beherrschen das Denken. Es ist einer Depression sehr ähnlich. Man baut ab, fühlt keine Freude und kein Glück mehr und sieht im Gegenteil alles negativ. Trotzdem kann man klar denken, d. h. man hat keine Wahnvorstellungen, die sonst in der akuten Phase der Schizophrenie immer vorherrschen. Ohne die psychotischen Gedanken hat man immer noch Bezug zur Realität, man hebt nicht ab und bleibt auf dem Boden. Das ist also schon einmal gut. Durch die Bodenständigkeit ist es mir auch möglich, den christlichen Glauben zu analysieren und zu verteidigen. In diesen Phasen neigt man also nicht dazu, verrückt zu sein, daher braucht sich der Leser auch keine Sorgen zu machen ;-).

Meine Krankheit ist mir immer noch lästig, aber ohne diese Krankheit würde höchstwahrscheinlich meine Seele verloren gehen, und ich würde eher nicht an Jesus Christus glauben. Wäre ich nicht dem Leid ausgesetzt gewesen, hätte ich nie unser Leben hinterfragt, das auch sehr oberflächlich auf dieser Welt gelebt werden kann. Durch den seelischen Schmerz sah ich mich gezwungen, Fragen zu stellen, zu hoffen und auch zu klagen. Viele Texte, die ich über die Jahre geschrieben habe, wären nicht entstanden. Vielleicht würde ich heute keinen Gedanken an Gott verschwenden.

Was mir dabei auch immer wieder ins Gedächtnis kam, ist folgende Geschichte:

„Der englische Maler Thornhill hatte den Auftrag bekommen, das Innere der Kuppel in der Londoner St.-Pauls-Kathedrale auszugestalten. Nach Monaten, die mit viel Arbeit ausgefüllt waren, hatte er einen Teil seines Auftrages erfüllt. Ein Abschnitt war fertiggestellt! Nun ging er – so wird erzählt – auf dem Gerüst rückwärts, um seine Malerei aus der Entfernung zu betrachten. Während sein Blick fest auf die Kuppel gerichtet war, trat er bis an den Rand des Gerüsts, ohne es zu merken. Nur noch ein Schritt weiter, und er wäre aus der Höhe auf den Steinboden der Kathedrale gestürzt. Einer seiner Helfer erkannte die Gefahr. Kurzentschlossen ergriff er einen Pinsel und zog einen breiten Strich über das Gemälde. Zornig eilte Thornhill auf ihn zu. Aber seine Wut schlug schnell in Dankbarkeit um, als ihm der andere erklärte: „Meister, das war der einzige Weg, Ihr Leben zu retten. Sie waren an den Rand des Gerüsts getreten, ohne es zu wissen. Hätte ich gerufen, hätten Sie sich wohl umgedreht und wären abgestürzt. Ich konnte Sie nur bewahren, indem ich Ihr Gemälde verdarb.

Verfasser unbekannt

Alle Dinge. Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen (Röm. 8,28)“

Diese Geschichte beziehe ich auch auf mein Leben. Ich weiß nicht, wie es gekommen wäre, wäre ich nicht krank geworden. Vielleicht würde ich heute keinen Gedanken an Gott verschwenden, hätte einen oberflächlichen Glauben nach dem Motto: „Nichts Genaues weiß man nicht.“

Vielleicht würde ich mich auch damit trösten, doch kein ganz so schlechter Mensch zu sein, denn schließlich hätte ich ja keinen umgebracht.

Vielleicht würde ich mir heute auch im Buddhismus oder in der Esoterik mein Heil suchen.

Vielleicht wäre ich auch Moslem geworden, wer weiß?

Dadurch, dass Gott mir Leid zugemutet hat, habe ich es gelernt, das Leben, meinen Standpunkt, mich selber und Gott zu hinterfragen. Ohne diese Krankheit ware das nie in dieser Intensität möglich gewesen. D. h. nicht, dass ich durch diese Krankheit ein besserer Mensch geworden wäre. Ich bin nach wie vor zu jeder Schandtat fähig! Ich kenne meine Abgründe, meine Verdorbenheit, meine Unfähigkeit. Aber zum Glück kenne ich auch den Gott, der nicht so wie ich ist. Ich kenne einen Gott, der uns Menschen retten will. Einen Gott, der für uns keine Hoffnungslosigkeit will: Jesus Christus.

Durch Jesus Christus und Seinem Wort vom Kreuz, bin ich heute in der Lage, in hoffnungslosen Zeiten immer noch Hoffnung zu schöpfen. Das Evangelium macht keinen Bogen vor dem Leid, wie es im Hinduismus mit seinen Kasten der Fall ist. Das Evangelium lehrt keine Selbstauslöschung im Nirvana, wie es Buddha tat, sondern die Erlösung des ganzen Menschen mit Körper, Geist und Seele. Ich muss auch nicht für Gott töten, wie es im Islam der Fall ist, denn mein Gott streitet für sich selber. Mein Gott ist nicht auf mich angewiesen wie Allah auf seine Anhänger. Ich muss mich nicht wie der Katholik selber erlösen, denn ich weiß, dass in mir nichts Gutes ist. Jesus Christus erlöste mich bereits, als er am Kreuz starb und er wird mich vom Toten auferwecken, falls nicht schon vorher die Entrückung stattfindet. Das alte Evangelium ist immer noch die beste Botschaft für Sünder und Menschen, die an ihrer Sündhaftigkeit verzweifeln. Das Evangelium bietet uns, was keine andere Weltreligion uns jemals bieten könnte. Und der Gott des Evangeliums ist der beste, gütigste und weiseste Gott, den es jemals gab. Unser Gott ist und bleibt gut, auch wenn wir selber Mängel haben. Auch wenn wir krank sind, wenn wir abbauen und uns dem Tod nähern. Der Gott, der Gott des Evangeliums, wird Recht behalten! Jesus Christus kommt bald, es dauert nicht mehr lang!

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