Der christliche Sommerkatalog

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Sommerzeit, Lesezeit. Viele Menschen, die hart arbeiten, wollen im Sommerurlaub einfach nur entspannen und ihre Ruhe haben. Die Meisten wollen keinen Abenteuerurlaub erleben, sondern einfach nur einen All-Inklusive-Pauschalurlaub, bei dem sie sich um nichts kümmern müssen außer um die Sonnencreme. Für solche Leute ist es entspannend in der heißen Sonne am Pool zu liegen und ein gutes Buch zu lesen. Daran ist nichts auszusetzen. Wer arbeitet, der soll es sich auch einmal gut gehen lassen. Doch hat die Christenheit den Auftrag, dafür zu sorgen?

Vor wenigen Tagen kam wieder einmal ein christlicher Sommerkatalog. Der Katalog stammt von einem führenden, christlichen Medienkonzern im deutschsprachigen Raum, der sehr viel Umsatz macht. (Ich nenne keinen Namen, da ich mir Ärger ersparen will, denn die folgende Analyse ist sehr kritisch.)

Im Artikel „Der unterschlagene Namen“ bin ich schon einmal darauf eingegangen, dass der Name „Jesus Christus“ immer mehr aus den christlichen Kreisen und Verlagen verschwindet und das Laodizea-Christentum sich immer mehr breit macht. Darin ist zwar noch von einem allgemeinen, ökumenischen Gott die Rede, aber die kompromisslose Botschaft von Jesus Christus wird unterschlagen. Auch im Artikel „Wir können können Gott nicht zwingen, uns durch bestimmte Methoden zu erhören“ bin ich darauf eingegangen, dass christliche Ratgeber nicht unbedingt hilfreich sind, weil sie sich den Grundsätzen der Psychologie bedienen. All diese Beobachtungen im christlichen Raum werden auch durch diesen Katalog trauriger Weise wieder einmal bestätigt.

Es handelt sich bei den beworbenen Büchern immer seltener um geistliches Schwarzbrot, vielmehr handelt es sich im geistliches Fastfood oder Wellnessliteratur. Zwar tauchen darin immer wieder auch gute Bücher und Autoren auf, es wird aber auch viel Unsinn, ja sogar Schädliches angeboten.

Auch die Zielsetzung ist eine andere, als es in früheren Zeiten der Fall war: Wollten früher die bibeltreuen Autoren und Glaubensmänner mit ihren Schriften die Menschen zu einem besseren Leben zur Ehre Gottes motivieren, ihnen Jesus Christus näher bringen, ein kompromissloses und gerechtes Leben predigen und auch die ewige Errettung für ihre Hörer sichern, so geht es heute hauptsächlich darum, es sich hier und jetzt auf dieser Erde gut gehen zu lassen. Das Evangelium von Heute soll erreichen, dass man sich im Hier und Jetzt gut fühlen kann, dass man sich geliebt und wertvoll weiß, dass die Seele gestreichelt wird. So steht im Vorwort des Katalogs:

„Nutzen Sie die Möglichkeit und beschäftigen Sie sich mit Dingen, die Ihnen gut tun und Ihnen Kraft schenken.“

Natürlich ist eine Begleiterscheinung (!) des Evangeliums, dass die biblische Botschaft den Hörer auferbaut. Das Evangelium tut der Seele gut! Aber Jesus Christus kam zuerst um das Sünden- und Schuldproblem zu lösen und um Gottes Gerechtigkeit in den Fokus zu rücken. Er wollte Nachfolge und kein Wellness-Programm. Nur wer sich als verlorener Sünder erkennt, der erkennt auch die große Gnade und Liebe Gottes. Doch in diesem Katalog sucht man vergeblich nach der „schlechten Nachricht“ ohne die die „gute Nachricht“ wenig Sinn ergibt. Und auch das alte Wort „Buße“ sucht man vergebens.

Die beworbenen Bücher scheinen zunehmend nur noch äußerlich einen christlichen Anstrich zu haben, aber innerlich aus „eigenen Erlebnissen und Erfahrungen“, aus „atemberaubenden Berichten“ „Glücksgeschichten“ und psychologischen Tipps, wie man sein Leben angenehmer machen oder auch besser „einteilen kann“. Es ist zwar auch in einem Buch die Rede davon „ein Absage an ein Wohlfühlchristentum“ zu geben; aber führt uns diese Absage wieder zurück zur Heiligen Schrift oder eher in die mystische Versenkung oder zurück zum Katholizismus? Ich glaube eher, dass das zweite der Fall ist.

Natürlich befinden sich im Themenbereich „Leben in der Nachfolge“ auch das ein oder andere empfehlenswerte Buch. Aber soll unser krankes Gebetsleben wirklich durch ein Buch angekurbelt werden, das so beworben wird:

„Du möchtest Gottes spendierfreudige (!) Liebe in deinem Leben erfahren? Dann lass dich auf dieses spannende Gebetsabenteuer ein. Du wirst überrascht sein, was passiert, wenn du Gott deine verborgensten und ungeheuerlichsten Wünsche anvertraust. Denn die erste Gebetserhörung ist sicher schon unterwegs zu dir.“

Dabei musste ich die Worte des Johannes denken:

1Joh 5,14 Und das ist die Freimütigkeit, die wir ihm gegenüber haben, daß er uns hört, wenn wir seinem Willen gemäß um etwas bitten.

Geht es beim Gebet um einen Lottogewinn, ein neues Auto oder den „verborgensten und ungeheuerlichsten Wunsch“ (z. B. eine blonde 90-60-90-Frau) zu bekommen, oder um die Mitarbeit und das Mitbauen am Reich Gottes? Ja, Gott ist „spendierfreudig“, wenn man es tatsächlich so nennen will. Ohne Frage! Wir werden jeden Tag mit guten Gaben überschüttet! Aber Gott ist auch zu fürchten! Er ist nicht wie der „spendierfreudige“ Saufkumpan, der ab und zu ein Bier und einen Schnaps ausgibt. Er ist auch heilig und absolut gerecht. Und wie 1Joh 5,14 aussagt, sollen wir gemäß Gottes Willen und nicht nach unseren egoistischen Wünschen um etwas bitten. Das zu lernen ist eine Lebensaufgabe!

Zur Zeit sind „liebevolle“ Aussagen stark populär, die Gott in den Mund gelegt werden. Es handelt sich dabei um Bücher, die den Aspruch haben, Gottes Worte in die persönliche Lebenssituation zu sprechen. Diese Literatur wird wie folgt beworben:

„Diese Briefbotschaften Gottes wirken wie eine sanfte Umarmung in einer liebevoll vertrauten Vater-Tochter-Beziehung, bringen Trost, Anerkennung, Hoffnung und Wahrheit mitten ins Herz und vertiefen die Gewissheit: Gottes Liebe gibt mir alles (!), was ich brauche.“

Wer Gottes Reden hören will, findet in der Bibel die Aussagen Gottes. Aber er wird sie nicht in Botschaften finden, die Gott ungerechter Weise zugeschrieben werden und dem menschlichen Herzen entspringen. Man fühlt sich an die scharfen Worte der Propheten erinnert:

Kla 2,14 Deine Propheten, sie haben dir erlogenes und fades Zeug geweissagt; sie deckten deine Schuld nicht auf, um dadurch deine Gefangenschaft abzuwenden, sondern sie weissagten dir Aussprüche voll Trug und Verführung.

Hes 13,17 Und du, Menschensohn, richte dein Angesicht gegen die Töchter deines Volkes, die aus ihrem eigenen Herzen weissagen, und weissage gegen sie,

Gott hat bereits geredet, und alles, was er zu sagen hat, wurde in der Bibel verewigt. Er hat verboten, dem noch etwas hinzuzufügen (Offb 22,18).

Den Abschluss des Themas „Nachfolge“ bildet folgende Werbung:

„Bei diesen knackigen Gedankenkicks fallen dir die Augen garantiert nicht mehr zu! Ob Kühe auf dem Beifahrersitz, Fußballdates im Himmel oder Schnecken in Handschellen: Die Clownfakes-Andachten versüßen den Start in den Tag und bringen dich mit viel Humor näher an Gottes Wort.“

Feiner Humor ist durchaus eine erstrebenswerte Eigenschaft. Wir alle kennen Situationen, wo ein humorvolles Wort eine gespannte Situation entspannt, eine Schwäche nicht zu verletzend entlarvt und einfach nur erfrischend ist; aber man muss sich deswegen nicht zum „Clown“ machen.

Spr 13,16 Der Kluge tut alles mit Vernunft, aber der Tor verbreitet Dummheiten.

Die Rubrik „Geistliches Leben“ lässt also sehr zu wünschen übrig. Man sollte meinen, dass die 2000-jährige Geschichte des Christentums mehr zu dem Thema zu sagen hat, als die ca. 20 Bücher, die im Katalog dieses Thema behandeln. Trauriger Weise finden wir dann im Romanbereich fast das Doppelte an Büchern, die erfundene Geschichten beinhalten. Nimmt man noch die Kinderbücher dazu, dann haben wir weit mehr Fantasie-Literatur und erfundene Geschichten als wirklich nützliche Bücher.

Die moderne Worship-Musik kommt auch nicht zu kurz. Auf vier Seiten findet der Musikliebhaber alles von „Feiert Jesus“ bis zu „Hillsong United“. Die moderne Worship-Musik-Welle zeichnet sich dadurch aus, dass durch Rock- und Popmusik eine scheinbar geistliche Atomosphäre geschaffen wird, bei der man meint, es handele sich bei den Glücksgefühlen, die sie auslöst, um den Heiligen Geist. Doch normalerweise spricht diese Musik eher das „Fleisch“ an. Rockmusik ist heidnisch. Sie eignet sich nicht zur Anbetung Gottes, aber wohl zur Anbetung des Satans und seiner Dämonen. (Tipp: Hier eine PDF-Datei des Buches „Popmusik im Gottesdienst“ von Joachim Rosenthal, die auf dieses Thema eingeht.) Da hilft es auch nicht, wenn alte Kirchenlieder neu vertont werden, wie es bei zwei beworbenen CD´s der Fall ist.

Eingebettet ist der ganze Katalog in den aktuellen Hype um „Himmelsreisen“. Nahtod- und Jenseitserfahrungen haben in den letzten Jahren viel Geld eingebracht. Ob diese Berichte tatsächlich wahr sind, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, denn wir haben keinen Beweis dafür. Vor allem Kinder, die im Himmel gewesen sein und Gott begegnet sein wollen, findet man in dieser Literaturgattung häufiger. Meist wurden diese Bücher von den Angehörigen geschrieben. Wer wird schon ein unschuldiges Kind in Frage stellen? Aber kann es nicht sein, dass genau das die Strategie des Widersachers Gottes ist? Wenn wir die verschiedenen Berichte der Jenseitserfahrungen miteinander vergleichen, dann stellen wir fest, dass jeder Bericht unterschiedlich zum anderen ist. Das spricht gegen ihre Echtheit und schafft vielmehr Verwirrung.

Auf jeden Fall wird zur Zeit die Geschichte der Annabel Beam unter dem Titel „Himmelskind“ medial und finanziell komplett ausgeschlachtet. Zuerst erscheint in der Regel ein Buch, dann ein Kinofilm, ein Star ist geboren. Viel Geld wird verdient, Interviews werden gegeben, Begeisterung erzeugt, von Gemeinde zu Gemeinde gereist, um Vorträge zu halten. Dann kommt vielleicht noch ein zweites Buch und dann die Versenkung. Hat das noch etwas mit christlicher Bescheidenheit und Demut zu tun?

1Thess 4, 11 und eure Ehre darin sucht, ein stilles Leben zu führen, eure eigenen Angelegenheiten zu besorgen und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, so wie wir es euch geboten haben, 12 damit ihr anständig wandelt gegenüber denen außerhalb [der Gemeinde] und niemand nötig habt.

Sündenerkenntnis, Schuld, Buße, Selbstverleugnung und Kreuz. – Kommen diese Wörter noch vor, oder kommt jeder, egal ob er an Jesus Christus glaubt und wiedergeboren ist oder nicht, in dem Himmel. Solche Fragen stellen sich bei den Himmels-Berichten vermehrt.

Das Thema „Sex“ fehlt auch in diesem Katalog nicht. Die Sexualisierung der Gesellschaft hat auch das Christentum herausgefordert, Antworten zu geben:

„Schöner und lustvoller Sex muss kein Wunschtraum bleiben. Viele Ehen erleben irgendwann eine Sexmüdigkeit. Doch das kann sich ändern. Dieses Buch zeigt, wie wir neue Lust empfinden und mehr Freude am Sex bekommen können. Denn: Liebe und Leidenschaft sind lernbar.“

Brauchen wir wirklich schon wieder den x-ten Ratgeber zu Sex, Ehe und Beziehung? Müssen wir uns ständig mit diesem Thema herumschlagen? Werden wir nicht dadurch auch wie die Welt sexualisiert?

Wir leben in einer schlimmen Zeit. Immer mehr Menschen wenden sich von der Wahrheit ab (2Tim 4,4; Tit 1,14). Verführung und Abfall nehmen überhand (2Thess 2,3). Charismatik ist in die Gemeinde eingedrungen (Mt 7,22). Die Ökumene führt zur Zusammenarbeit mit der Hure Babylon (Offb 17 und 18). Was soll man dann noch sagen? Spiegelt nicht ein solcher Katalog genau das wieder? Uns und unsere Zeit? Mir fällt diese Aussage nicht leicht. In meinem Leben gibt es auch viel zu bemängeln, daher will ich nicht über die Motive und Beweggründe dieses Verlagshauses urteilen. Diese Christen meinen es wahrscheinlich auch gut. Aber gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Wir sitzen alle in einem Boot. Wir sollten die Warnung des HERRN Jesus Christus beherzigen, als er sagte:

Offb 3,11 Siehe, ich komme bald; halte fest, was du hast, damit [dir] niemand deine Krone nehme!

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