Der Tod und der Ausblick

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Ich hätte nie geglaubt, dass ich, ausgerechnet ich, einmal alt werden könnte. Alt, das waren immer nur die anderen. Alt, das waren meine Eltern und deren Freunde – aber ich?

Dem Kreislauf von Leben und Tod ist jeder Mensch unterworfen. Die meisten beginnen jung und enden alt. Wir können auf tausende Jahre Menschheitsgeschichte zurückblicken und finden niemanden, der ewig gelebt hätte. Wir finden niemanden, der sich erfolgreich gegen den Tod zur Wehr gesetzt hätte. Alle wuchsen in dem Wissen auf, dass das Leben vergänglich ist, dass es einen Tod gibt und dass dieser Tod jeden Menschen trifft. Nicht nur das Leben ist eine ewige Konstante, auch der Tod ist eine solche. Ich bin jetzt bald 40. Die Zeit ist viel schneller vergangen, als ich mir vorgestellt habe. Eben war ich noch jung, voller Hoffnung und voller Pläne, jetzt gehöre ich schon zu den älteren Menschen auf diesem Planeten. Eben noch schaute ich den Trailer von Miami Vice an, jetzt liegt diese Serie schon 30 Jahre zurück. Eben noch hörte ich am Frühstückstisch bei meiner Mutter Abba, heute läuft Abba nicht einmal mehr im Radio. Heute läuft Rap und Hip Hop. Alles vergeht, nichts bleibt, wie es war, und ich werde immer älter.

Wenn dieses Leben nur das einzige wäre, dann würde ich höchstwahrscheinlich verzweifeln. Wenn nach dem Tod nichts kommen würde, was würde es mir nutzen, überhaupt zu leben. Ich kann die guten Erlebnisse, die dieses Leben bietet, nicht ewig haben und muss die schlechten Erlebnisse, die in diesem Leben auftreten, nicht auf ewig erfahren. Beides hält sich die Waage. Für Menschen, die vom Schicksal benachteiligt sind, und die viele Schmerzen in ihrem Leben erdulden müssen, ist der Tod eine Erlösung. Für Menschen, die nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen und sich allezeit nur gut fühlen, ist der Tod und das Alter beängstigend. Grob gesagt: Der Tod ist die Scheidelinie, die jeder Mensch überschreiten muss, egal, ob er ein schönes oder schlimmes Leben hat. Der Tod bleibt konstant.

Doch wenn dieses Leben nur das einzige wäre, das es gibt, dann wüsste ich nicht, wieso man überhaupt am Leben bleiben sollte, wenn man einmal auf der dunklen Schattenseite des Leben steht. Ich persönlich weiß, wie es ist, wenn man viele Schmerzen erdulden muss, wenn man benachteiligt wird, wenn Hoffnungen ohne Grund zerplatzen und man nur hoffen kann, den nächsten Tag zu überstehen, weil es einem gerade so schlecht geht. Ich weiß, wie Träume wie Seifenblasen zerplatzen können; ich weiß, wie es ist, an den rauhen Klippen des Lebens Schiffbruch zu erleiden – und trotzdem leben ich gerne.

Ich weiß darum auch, wie es ist, wenn man weiterleben will; wenn man hofft, noch das ein oder andere schöne Erlebnis haben zu können, noch das ein oder andere gute Wort zu hören, Hoffnung zu haben. Eigentlich will ich nicht sterben. Ich hatte in meinem Leben so viele schöne Erlebnisse, dass ich weiß, dass Leben etwas schönes ist. Etwas, das sich auch auszahlt. Und ich hatte auch solche schlimmen Erlebnisse, dass ich weiß, dass ich diesen in meinem Leben nicht ewig ausgesetzt sein will. Das Leben ist schön und grausam zugleich. Das Leben biete Sonnen- und Schattenzeiten. Beim einen mehr, beim anderen weniger.

Wir wünschen uns häufig ewiges Leben, aber wir müssen mit ansehen, wie jeder Mensch, der ein gewisses Alter überschritten hat, eines Tages zu Grabe getragen wird. Gleichzeitig wehren wir uns gegen die Vorstellung, dass dieses Leben das einzige sein soll. Im Menschen gibt es so etwas wie die Hoffnung auf ein Leben, das über den Tod hinausgeht. Im Menschen, d. h. in seinem Herz, gibt es ein Empfinden für die Ewigkeit (Pred 3,11). Der Mensch will ewig leben, und gerade diese Hoffnung erlaubt es ihm, die schwierigen Zeiten auf dieser Welt durchzustehen.

Wir hier im Westen sind verwöhnte Leute. Wir hatten bis jetzt einen gewissen Wohlstand, wie ihn noch nicht viele Generationen vor uns hatten. Gleichzeitig hatten wir auch eine innere Leere, die nicht viele Menschen vor uns kannten. Wir sind nicht nur verwöhnt, wir hatten genauso wie jeder andere unsere eigenen Probleme. Trotzdem hatte auch wir so etwas wie eine Hoffnung auf ein nächstes Leben, was ebenso auch die armen Menschen in Afrika hatten. Wir wollen leben – und wir wollen ewig in Frieden und Harmonie leben! Daran wird wohl niemand etwas auzusetzen haben. Liebe und Freude ist für eine Ewigkeit angelegt, nur leider sehen wir hier immer noch viel, viel zu wenig davon. Hierbei kommt der Glaube ins Spiel. Der christliche Glaube. Ich kenne eigentlich keinen anderen Glauben, der passender für dieses Leben wäre, der dieses Leben besser erklären würde.

Der Tod ist nur in der Welt, weil der Mensch sich gegen Gott entschieden hat (1Mo 2,17). Ansonsten gäbe es keinen Tod. Der Tod ist widernatürlich (1Kor 15,26). Er passt einfach nicht zu uns und ist ein Fremdkörper. Darum wird der Tod auch unser Feind genannt. Auch wenn Adam und Eva und sündigten, und wir darum dem Tod unterworfen sind, so können wir dennoch Hoffnung haben. Jesus Christus kam, um den Tod zu entmachten und den dahinterstehenden Teufel zu besiegen. Dafür starb er am Kreuz. Der Tod hat nicht das letzte Wort, das zunehmende Alter auch nicht. Wir wissen, dass diese Welt und alle Menschen, die einmal gelebt haben, einem Ziel entgegengehen. Es gibt eine ewige Glückseligkeit, aber auch eine ewige Verdammnis. Wenn es nicht so wäre, dann gäbe es keine letztendlich Hoffnung und das ganze Leben wäre nur eine Ansammlung von Atomen, Hormonen und Fleisch ohne Sinn und ohne Ziel.

Offb 21,1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr. 2 Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. 3 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. 4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sprach zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen! Ich bin das A und das O1, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden geben aus dem Quell des Wassers des Lebens umsonst! 7 Wer überwindet, der wird alles erben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. 8 Die Feiglinge aber und die Ungläubigen und mit Greueln Befleckten und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner — ihr Teil wird in dem See sein, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.

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