Die relativ einfache Lösung des Emerging Church Problems

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1Joh 3,18 Meine Kinder, laßt uns nicht mit Worten lieben noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit!

Die Emerging Church Bewegung hat jetzt schon die Gemeinde gespalten. Es wird gekämpft und geschossen und die Fronten sind verhärtet. Doch das Problem liegt nicht im Aufkommen der Emerging Church Bewegung. Meiner Meinung nach, und hier rede ich hauptsächlich zu mir, liegt das Problem bei uns Christen. Natürlich kann man nicht für jeden sprechen, doch die Vorwürfe der Emerging Church Bewegung sind zum Teil berechtigt. Die Emerging Church Bewegung wirft den etablierten Freikirchen und Gemeinden, die hier noch nicht mitmachen, vor, dass sie Subkulturen bilden würden, weltfremd wären und ihr ganzer Glaube auf Dogmen und Traditionen aufgebaut wäre. Und hierin liegt ein wahrer Kern.

Der Missionsbefehl Jesu lautete:

Mk 16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Aus meiner persönlichen Erfahrung sieht das heute so aus (lasse mich hierbei auch gerne korrigieren):

„Baut Gemeinden und gründet Hauskreise, ladet die Menschen ein und wartet bis sie kommen.“

Wie wären Gemeinden entstanden, wenn sich Paulus nicht an die öffentlichen Plätze und Märkte gestellt und zu unerlösten Menschen geredet hätte? Paulus ist zu den Menschen gegangen und hat sie dort abgeholt, wo sie waren. Er ist nicht in Jerusalem, oder wo auch immer geblieben, und hat nicht die Pauluskirche gegründet und gewartet bis die Leute kommen.

Die Zeugen Jehovas haben den Christen in einem Punkt etwas voraus. Sie gehen von Haus zu Haus und führen akribisch Buch über jeden einzelnen Menschen, den sie für ihre Lehre gewinnen. Dort wird um jeden einzelnen Menschen gekämpft. Das ist großer Eifer, wenn auch nicht in Wahrheit, aber das sollte uns aber auch anspornen und demütig werden lassen.

Ein anderer Punkt ist: Man diskutiert zu viel und tut zu wenig.

Meine Oma war eine Frau die mit der katholischen Kirche aufgewachsen war und die sie das ganze Leben nie verlassen hat. Sie kannte nichts anderes! Sie glaubte auch an die Sakramente und praktizierte auch Marienverehrung, dies ließ aber später sehr nach, als sie sich mit dem Wort Gottes beschäftigte. Ich hatte ihr eine Bibel und christliche Kalender geschenkt, die sie begeistert las. Obwohl sie eine Witwe war, wartete sie nicht darauf besucht zu werden, sondern sie ging zu den Leuten im Ort, führte Gespräche und verkaufte Wasch- und Spülmittel um einfach etwas Kontakt zu haben und nahm Anteil am Leben der anderen im Ort. Meine Großmutter war eine sehr barmherzige Frau und war ständig am arbeiten! Wodurch kam das? Durch ein Gespräch mit ihr, fand ich das Geheimnis heraus. Sie sagte mir, dass sie jeden Morgen ein gewisses Gebet sprach. Dieses Gebet begann ungefähr mit: „Mein Jesus, Barmherzigkeit! …“ Dieses vorgefertigte Gebet wurde zu ihrem eigenen. Das merkte man daran, wie sie es aussprach. Obwohl sie ihr ganzes Leben den Irrlehren der katholischen Kirche ausgesetzt war und auch Statuen und einen Christuswinkel, sie wußte es nicht anders, im Haus hatte, hat der Herr Jesus genau dieses Gebet erhört. Da sie gewußt hatte, dass sie auf Barmherzigkeit angewiesen war, gab Er ihr nicht nur Barmherzigkeit, er ließ sie barmherzig werden. Als sie heimging, ging sie mit Frieden und strahlend und vor Dankbarkeit singend heim. Leider war ich nicht dabei. Aber ein Prediger einer bibeltreuen Gemeinde hat sie beim Sterben begleitet und war zutiefst beeindruckt davon. Sie wußte wenig, aber das was sie wußte wandte sie an.

Was will ich damit sagen? Wir diskutieren über Lehre, und das ist auch wichtig. Wir versuchen Irrlehren abzuwehren, lernen die griechischen und hebräischen Wörter der Bibel, führen geistliche Kriege und Schlachten. Wir haben viel Theorie, aber wenden sie nicht in der Praxis an. Man könnte jetzt einen Bericht ausarbeiten, wieso meine Großmutter als kirchentreue Katholikin nicht in den Himmel gekommen sein kann. Sie kannte weder die richtige Lehre, die Einteilung in die 7. Heilszeitalter, noch wußte sie etwas von Endzeit und Verführung, geschweige denn vom Dispensationalismus. Sie führte keine geschickte Diskussionen und Rededuelle, schrieb keine großartigen Abhandlung und sagte, als sie die Apostelgeschichte las: „Das ist unglaublich spannend, was die Apostel alles erlebt haben!“
Was nutzt es, wenn ich die Biografie von Georg Müller aus Bristol lese und davon begeistert bin, wenn ich mir dies nie als Beispiel für mich selbst anwende und es riskiere andere zu versorgen und mich nur durch Gebet versorgen zu lassen.
Was nutzen mir die Berichte und Biografien aus der Kirchengeschichte, wenn ich auf das Gelesene keine Taten der Liebe, des Mitgefühls und der Barmherzigkeit folgen lasse. Stattdessen sprechen wir anderen den Glauben ab, sehen hinter allem eine dämonische Bedrohung und suchen ständig nach Irrlehren und falschen Lehren. Wachsam zu sein ist zwar auch unsere Aufgabe und das ist auch wichtig, aber ich befürchte wir sind zu Theoretikern geworden.

Die Emerging Church hat dieses Problem erkannt. Sie hat den wunden Punkt getroffen. Die Lösung, die sie anbietet ist jedoch falsch. Gerade das sollte für uns ein Ansporn sein, uns wieder die Hände schmutzig zu machen. Ich meine nicht durch Sünde, sondern durch Taten der Liebe und Wahrheit. Wie viele Menschen verkümmern in den Psychiatrien? Gerade in den Psychiatrien ist ein großer Hunger nach Gottes Wort vorhanden. Die Psychiater sind selber ratlos und teilweise auch am verzweifeln und die Geistlichen, die dort arbeiten sind oft nur noch Namenschristen.
Die örtliche Kneipe ist das weltliche Gegenstück zur Gemeinde. Dort herrscht Hunger nach Liebe und Verständnis. Wieso geht man nicht einfach mal hin und hört nur zu? Wir haben immer sofort eine Lösung auf die Probleme der Menschen, aber wir hören nicht zu! Wenn man einem, der an der Theke sitzt, ein Bier spendiert, beeindruckt das oft mehr, als wenn man ihn sofort bekehren will.
Wie viele Kinder laufen geistlich und seelisch orientierungslos durch unsere Städte und Dörfer. Es bringt nicht viel, zu sagen, dass übermäßiger Handy-, Porno- und Internetkonsum schädlich ist, denn das ist oft noch das einzige was sie haben. Wir selbst sollten uns in sie investieren, uns für sie interessieren und ihnen zuhören.

Wenn wir Taten der Liebe, gekoppelt mit der richtigen Lehre, tun, dann haben wir, meiner Meinung nach, der Emerging Church etwas entgegenzusetzen. Der Herr Jesus hat gesagt, dass die Pforten der Hölle die Gemeinde nicht überwinden werden. Daher brauchen wir uns doch nicht allzu große Sorgen zu machen. An uns ist es, die Ursache des Problems zu erkennen und uns zu behandeln und endlich zu handeln.

(Ich habe jetzt ausschließlich von mir und zu mir geredet und muß darüber Buße tun, vielleicht kannst Du ja etwas damit anfangen.)

1Joh 3,18 Meine Kinder, laßt uns nicht mit Worten lieben noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit

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