Die Trinität – Muss die Kirchengeschichte umgeschrieben werden?

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Es dauerte viele Jahre und viele Kämpfe, bis die Theologie von der Trinität Gottes festgelegt und als offizielles Dogma verkündet wurde. Über viele Jahrhunderte wurde die Lehre von der „Dreieinigkeit“ Gottes, auch bekannt als Lehre von der „Dreifaltigkeit“, von den Gläubigen geglaubt. Nicht einmal die Reformatoren leugneten diese Lehre, und auch sie beriefen sich auf diese Beschlüsse. Sie konnten zwar vieles an der katholischen Kirche bemängeln, übernahmen aber die bibeltreuen Aussagen, die es auch in der katholischen Kirche am Anfang noch gab. Obwohl der Mainstream der Christenheit an diesem Erklärungsmodel festhielt, gab es immer wieder Personen, die es in Frage stellten. Z. B. die Zeugen Jehovas oder andere Sekten. Heutzutage wird die Lehre der Trinität von vielen, die sich Christen nennen, wieder erneut in Frage gestellt.

In einem früheren Artikel bin einmal darauf eingegangen, wie ich mir die Trinität erkläre (ein Auszug):

(…)“Die Frage, ob Jesus ein normaler Mensch war, ein großer Lehrer wie z. B. Buddha oder wahrhaftig Gott in Menschengestalt war, beschäftigt die Menschheit schon seit langem. Die vier Evangelien schildern uns vier Eigenschaften Jesu Christi.

1. Matthäus schildert uns Jesus als König

2. Markus schildert uns Jesus als Knecht

3. Lukas schildert uns Jesus als vollkommenen Menschen

4. Johannes schildert uns Jesus als Gott

Da der Apostel Johannes den Auftrag hatte, uns Jesus als Gottes Sohn (göttliche Natur) darzustellen, wollen wir uns etwas mehr mit dem Johannesevangelium und den Johannesbriefen und der Offenbarung des Johannes beschäftigen.

Der erste Satz des Johannesevangeliums (Kapitel 1) lautet:

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Dieser Satz könnte leicht verwirrend sein. Hier steht, dass das Wort bei Gott war und Gott das Wort war. Im Schöpfungsbericht lesen wir, dass Gott sprach und es wurde. Da hier gesagt wird, dass das Wort Gott war, muß das Wort ebenso eine Person sein, die gleichzeitig Gott ist und gleichzeitig eine andere Person, als der höchste Gott (Gott-Vater) ist. Hier haben wir ein Paradoxon. Wie kann jemand Gott sein und gleichzeitig nicht Gott-Vater sein.

In Vers 14 lesen wir:

14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Jetzt wird es schon genauer. Das Wort, das am Anfang, also vor der Schöpfung bei Gott war, wurde Fleisch. Das heisst nichts anderes, als das es Mensch wurde. Das Wort das Gott ist, gleichzeitig aber eine andere Person und doch gleich als Gott ist, wurde Mensch.

Wir wissen, dass hier von Jesus Christus die Rede ist, denn der ganze Text bezieht sich auf Ihn.

Im letzten Buch der Bibel findet sich wieder dieser Ausdruck von dem Wort Gottes, die Person wird hier folgendermaßen beschrieben:

Offb 19,13 Und er ist bekleidet mit einem Gewand, das in Blut getaucht ist, und sein Name heißt: »Das Wort Gottes«.

Es ist wieder Jesus, der am Kreuz sein Blut vergossen hat. Er ist Gott, wie aus Johannes 1/1 hervorgeht und ist doch eine andere Person.

In Johannes 20/28 wird Jesus wieder mit Gott angesprochen, obwohl er nicht Gott, der Vater, ist. Er ist jedoch Gottes Sohn:

Joh 20,28 Und Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

Nun, wie können wir mit diesem Paradoxon umgehen? Es gibt eine ganz einfach Erklärung aus der Natur. Schauen wir uns einmal das Wasser an:

Wasser hat drei Aggregatzustände. Zum einen einen gibt es das Wasser. Erhitzt man Wasser auf hundert Grad Celsius, haben wir Wasserdampf. Dies ist immer noch Wasser, aber in einem anderen Zustand. Kühlt man Wasser auf 0 Grad Celsius ab, haben wir Eis. Es ist immer noch Wasser, allerdings in einem anderen Zustand.

Natürlich ist diese Erklärungsmodell mangelhaft, aber es kann uns als Anschauung dienen: Wasser hat einen Grundstoff und kommt in drei Aggregatzuständen vor. So ähnlich könnte es beim Wesen Gottes auch sein.

Es gibt noch eine ähnliche Erklärung. Schauen wir uns selbst als Personen an. Wir sind eine Person und nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, jedoch bestehen wir aus drei Komponenten, die eine einzige Person ausmachen: Aus Körper, Geist und Seele:

1Thess 5,23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer ganzes [Wesen], der Geist, die Seele und der Leib, möge untadelig bewahrt werden bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus!

Wenn also der Mensch eine Einheit aus Geist, Seele und Körper ist und er nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde, warum soll dann nicht auch Gott aus einer Einheit mit drei Personen bestehen? Der Heilige Geist, der noch nicht erwähnt wurde, gehört dann daher auch, neben dem Vater und dem Sohn, zur göttlichen Einheit. Wir haben also eine Einheit aus Geist (Heiliger Geist), aus Seele (Vater) und Körper (Sohn).

Aus dem Zitat von Elihu aus Hi 33,4 geht ganz klar hervor, dass der Heilige Geist auch als Schöpfer tätig ist, daher muss es sich um eine Person handeln:

Hi 33,4 Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen erhält mich am Leben. (..)“

Soweit dazu.

Heute wird die allgemeine Lehre von der Trinität wieder massiv in Frage gestellt. Es herrscht große Verwirrung. Es scheint so, als hätte man aus der Kirchengeschichte nichts gelernt. Man rühmt sich gerne neuer Erkenntnisse, während es doch klar ist, dass der Glaube ein- für allemal überliefert worden ist. Eine Frage, die auch noch aufkommt, ist: Warum gilt die Lehre von der Trinität für viele unserer Zeitgenossen so verwerflich? Was ist so schlimm daran?

Eine ähnliche Diskussion kam auf einem anderen Blog auf. Zunächst wurde ein Artikel verfasst, in dem behauptet wird, dass Jesus Christus nicht der Vater sein könne. Das stimmt natürlich! Als dann ein Leserbrief einging, der für die Trinität sprach, kam eine Antwort, die ich schon viele Male gehört habe. Hier der Artikel:

http://best-superblog.de/rb/dreieinigkeit-ja-nein/#comment-531

Ein daraus herausgegriffener Aspekt ist: Als Antwort des Blogbetreibers wurde angeben, dass man sich lieber auf das persönliche Bibelstudium verlassen sollte, statt den Theologen und Kirchenvätern blind zu trauen. Das glaube ich zwar auch, jedoch können und dürfen wir von den Erkenntnissen, die die Glaubensvorfahren erarbeitet haben, durchaus profitieren. Daher habe ich einen Kommentar dazu auf der Seite gelassen. Ich bin der Meinung, das wir nicht 2000 Jahre Kirchengeschichte einfach so vom Tisch wischen können. Wir müssen uns auch nicht alles neu erarbeiten. Dies habe ich dann auch in folgendem Kommentar dargelegt, der hier nur wesentlich wiedergegeben ist:

„Ja, dieses Argument hört man immer wieder: „Ich halte nichts von den Lehren der Theologen und Kirchenmänner. Ich bilde mir selber eine Meinung durch das Lesen der Bibel! Ich lasse nur die Bibel sprechen!“ Manche Christen, die so argumentieren, sind nach meiner Erfahrung häufig für gutgemeinte Argumente und Korrektur nicht mehr offen, weil sie es ja besser wissen. Sie vergessen dabei, dass sie selber die Bibel häufig auch nur subjektiv lesen und auslegen – einem Grundsatz, dem jeder Bibelleser mehr oder weniger unterworfen ist – und machen ihre Meinung zum absoluten Maßstab. Dabei sind sie auch nicht besser wie die Leute, die sie kritisieren. (Gerade darum haben wir heute so viele verschiedenen Lehren, Irrlehrer und Spinner.)

Zudem vergessen sie, dass nicht jeder Gläubige die Gabe des Lehrens hat. Auch nicht jeder Gläubige ist ein Hirte, nicht jeder hat eine soziale Gabe und nicht jeder hat die Gabe der Geistunterscheidung. Das Zusammenspiel im Leib Christi ist so geregelt, dass die Glieder voneinander abhängig sind. Warum sollten wir dann nicht auf die von Gott eingesetzten und bestätigten Hirten und Lehrer hören (Eph 4,11), die diese Gabe hatten und haben? Warum sollen wir ihnen nach einer gewissenhaften Prüfung, die durchaus nötig ist, nicht auch glauben? Ich spreche nicht von blindem Gehorsam, sondern von der Unterordnung unter die von Gott in der Gemeinde eingesetzten Autoritäten. Dazu zählen auch unsere Vorfahren.

Wir erleben heute einen Dammbruch, wie es ihn noch nie gab. Biblische Wahrheiten, die von den Kirchenvätern, Reformatoren und Pietisten in großen Kämpfen und mit vergossenem Blut aus der Bibel herausgearbeitet wurden, werden heute größtenteils über Bord geworfen. Die Kirchengeschichte wird heute für ungültig erklärt und man bildet sich in seinem Hochmut ein, alles besser zu wissen als die die Kirchenväter (siehe Emerging Church und Liberale Theologie). Dabei sind wir nichts anderes als Laodizea, dass sich seines Reichtums rühmt, obwohl gar keiner vorhanden ist. Gut, die Kirchenväter waren auch nur fehlbare Menschen, die sich auch geirrt haben, manchmal sogar wesentlich. Deswegen brauchen wir aber nicht gleich alles zu verwerfen, was sie gesagt haben.

(Die Lehre von der Dreieinigkeit ist nur eines von vielen Beispielen, wie eine Lehre, die mühsam erarbeitet wurde, mit einem Schlag vom Tisch gewischt wird. Ich habe bis heute noch nicht begriffen, warum diese Lehre so schlimm sein soll, wenn man glaubt das Gott einer ist, der aus drei Personen besteht. Im Übrigen besteht ein Mensch auch aus drei Komponenten (Geist, Seele und Körper).)

Stattdessen tauchen die alten Irrlehren, die es schon von Anbeginn der Kirche gab, in großen Massen wieder auf, weil die richtige Lehre nicht mehr da ist. Es herrscht ein absolutes Chaos, weil es eben keine klaren theologischen Richtlinien mehr gibt.

Ich werde mich weiterhin an einen Luther, Calvin, Spurgeon oder Hudson Taylor halten. Ich werde weiterhin aus dem Schatz der Kirchengeschichte Reichtümer heben, den uns die vorhergehenden Generationen hinterlassen haben, wenngleich ich auch dabei prüfe. Es ist ungeheuer spannend, sich mit den Personen und Geschichten der vorhergehenden Generationen zu befassen. Wir können von ihren Siegen profitieren und von ihren Niederlagen lernen.

Ein guter Link zum Verständnis der Kirchengeschichte:

http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=23319&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=0&tm=2“ (…)

Meiner Meinung nach müssen wir uns nicht alles neu erarbeiten. Die Kirchengeschichte endete nicht mit den Aposteln. Natürlich haben wir nur eine Bibel und dadurch eine vorgegebene Lehre. Natürlich hat ein Christ mit Jesus Christus, dem Heiligen Geist und dem Wort Gottes seine volle Ausrüstung. Doch ein Christ ist in den Leib Christi mit eingebunden und daher nicht isoliert, wie ich in dem Kommentar bereits dargelegt habe. Daher können wir gerne von dem profitieren, was die frühen Kirchenlehrer zum Wesen Gottes, zur Trinität, gesagt haben.

Dazu noch:

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