Die Verschiebung der Prioritäten (Teil 2)

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Die Sendung des ERF wurde aber immer wunderlastiger. Aber auch der christliche Buchmark ist von Geschichten über Zeichen, Wunder und Kraftwirkungen immer stärker geprägt. Es wimmelt von Geschichten über Himmelsreisen, Nahtoderlebnissen, Erscheinungen von Engeln und Christussen. Nicht nur, dass sich jetzt auch in der Christenheit ungute Monopole bilden, – vor allem im Buchmarkt und der Musikbranche -, auch die Zeichen- und Wundersucht nimmt immer stärkere Ausmaße an. Normalerweise zählen die Leute dann vier Kapitel auf, an welchen sie aufzeigen wollen, dass wir heute verstärkt mit den vergessen geglaubten apostolischen Zeichen zu rechnen hätten. Anhand von Joel 3, Jesaja 53, Markus 16 und 1. Korinther 14 wollen sie aufzeigen, dass wir heute wieder verstärkt mit übernatürlichem Wirken Gottes zu rechnen hätten. Gott würde in der Endzeit eine so große Erweckung geben, dass selbst die Anfangszeit, die in der Apostelgeschichte geschildert wird, dagegen blass aussehen würde, so die Meinung dieser Leute. Dabei sollen spektakuläre Krankenheilungen, Visionen, übernatürliche Manifestationen, sprich Erscheinungen, Totenauferweckungen, prophetische Botschaften und viele andere Phänome  wieder auftreten, nachdem diese in der Kirchengeschichte nur mangelhaft vorhanden waren, weil die Menschen früher den Heiligen Geist gedämpft hätten. Genauso wie auch die Personen das getan hätten, die vor diesen übernatürlichen Manifestationen warnen. Den besagten Personen wird dann vorgeworfen, sie seien Pharisäer, böse Fundamentalisten, Spalter und fleischlich Gesinnte, nicht fähig zu wahrhaft geistlichen Erkenntnissen.

Was steht wirklich in der Bibel? Man sollte einfach einmal die folgenden Stellen nachlesen und vor allem: Genau lesen, im Gesamtzusammenhang, auch Joel 3. Joel 3 beschreibt eine Erweckung, ohne Zweifel. Aber wer wird diese Erweckung erleben? Nicht die Gemeinde, sondern Israel. Joel 3 beschreibt die Endphase, wenn sich in Israel ein großer Teil des Volkes Jesus Christus zuwenden wird. Aber auf keinen Fall ist damit die Gemeinde gemeint. Die Gemeinde hat eine andere Zukunft: Abfall der Masse vom biblischen Gott (2Thess 2,3; 1Tim 4,1), Niedergang der allgemeinen Moral unter Christen (2Tim 3,1-9); Verführung durch falsche Christusse und falsche Propheten (Mt 24,24), Verführung durch satanisch gewirkte Zeichen und Wunder (2Thess 2,9). Gipfeln wird das in der Ankunft des größten Verführers überhaupt, dem Antichristen, der als Gericht Gottes über eine von ihm abgefallene Welt kommen wird (2Thess 2,11). Man fühlt sich in unserer Zeit, wo die Gesetzlosigkeit überhand nimmt (Mt 24,12), an die Wort des Herrn erinnert:

Mt 16,4 Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als nur das Zeichen des Propheten Jona! Und er verließ sie und ging davon.

(Wie hoch ist heute die Scheidungsrate?)

Ich bin hierbei auch nicht besser und sage das auch zu mir. Seien wir ehrlich: Wir sind doch nur noch ein jämmerlicher Abklatsch dessen, was einmal die Gemeinde ausmachte. Wunder und Zeichen sind kein geistlicher Maßstab. Geistliche Größe zeichnet sich durch ein vor Gott geordnetes Leben aus. Wir aber sind wie Sodom und Gomorrha geworden, wie die Menschen, die vor der Flut lebten und wir merken das nicht einmal mehr (Lk 17,26-37). Uns erwartet keine Erweckung, uns erwartet Gericht, und das fängt bekanntlich am Hause Gottes an:

1Petr 4,17 Denn die Zeit ist da, daß das Gericht beginnt beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, wie wird das Ende derer sein, die sich weigern, dem Evangelium Gottes zu glauben?

Und die Spalter? Wir werden vom Wort Gottes aufgefordert, uns von diesen Dingen abzusondern und eben nicht bei allen Dingen mitzumachen (2Kor 6,14-17), und schon gar nicht nach satanischen Zeichen und Wundern zu trachten, der Teufel kann sich nämlich auch als Engel des Lichts verkleiden:

2Kor 11,14 Und das ist nicht verwunderlich, denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts.

Wenn ich Gott um ein Brot bitte, dann gibt er mir keinen Stein, das stimmt! Wenn ich aber ständig nach Übersinnlichem, nach Zeichen und Wundern suche, sprich: NACH MEHR, weil ich mit gar nichts mehr zufrieden bin, dann kann es sein, dass sich das der Feind zu nutze macht. Es liegt in meiner Verantwortung, ob ich getäuscht werde oder nicht. Wundersucht ist ein krankhafte Eigenschaft, keine Tugend, wie ja Mt 16,4 zeigt.

Auch hier hat eine Verschiebung stattgefunden. Heute meint man, man sei besonders geistlich, wenn man viele Erlebnisse gehabt hat, viele Zeichen und Wunder sah, viel Wissen hat und viele Bekehrungen von Ungläubigen vorweisen kann. Das alles ist jedoch keine echte Geistlichkeit. Echte Geistlichkeit zeichnet sich durch die Früchte des Heiligen Geistes aus:

Gal 5,22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.

Eph 5,9 Die Frucht des Geistes besteht nämlich in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Ich denke, bei dieser Liste wird jeder Christ sofort demütig! Nicht spektakulär soll es sein, sondern klein. Keine faszinierende Person soll dominieren, sondern Demut ist angesagt. Keine großen Zeichen und Wunder, sondern Opfer- und Leidensbereitschaft.

Röm 12,16 Seid gleichgesinnt gegeneinander; trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen; haltet euch nicht selbst für klug!

Hier geht´s zu Teil 3
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