„Ein Christ raucht nicht!“

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Ich kann mich noch dunkel an die Zeiten erinnern, als in der Talkrunde im Fernsehen geraucht wurde. Die Politiker und Stars saßen mit ihren Glimmstengeln vor den Kameras und rauchten das Fernsehstudio voll. Helmut Schmidt ist noch ein Relikt aus dieser Zeit. Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie im Bus oder Flugzeug geraucht werden durfte. Im Bus gab es hinter jedem Sitz einen Aschenbecher; viele von ihnen waren voll und es roch im Linienbus immer nach abgestandenem Rauch. Im Flugzeug gab es ein Separee für Raucher. Auch in den Kneipen durfte damals noch geraucht werden, wie im Speiserestaurant auch. Heute stehen die Raucher in der Kälte draußen – zumindest bei uns in Bayern – und frieren sich die Gliedmaßen im Winter ab. Ich will ja nicht sagen, dass es nicht gut ist, wenn an öffentlichen Plätzen nicht mehr geraucht werden darf – aber in einer Pilsbar?

Das Rauchen ist heute geächtet. Ich finde das einerseits gut, andererseits auch wieder nicht, weil ich selber Raucher bin. Nein, mir macht das Rauchen keinen Spaß. Ich wurde in meiner Jugend davon abhängig. Ich kam bis heute nicht davon los und zerstöre meinen Körper damit. Wer weiß, wie das noch endet? Ich habe mehrmals versucht aufzuhören, aber ich schaffe es nicht. Diese Angewohnheit sitzt zu tief in meinem Knochen. Ich bin süchtig nach Tabak.

Nicht genug damit, dass man eh schon Probleme damit hat, zu rauchen – auch unter Christen ist das Rauchen verpönt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich vor einigen Jahren einmal eine Vortragsreihe zur Offenbarung des Johannes anhören wollte. Diese Vorträge wurden in einem christlichen Erholungsheim gehalten. Ich fuhr voller Vorfreude auf dieses Event. Als ich dort ankam, stellte ich zu meinem Entsetzen fest, dass es dort nirgendwo eine Raucherecke, geschweige denn einen Aschenbecher gab. Für einen extremen Suchti ist das nicht gerade toll. So ging ich morgens, mittags und abends in den angrenzenden Wald und rauchte dort, wo mich niemand sehen konnte. Ich kam mir einsam und verloren vor, so als wäre ich der letzte Raucher auf der Welt. Wahrscheinlich war ich wirklich der einzige Raucher auf dem Gelände, aber so richtig kann ich das auch wieder nicht glauben.

Eine andere Sache ist mir auch noch in Erinnerung geblieben. Ich besuchte für eine kurze Zeit einen christlichen Hauskreis, bei dem ich – wie soll´s anders sein – der einzige Raucher war. Die Person, die den Hauskreis leitete, sagte zu mir, dass ich von ihr aus ruhig weiter rauchen könnte, allerdings sollte ich das nicht vor den anderen tun, damit sie nicht auch noch damit anfangen würden. So musste ich ständig etwas vorheucheln. Heute ist es so, dass diese Person selber wieder raucht, da sie früher schon einmal geraucht hatte, und dass der harte Kern des Hauskreises ebenso wieder raucht. Davon, vor anderen nicht zu rauchen, ist jetzt bei ihnen selber keine Rede mehr.

Ein anderes Erlebnis hatte ich mit einem Christen, der durch die Bekanntschaft mit einem Freund einmal in meine Wohnung kam. Als er sah, dass ich in meiner Wohnung rauchte, sagte er die folgenschweren Worte: „Ein Christ raucht nicht!“ Ich hätte ihm vielleicht damals sagen sollen: „Du siehst doch, dass ein Christ rauchen kann!“ Aber das habe ich mir verkniffen.

Als Raucher hat man es nicht leicht. Und als Christ schon zweimal nicht. Man wird ständig darauf angesprochen mit Standardsätzen, die mir schon zu den Ohren rauskommen. „Warum rauchst Du?“, ist so eine Frage. Ich kenne die Hintergedanken dabei: Der Raucher soll sich die Frage stellen, warum er raucht, damit er erkennt, dass hinter dem Rauchen weder Genuss liegt (denn niemand kann wirklich Rauch genießen), noch dass er jemals irgendetwas vom Rauchen hat außer einer kaputten Gesundheit und die Aussicht auf schwerwiegende Krankheiten. Ich sag´s noch einmal in Großbuchstaben: „ICH RAUCHE, WEIL ICH SÜCHTIG BIN UND ICH SCHAFFE ES NICHT, VON DIESER SUCHT WEGZUKOMMEN.“ Mir mangelt es an Willen, Kraft und Durchhaltevermögen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Also ihr, die ihr diese Zeilen lest: Denjenigen, die noch nicht rauchen, will ich sagen: „Fangt auf keinen Fall damit an!“ Ich macht Euch nicht nur selbst Probleme, sondern ihr bekommt auch Probleme mit eurer Umwelt. Und den anderen Christen will ich sagen: „Seid ein bisschen barmherziger mit den Rauchern, denn sie haben es sowieso schon schwer genug.“ Und im Übrigen will ich noch sagen, dass der „Fürst der Prediger“, Charles Haddon Spurgeon, auch Raucher war. Von ihm ist folgende Anekdote überliefert:

„Der Amerikaner Dwight L. Moody und Charles Spurgeon, ein Engländer, zwei der großen Prediger des 19. Jahrhunderts, trafen sich einmal in London. Moody bewunderte Spurgeon und hatte sich enthusiastisch auf das Treffen gefreut. Als Spurgeon zur Tür seines Hauses kam, hatte er eine Zigarre in seinem Mund. Moody war entsetzt! Er stammelte: „Wie kannst du, ein Mann Gottes, Zigarre rauchen?“ Spurgeon nahm die Zigarre aus seinem Munde, schmunzelte und legte seinen Finger auf Moodys üppigen Bauch und sagte: „Auf die gleiche Weise wie Du, ein Mann Gottes, so fett sein kannst.“

Nachtrag vom 01.12.2016: Bin jetzt dank Gebets zum Herrn seit Januar 2016 frei vom Rauchen. Es geht – aber es war sehr hart!

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5 Gedanken zu „„Ein Christ raucht nicht!““

  1. Jesus Christus hat den Willen seines himmlischen Vaters ausgeführt um uns zu erlösen am Kreuz . Er nahm dazu Knechtsgestalt an, entäußerten sich selbst bis zum Tod am Kreuz, wo er für unsere Sündewillen zerschlagen und gemartert wurde, und dort, dort starb auch unser alter Mensch als mitgekreuzigt mit unserem Heiland…, und unser alter Mensch ist dort auch mitgestorben, er ist Tot, aber weil dieser alte Mensch sich mit seinen Regungen und Neigungen bis zu unserem Tod uns begleitet und darum noch in uns ist und uns durch die Lüste des Fleisches regieren will, darum sollen wir als der Sünde Abgestorbene nicht mehr der Sünde leben, sondern sie für tot halten, Gott aber lebend durch Jesus Christus unseren Herrn, denn dazu ist Jesus Christus am Kreuz gestorben, dass wir der Sünde hinfort nicht mehr dienen, ja nicht mehr dienen müssen, ist das nicht wunderbar?!

    1. Lieber Eduard,

      das Problem wurde zwischenzeitlich gelöst. Jesus Christus hat mich vom Rauchen freigemacht. Ich habe seit Januar 2016 nicht mehr geraucht. Bei „Gott sind eben alle Dinge möglich“. 🙂

      Liebe Grüße

      Thomas

  2. Halleluja! 🙂
    (Ein immer-noch Raucher; derzeit nicht wirklich kämpfend)

    Yep; der brüllende Löwe ist nicht zu unterschätzen – aber der Löwe von Juda IST stärker.

    Johannes 15; 5-11

  3. Ermutigend und Danke dafür ! Ehrlichkeit gewinnt immer bei Jeus die Anerkennung die es braucht um ihn zur Wirkungen gelangen zu lassen. –> Er <– ist mit uns und hilft da wo wir versagen. Was für eine Gnade.

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