Ein Psalm für alle Unrechtleidenden, Zornigen, Entmutigten und Leidenden

Wer kennt das nicht:

-Man macht die Zeitung auf und wird von vorne bis hinten belogen.

-Die Bundesregierung oder die EU beschließt mal wieder ein völlig sinnloses Gesetz.

-Die Steuern werden erhöht, der Sprit geht rauf, eine Rechnung kommt und die monatlichen Ausgabengrenze ist schon in der Mitte des Monats überschritten.

-Der Arbeitskollege, der alle seine Mit-Kollegen beim Vorgesetzten denunziert, wird Vorarbeiter.

-Ein Freund kündigt die Freundschaft wegen einer Lappalie.

-Die Geschäftsführung beschließt das Personal zu reduzieren, nachdem im letzten Jahr ein großer Gewinn gemacht wurde. Sie wissen noch nicht, ob sie gehen müssen oder bleiben können.

-Man bekommt eine Abmahnung von einem Rechtsverdreher, der das Internet als lukrative Geldquelle entdeckt hat und seinen Anwaltstitel dazu einsetzt, um andere abzuzocken.

Wenn sie so wie ich bin, dann bekommen sie einen roten Kopf, das Herz krampft sich zusammen und man würde gerne wieder die Todesstrafe einführen für Leute, die es gar nicht juckt, andere zu übervorteilen, runter zu machen, zu denunzieren und auf andere Art und Weise zu schaden. Zorn und Wut steigen dann auf, verbunden mit Hilflosigkeit und dem Wunsch nach Rache.

Für Menschen, die mit Gott leben und gerechtfertigt sind, gibt es daher einen interessanten Psalm, der u. a. auf solche Reaktionen eingeht. Es ist Psalm 37. Ich weiß, der Psalm ist lang, aber lesen sie ihn ruhig einmal ganz aufmerksam durch:

Psalm 37

Von David. 1 Erzürne dich nicht über die Bösen, und ereifere dich nicht über die Übeltäter! 2 Denn sie werden schnell verdorren wie das Gras und verwelken wie das grüne Kraut. 3 Vertraue auf den Herrn und tue Gutes, wohne im Land und übe Treue; 4 und habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt! 5 Befiehl dem Herrn deinen Weg, und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen .6 Ja, er wird deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wie das Licht und dein Recht wie den hellen Mittag. 7 Halte still dem Herrn und warte auf ihn! Erzürne dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der Arglist übt. 8 Steh ab vom Zorn und laß den Grimm; erzürne dich nicht! Es entsteht nur Böses daraus. 9 Denn die Übeltäter werden ausgerottet; die aber auf den Herrn harren, werden das Land erben. 10 Nur noch eine kurze Zeit, so wird der Gottlose nicht mehr sein, und wenn du dich nach seiner Wohnung erkundigst, ist er nicht mehr da. 11 Aber die Sanftmütigen werden das Land erben und sich großen Friedens erfreuen. 12 Der Gottlose heckt Pläne aus gegen den Gerechten und knirscht gegen ihn mit den Zähnen; 13 aber der Herr lacht über ihn; denn er sieht, daß sein Tag kommt. 14 Die Gottlosen haben das Schwert gezückt und ihren Bogen gespannt, um den Elenden und Armen zu fällen und die umzubringen, die aufrichtig wandeln. 15 Ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen, und ihre Bogen werden zerbrechen! 16 Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser als der Überfluß vieler Gottloser. 17 Denn die Arme der Gottlosen werden zerbrochen, aber die Gerechten stützt der Herr. 18 Der Herr kennt die Tage der Rechtschaffenen, und ihr Erbe wird ewiglich bestehen. 19 Sie sollen nicht zuschanden werden zur bösen Zeit, sondern genug haben auch in den Tagen der Hungersnot. 20 Aber die Gottlosen werden umkommen, und die Feinde des Herrn sind wie die Pracht der Auen; sie vergehen, im Rauch vergehen sie. 21 Der Gottlose borgt und zahlt nicht zurück; der Gerechte aber ist barmherzig und gibt. 22 Denn die von Ihm Gesegneten werden das Land erben, aber die von Ihm Verfluchten sollen ausgerottet werden. 23 Vom Herrn werden die Schritte des Mannes bestätigt, wenn Ihm sein Weg gefällt. 24 Fällt er, so wird er nicht hingestreckt liegenbleiben; denn der Herr stützt seine Hand.25 Ich bin jung gewesen und alt geworden, doch habe ich nie den Gerechten verlassen gesehen, oder seinen Samen um Brot betteln. 26 Er ist allezeit barmherzig und leiht gern, und sein Same wird zum Segen. 27 Weiche vom Bösen und tue Gutes, so wirst du ewiglich bleiben! 28 Denn der Herr hat das Recht lieb und verläßt seine Getreuen nicht; sie werden ewiglich bewahrt, aber der Same der Gottlosen wird ausgerottet. 29 Die Gerechten werden das Land erben und für immer darin wohnen. 30 Der Mund des Gerechten verkündet Weisheit, und seine Zunge redet Recht. 31 Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen, und seine Schritte wanken nicht. 32 Der Gottlose lauert auf den Gerechten und sucht ihn zu töten. 33 Aber der Herr wird ihn nicht seiner Hand überlassen und ihn nicht verurteilen, wenn er gerichtet wird. 34 Harre auf den Herrn und bewahre seinen Weg, so wird er dich erhöhen, daß du das Land erbst. Wenn die Gottlosen ausgerottet werden, wirst du es sehen! 35 Ich sah einen Gottlosen, der war gewalttätig und breitete sich aus wie ein grünender, tiefwurzelnder Baum. 36 Aber als man wieder vorbeiging, da war er nicht mehr; ich suchte ihn, doch er war nicht mehr zu finden. 37 Achte auf den Unschuldigen und sieh auf den Aufrichtigen; denn für den Mann des Friedens gibt es eine Zukunft! 38 Die Übertreter jedoch werden allesamt vertilgt, und die Zukunft der Gottlosen wird abgeschnitten. 39 Die Rettung der Gerechten kommt von dem Herrn; er ist ihre Zuflucht zur Zeit der Drangsal. 40 Der Herr wird ihnen beistehen und sie erretten, er wird sie erretten von den Gottlosen und ihnen helfen; denn sie bergen sich bei ihm.

Der Psalm warnt vor einer Gefahr. Es ist zum einen die Gefahr sich in Wut und Zorn zu verlieren, zum anderen auch eine Warnung davor, dass Recht selbst in die Hand zu nehmen. Wir haben nicht das Recht, uns selbst zu rächen. Denn es steht im Neuen Testament unter anderem:

Röm 12,19 Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr«.

Gott allein ist der gerechte Richter. Er kennt die Beweggründe des Herzens und den ganzen Menschen. Er wird Unrecht vergelten. Auch im Psalm 37 wird aufgeführt, dass Gott das Böse nicht hinnimmt. Es wird außerdem gezeigt, wie die Gottlosen von Gott gerichtet werden. Das aber ist seine Sache. Wir sollen uns nur darum kümmern, dem HERRN treu zu bleiben und Gutes zu tun. Das will Gott von uns. Darum sollen wir auch vom Zorn Abstand nehmen. Kümmern wir uns darum, Gutes zu tun und für den Frieden zu sein. Die Gottlosen werden sich selbst zu Fall bringen.

Unseren Frust dürfen wir jederzeit vor Gott bringen, denn es steht auch geschrieben:

Ps 62,9 Vertraue auf ihn allezeit, o Volk, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht. (Sela.)

Wenn man seine Herz ausschüttet, dann ist das, wie wenn man eine Tasche ausleert. Alles kommt raus. Das Nützliche und der Müll. So sollen wir es bei Gott auch machen. Laden wir bei ihm unseren Frust über die Ungerechtigkeit ab und er wird uns helfen. Dann können wir uns wieder den wirklich wichtigen Dingen im Leben zuwenden.

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