Eine ewige Heimat

DSCN0620 (Medium)Das erste Buch Mose (Genesis) beginnt mit der Erschaffung der Welt und des Kosmos. Am sechsten Tag wird der Mensch geschaffen. Mann und Frau, das erste Paar, leben in einer völlig harmonischen Umgebung in völliger Einheit mit Gott. Der Mensch hat ein richtiges Zuhause, erfährt Geborgenheit, Sicherheit und hat Bedeutung. Doch nicht für immer. Die Schlange, der Satan, überzeugt die ersten Menschen davon von der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen und somit in der Zukunft dem Tod und Sterben unterworfen zu sein. Der Mensch, daraufhin von Gott bestraft, muss seine heimische Umgebung, Eden, verlassen und wird ein heimatloser Streuner auf der Erde. Der Mensch ist nicht nur seiner Heimat entfremdet, er ist Gott und seinem Nächsten entfremdet und dem Tod unterworfen. Darum endet das erste Buch Mose mit dem Tod Josefs und dem Aufenthalt des Volkes Israel in einem fremden Land, Ägypten. Tod und Entfremdung – seit dem Sündenfall ist nichts mehr wie vorher.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, heimatlos zu sein. Während meines Lebens bin ich vier, bzw. fünf Mal umgezogen. Zuerst verließen meine Mutter und ich nach der Scheidung meinen Vater und zogen in das Dorf, wo die Mutter meiner Mutter, meine Oma, wohnte. Dort brauchte ich einige Zeit, bis ich meine alten Freunde im alten Ort loslassen konnte und mir neue Freunde suchen konnte. Nach der Scheidung meiner Eltern, verlor ich zudem meinen Vater, daher weiß ich, wie es ist, wenn man bei nur einem Elternteil aufwachsen muss. Es fehlt einfach der Vater – es fehlt ein Stück Geborgenheit. Meine Mutter heiratete daraufin noch einmal, trotzdem konnte das den Verlust meines Elternhauses, mit all den Verwandten väterlicherseits, nie ganz wettmachen. Als dann in meiner späten Jugend meine psychische Krankheit voll ausbrach, war ich nicht nur mir selber, sondern auch meinem Umfeld völlig entfremdet. Das führte zu großen Spannungen. So zog ich wieder um, diesmal in eine weiter entfernte Stadt, weil ich hoffte, alles hinter mir lassen zu können.

In der Stadt brauchte ich wieder eine längere Anlaufphase, bis ich Menschen kennenlernte und mich eingelebt hatte. Alles war so neu, so spannend, so aufregend. Doch nach und nach machte sich auch hier ein Misston bemerkbar. Meine psychische Krankheit schlug auch hier wieder voll zu und überdeckte die Freude an meiner neuen Heimat. So bereitet mir dann das Stadtleben mit seiner Geschäftigkeit und dem Trubel nach einigen Jahren ungute Schwierigkeiten. Ich konnte einfach nicht mehr abschalten, das lag natürlich auch an meiner Krankheit, bei der ich viele Menschen um mich herum als belastend empfinde. So beschloss ich nach einigen Jahren noch einmal umzuziehen – diesmal wieder aufs Land. Hier war die Eingewöhnung noch schwieriger und dauerte länger, etwa drei Jahre. Am Anfang wollte ich einfach meine Ruhe. Doch mit der Zeit ging ich öfter in die örtlichen Lokale und lernte auch hier wieder Menschen kennen. Nach ein paar Jahren hatte ich mich wieder einmal gut eingelebt, aber ich wusste: Auch hier bin ich nicht zuhause. Der Ort, in dem ich lebte, hatte seine eigene Geschichte, seine eigenen Menschen, ich würde nie ganz dazugehören. Nachdem ich mich, so gut es ging, eingelebt hatte, musste ich zwangsweise noch einmal umziehen, wieder aufs Land, doch hier, wo ich jetzt bin, fühle ich mich überhaupt nicht mehr heimisch. Ich fühle mich als Fremdkörper, und alle Menschen sind mir fremd. Das ist schlimm. Jetzt fühle ich mich komplett heimatlos und trauere der Vergangenheit hinterher. Ich fühle einen tiefen Schmerz des Bedauerns, auf dieser Welt keine bleibende Heimat gefunden zu haben. Doch so etwas ist auf dieser Welt normal.

Wir können die Zeit nicht anhalten. Alles verändert sich. Wir sind immer noch „jenseits von Eden“. Eltern sterben, Freunde gehen weg, Häuser werden gebaut und abgerissen, man zieht um, wechselt den Arbeitsplatz, lernt neue Menschen kennen und verliert andere aus den Augen – alles verändert sich, es gibt keinen Stillstand, das ist der Teil des heimatlosen Menschen auf dieser Welt. Obwohl Gott die Ewigkeit in das Herz des Menschen gelegt hat (Pred 3,11), so ist er doch noch fern davon. Der Mensch ist noch nicht am Ziel, er hat sein verlorenes Zuhause noch nicht erreicht. Doch es gibt eine Hoffnung, die über dieses Leben hinausgeht. Der Mensch ist nicht dazu verurteilt, auf ewig heimatlos zu sein. Gott wird dem Menschen, der an ihn glaubt und eine gute Beziehung zu  ihm hat, ein ewiges Vaterhaus bauen, ja er baut schon seit 2000 Jahren daran:

Joh 14,2 Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.

Wir wissen aus der Bibel, dass in diesem neuen Vaterhaus, das letztendlich auf einer neuen Erde mit einem neuen Himmel stehen wird, die ewige Heimat für viele Menschen sein wird, die den rettenden Glauben an Jesus Christus hatten und haben. Das neue Jerusalem ist eine ewige Stadt, die eine ewige Heimat beinhaltet:

Offb 21,1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr. 2 Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. 3 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. 4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sprach zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß!

Das sind gewaltige Aussichten. Wer hier auf dieser Erde keine Heimat hat, der wird, falls er an Jesus Christus glaubt, eine ewige Heimat auf einer neuen Erde haben, auf der es kein Leid und keinen Schmerz mehr geben wird. Das darf man ruhig glauben, auch wenn man es sich noch nicht vorstellen kann. Wenn Gott etwas Neues schafft, dann dürfen wir glauben, dass das Neue noch viel besser als das Alte sein wird. Wir müssen einfach daran festhalten: So wie das erste Buch Mose mit Entfremdung und Tod endete, so wird im letzten Buch der Bibel beschrieben, wie letztendlich von Gott alles neu gemacht wird, wie auf die Entfremdung eine Heimat und Gemeinschaft folgt, wie der Mensch aus dem Tod zum ewigen Leben kommt. Bis dahin gilt:

Hebr 13,14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Dieser Gedanke sollte uns trösten, wenn wir uns auf dieser Welt heimatlos fühlen.

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