Endzeit in Jerusalem, Endzeit bei uns

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Bild: Bernd-Kasper_pixelio.de

In Notzeiten sehnt man sich nach Hilfe. In Notzeiten sucht man einen festen Halt. In Notzeiten braucht man Sicherheit. Solche Notzeiten erlebte der alttestamentliche Prophet Jeremia, der auserwählt war, eine schlechte Botschaft zu überbringen. Jeremia lebte in einer Zeit, die man als Endzeit ansehen kann.

Viele Jahre waren nach der Landnahme des Volkes Israel vergangen, nachdem sie aus der Sklaverei in Ägypten von Gott befreit worden waren. Unter Josua wurde dann das Land Kanaan eingenommen, so dass sich die Israeliten dort ansiedeln hatten können. Den Götzendienst, den sie in Ägypten erlernt hatten, brachten sie nie ganz zum Stillstand. Während der Zeit der Richter fiel das Volk wieder und wieder in den heidnischen Götzendienst, den JAHWE verboten hatte. Auch die Könige, die auf die Richter folgten, fielen in Götzendienst. Es gab zwar immer wieder Reformationen, aber diese ungute Tendenz war wie ein Sauerteig, der im Verborgenen gärte. Gott hatte wirklich lange zugesehen und viel Geduld mit dem Volk gezeigt, indem er immer wieder Propheten gesandt hatte, die das Volk zur Umkehr aufrufen sollten. Obwohl es immer wieder Rückbesinnungen und Aufbrüche gab, waren die meisten von ihnen nicht von Dauer. So kam es, wie es kommen musste. Das Volk und seine Führer konnten keine echte Buße tun. Als Folge davon ließ Gott ein Gericht kommen. Zuerst wurden die 10 Stämme aus dem Land deportiert. Und jetzt sollte auch das Gericht Gottes über Juda kommen, die zeitweise gottesfürchtige Könige und Fürsten gehabt hatten, jedoch immer wieder von Gott abgefallen waren. Gott hatte bestimmt, dass die Babylonier das Gericht an Juda und Jerusalem vollziehen sollten unter dem König Nebukadnezar. In dieser Zeit sandte Gott mehrere Propheten, um das Volk zur Umkehr zu bewegen, denn Gott versuchte mit allen Mitteln, das Volk doch noch zur Umkehr zu bewegen.

In dieser Endzeit war die Gesetzlosigkeit des Volkes auf dem Höhepunkt. Sie opferten ihre Säuglinge den fremden Göttern und verbrannten sie. Betrug und Übervorteilung waren an der Tagesordnung. Dazu kam Hurerei und sexuelle Perversion. Falsche Propheten traten auf und verführten durch ihre verlogenen Weissagungen das ganze Volk. Die Führungsschicht war korrupt, die Ausländer, Witwen und Waisen wurden übervorteilt, Sklaven wurden nicht rechtmäßig behandelt usw.

Gott schickte also Jeremia, um das Volk und die Oberschicht wachzurütteln. Gott gebrauchte recht deutliche, scharfe Worte, die Jeremia überbringen sollte. Doch sie stießen weitgehend auf taube Ohren. Statt dass man sich diese Worte zu Herzen genommen hätte, wurde der Überbringer der Botschaft, also Jeremia, denunziert, gehasst und verfolgt. Man trachtete ihm nach dem Leben. Er wurde gefangen genommen und einmal in einen Brunnen geworfen. Durch die scharfen Worte erregte er Anstoß. Das hätte dem Propheten schon gereicht, wären da nicht auch die falschen Propheten gewesen, die das genaue Gegenteil von dem behaupteten, was Jeremia sagte. Sie predigten Frieden und Sicherheit, im Angesicht der herannahenden Gefahr. Sie zogen die Masse des Volkes und der Führer auf ihre Seite, so dass die Drohbotschaft Gottes nicht mehr geglaubt wurde. Ich denke, dass das Jeremia zugesetzt hat. An den Äußerungen, die wir dem Buch Jeremia entnehmen können, sehen wir, dass Jeremia häufig unglücklich war, zwischen Mitleid und Rachegedanken für die Mitmenschen, die ihm viel angetan hatten, hin und her schwankte und manchmal sogar an Gott verzweifelte. Als dann der Untergang Jerusalems kam, schrie er nicht: „Ha Ha, ich hab´s Euch doch gesagt.“ Nein, er dichtete ein Klagelied und weinte.

Das Buch Jeremia enthüllt erstaunliche Parallelen, die wir in unserer Zeit feststellen können. Unsere Führung und Oberschicht ist korrupt. Viele Kinder werden auf dem Altar der Selbstbestimmung geopfert, indem ihnen durch die Abtreibung das Recht auf Leben verwehrt wird. Sexuelle Perversion, gepaart mit Esoterik und Okkultismus, sind an der Tagesordnung. Die Armen werden übervorteilt und ausgebeutet. Wem reicht die Rente noch? Zeitarbeitsfirmen verdienen an den geringen Arbeitslöhnen, so dass Arbeit nicht mehr zum Lebensunterhalt reicht. Betrug ist ebenso an der Tagesordnung, an dem sich auch die großen Banken und Konzerne beteiligen. Dazu kommen dann die falschen Propheten der abgefallenen Kirchen und Denominationen und reden von gewaltigen Erweckungen, predigen ein Wohlstandsevangelium und reden jede noch so schlimme Sünde heilig. Wenn wir das Buch Jeremia lesen, dann brauchen wir es nur neben die Tageszeitung zu legen und wir werden feststellen, dass wir in einer deckungsgleichen Zeit leben. Unser Zustand ist derselbe.

Da Gott sich niemals ändert, kann er auch uns nicht so weitermachen lassen wie bisher. Uns droht auch ein Gericht. Wann dieses Gericht kommt, das vermag ich nicht zu sagen. Es kommt jedoch gewiss. Wenn wir die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch der Bibel, lesen, dann können wir erkennen, das Gott ein weltweites Gericht herbeiführen wird. Die Gerichte, die über die Welt gebracht werden, klingen schrecklich und brutal. Aber genauso hart wurde das Gericht an Juda vollstreckt. Gott hat lange Geduld, er schaut lange zu, er bietet viel Möglichkeiten zur Umkehr. Aber irgendwann ist das Maß voll. Irgendwann kann das Gericht nicht mehr zurückgehalten werden. Dann wehe uns!

Wenn wir Christen sind, befinden wir uns heute in der gleichen Situation wie die Propheten, wie Jeremia. Wir müssen unsere Mitmenschen warnen. Wir müssen sie auf die drohende Gefahr hinweisen. Wir müssen eine unbequeme Botschaft predigen. Wenn wir das nicht tun, dann werden wir wie die falschen Propheten sein, die das Volk damals in falscher Sicherheit wogen. Wir stehen bereits vor einem Abgrund. Ein Schritt weiter und wir fallen. Gott gebe uns Mut, die Wahrheit zu sagen.

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