Ewige Loser?

DSCN0958 (Medium)Wenn man sieht, wie einfach und rücksichtslos manche Menschen durch das Leben gehen, dann erweckt das bei vielen den Eindruck, dass das Leben ungerecht ist. Manche Menschen denken nur an sich und benutzen die Ellenbogen, um nach oben zu kommen. Es gibt Menschen, die auf Kosten anderer zu Ruhm, Reichtum und Ehre kommen. Dies kann durch Betrug sein. Durch das Ausschalten von unliebsamen Konkurrenten. Durch Gewalt. Und das Schlimmste dabei ist: Sie kommen damit davon. Sie haben viele Kinder, genießen ihren Reichtum und sind glücklich und zufrieden. Sie sind selten krank. Sie haben einen treuen Ehepartner, obwohl sie ständig fremdgehen und dies geheim halten. Nie werden sie ertappt oder erwischt. Ihr Leben ist eine einzige Glückssträhne und sie verachten diejenigen, die nicht „ihres eigenen Glückes Schmied sind“. Die anderen sind in ihren Augen nur faul und unbegabt. Jeder, der sich Mühe geben würde, könnte auf ihren Standard kommen, meinen sie.

Es gibt Menschen, die haben einfach nie Glück. Ständig sehen sie sich schweren Problemen konfrontiert. Manche bekommen in den besten Jahren schon schlimme Krankheiten, verlieren den Arbeitsplatz, die Familie und kommen nicht mehr auf die Beine. Sie müssen jeden Monat mit einem Minimum an Geld auskommen, müssen vielleicht Kredite aufnehmen und verlieren dabei Haus und Hof. Das Sprichwort „Das Leben ist hart, aber ungerecht“ ist ihr täglicher Begleiter. Sie fragen sich ständig: „Warum ich? Warum habe ich nie Glück?“ Die Sonnenseite des Lebens haben sie nur in wenigen Augenblicken genossen, wenn sie im Auge des Orkans waren. Danach ging der Sturm wieder los. Sie bekommen viele gute Ratschläge, aber diese nützen ihnen nichts, da sie anscheinend vom Pech verfolgt werden. Egal, wie sehr sie sich abstrampeln – sie kommen einfach nicht auf die Beine. Ihnen haftet das Wort „ewiger Loser“ an.

Vielleicht sind diese zwei Beispiele zu extrem beschrieben, aber ich konnte dies immer wieder in meinem Umfeld beobachten.

Ich konnte auch beobachten, dass im Speziellen Christen vor schwierigen Lebensphasen nicht verschont werden. Christen haben häufig mehr Probleme als Ungläubige. Zum einen werden sie gerne belächelt und auch verfolgt, zum anderen scheint es bei vielen Christen immer wieder verstärkt zu starken Schicksalsschlägen zu kommen. (Von den verfolgten Christen ganz zu schweigen. In keiner Zeit war die Christenverfolgung so heftig wie in unseren Tagen.)

Dabei sollte man doch eigentlich meinen, dass es sich auszahlen müsse, wenn man an Gott glaubt. Gott belohnt die Guten und bestraft die Bösen, so glauben viele. Doch im Leben scheint oft das Gegenteil der Fall zu sein.

Asaph, der Psalmist, hatte ein ähnliches Problem, als er das erkannte. „Wieso geht es mir, der ich Gott diene, schlechter als den Gottlosen.“, fragte er sich anders ausgedrückt und er wurde an dieser Frage fast irre:

Psalm 73
1 Ein Psalm Asaphs. Nur gut ist Gott gegen Israel, gegen die, welche reinen Herzens sind. 2 Ich aber — fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, wie leicht hätte ich einen Fehltritt getan ! 3 Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah. 4 Denn sie leiden keine Qual bis zu ihrem Tod, und ihr Leib ist wohlgenährt. 5 Sie leben nicht in der Not der Sterblichen und sind nicht geplagt wie andere Menschen. 6 Darum ist Hochmut ihr Halsschmuck, und Gewalttat ist das Gewand, das sie umhüllt. 7 Ihr Gesicht strotzt von Fett; sie bilden sich sehr viel ein. 8 Sie höhnen und reden boshaft von Bedrückung, hochfahrend reden sie. 9 Sie reden, als käme es vom Himmel; was sie sagen, muß gelten auf Erden. 10 Darum wendet sich auch sein Volk ihnen zu, und es wird von ihnen viel Wasser aufgesogen. 11 Und sie sagen: »Wie sollte Gott es wissen? Hat denn der Höchste Kenntnis davon?« 12 Siehe, das sind die Gottlosen; denen geht es immer gut, und sie werden reich! 13 Ganz umsonst habe ich mein Herz rein erhalten und meine Hände in Unschuld gewaschen; 14 denn ich bin doch den ganzen Tag geplagt worden, und meine Züchtigung war jeden Morgen da!

Asaph, der dies alles sah, stand anscheinend kurz davor zu resignieren. Vielleicht überlegte er sich auch, ob es überhaupt  richtig war, dass er an Gott glaubte. Warum ging es ihm schlecht und denen, die sich keinen Deut um Gott scherten, so gut? Menschen, die stark leiden und anfällig für depressive Gedanken sind, denken häufig so. Sie meinen, weil es ihnen schlecht geht, hätte Gott sich von ihnen abgewandt und würde sie grundlos bestrafen. Wenn dazu noch lieblose Ratschläge oder Kritiken kommen, dann ist das zusätzliches Salz in der Wunde der Verzweiflung.

Doch Asaph beschloss, einen Besuch bei Gott zu machen. Indem er dies tat, erfuhr sein Denken eine Wende. Er beschreibt:

15 Wenn ich gesagt hätte: »Ich will ebenso reden!« — siehe, so hätte ich treulos gehandelt am Geschlecht deiner Söhne. 16 So sann ich denn nach, um dies zu verstehen; aber es war vergebliche Mühe in meinen Augen 17 — bis ich in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende achtgab. 18 Fürwahr, du stellst sie auf schlüpfrigen Boden; du läßt sie fallen, daß sie in Trümmer sinken. 19 Wie sind sie so plötzlich verwüstet worden! Sie sind untergegangen und haben ein Ende mit Schrecken genommen. 20 Wie man einen Traum nach dem Erwachen verschmäht, so wirst du, o Herr, wenn du dich aufmachst, ihr Bild verschmähen. 21 Als mein Herz verbittert war und ich in meinen Nieren das Stechen fühlte, 22 da war ich töricht und verstand nichts; ich verhielt mich wie ein Vieh gegen dich. 23 Und dennoch bleibe ich stets bei dir; du hältst mich bei meiner rechten Hand. 24 Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich danach in Herrlichkeit auf! 25 Wen habe ich im Himmel [außer dir]? Und neben dir begehre ich nichts auf Erden! 26 Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil. 27 Denn siehe, die fern von dir sind, gehen ins Verderben; du vertilgst alle, die dir hurerisch die Treue brechen. 28 Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich; ich habe Gott, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um alle deine Werke zu verkünden.

Ende gut, alles gut! Zu dieser Erkenntnis kam Asaph. Das Wohlergehen der Gottlosen ist nur vorübergehend. Eine Geschichte ist nur gut, wenn sie ein Happy-End hat. Gott hat für alle, die an ihn glauben, ein Happy-End vorgesehen. Es ist egal, wie die Geschichte zwischendurch verläuft – alles muss zu einem Ziel führen. Gott wird letztendlich den Gläubigen belohnen, auch wenn er in seinem Leben viel durchmachen muss und im Vergleich zu dem Gottlosen kurzfristig schlechter abschneidet. Doch nicht nur das: Es ist ein großes Vorrecht überhaupt mit einem so großen Gott in Verbindung sein zu dürfen. Diese Erfahrung tröstete Asaph.

Dieser Psalm zeigt, dass es im Reich Gottes, wenn man wirklich dazugehört, keine ewigen Loser gibt. Der Begriff „ewiger Loser“ ist ein Begriff der Welt, die verächtlich auf die Schwachen herabschaut. Alle, die gottlos leben, sollten sich ernsthaft fragen, ob nicht sie eines Tages die „ewigen Loser“ sein werden.

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