Frei von der Spielsucht

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Heute frage ich mich, wie ich nur so blöd sein konnte! Wer sitzt freiwillig im herrlichen Hochsommer in eine verdunkelte Spielothek und verzockt sein ganzes Geld? – Ein Automatenspieler natürlich! Während die Natur zum Wandern, Schwimmen und zum Radfahren einlädt, die Sonne hell über eine strahlend blauen Himmel zieht, saß ich lieber in einer dunklen Spielhalle und hoffte darauf, so viel Geld zu gewinnen, dass ich das Leben hätte genießen können. Ich verzog mich freiwillig in die Dunkelheit, mit viel Kaffee und Zigaretten, anstatt einfach zu leben. Der hohe Betrag, den ich mir zu gewinnen erhoffte, kam nie! Stattdessen wuchsen meine Schulden auf der Bank. Auch wenn man dann vielleicht kurzzeitig etwas gewinnt – man zahlt auf Dauer immer drauf! Für jeden Euro, den man gewinnt, verliert man drei andere. Man ist wie der bekannte Esel, der der Möhre hinterher rennt und sie nie bekommt. Ständig hofft man auf etwas, was nie eintritt. Würde man in andere Dinge genau so viel Energie stecken, wie in die Spielsucht, könnte eventuell man sehr viel mehr aus seinem Leben machen.

Ich bin jetzt aber seit vier Jahren clean von den Spielautomaten und ziehe Bilanz. Wenn ich heute mein spannendes und aufregendes Leben betrachte, dann ist es um viele Dinge reicher geworden. Viel, viel reicher! Obwohl ich auch nicht mehr so viel Einkommen habe, wie zu der Zeit, als ich super verdient habe, habe ich jetzt auf jeden Fall mehr Geld zur Verfügung als zur Zeit, als ich zockte. Früher war mein üppiges Gehalt schon zur Mitte des Monats aufgebraucht, das Geld war futsch, verzockt. Natürlich gönne ich mir heute auch ab und zu einen Luxus, eine CD, eine DVD oder ein Buch, aber ich werfe das Geld nicht mehr so verrückt und halsbrecherisch zum Fenster hinaus. Ich kann jetzt mit wenig Geld umgehen. 50 Euro sind für mich viel Geld. Früher war das nichts in meinen Augen.

Die Spieler wissen gar nicht, was ihnen entgeht. Ihnen entgeht bei der Gier nach Geld ihr ganzes Leben. Sie können sich nicht mehr über Kleinigkeiten freuen, denn sie wollen am liebsten zwei, drei, zehn Tausender gewinnen, dabei tragen sie ihr sauer verdientes Geld und das ihrer Familie in die Spielothek. Der zeitweilige Gewinn ist nie hoch genug, und das verspielte Geld für immer weg. Spielsüchtige sind bedauernswerte Menschen. Ihr Traum vom schönen Leben wird nie wahr, sie sind betrogene Existenzen.

Das Leben geht an ihnen vorbei. Während andere Menschen arbeiten und in der Freizeit ihren Hobbys nachgehen, starren Spielsüchtige auf einen Bildschirm in einer verdunkelten Umgebung. Sie haben ihre Hobbys, wie z. B. Sport oder andere schöne, wohltuende Betätigungen, gegen ein stupides Drücken auf einer Taste eingetauscht und haben ihr Leben an eine kalte Maschine ausgeliefert. Dabei werden sie nicht nur von den skrupellosen Spielotheken-Betreibern heimlich verachtet, sie verachten auch sich selber, weil sie es nicht schaffen, mit dieser Sucht zu brechen. Sie lügen und betrügen die Menschen, die ihnen am nächsten sind, um das nötige Geld zum Spielen zu bekommen. Das bringt dann ein schlechtes Gewissen mit sich. Spieler sind knallharte Egoisten!

Ich bin Jesus Christus so dankbar, nicht mehr spielen zu müssen. Ich bin dankbar für meine Hobbys, für mein Leben außerhalb der Spielhalle, manchmal auch in freier Natur. Nach vier Jahren Abstinenz kann ich mit voller Überzeugung sagen:

NIE MEHR ZURÜCK! Wer mit der Spielsucht bricht, kann nur gewinnen!!!

Spr 23,4 Bemühe dich nicht, Reichtum zu erwerben; aus eigener Einsicht lass davon! 5 Kaum hast du dein Auge darauf geworfen, so ist er nicht mehr da, denn sicherlich schafft er sich Flügel wie ein Adler, der zum Himmel fliegt.

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2 Gedanken zu „Frei von der Spielsucht“

  1. Schön, zu lesen, wie du die Freiheit sehen kannst.
    Du schreibst u.a., dass du als Spieler die Hoffnung hattest, zu gewinnen, um dann „leben“ zu können
    Ich die Erfahrung machen dürfen, dass ich mal bekommen habe, was ich mir erhofft hatte.
    Also keine Sucht, sondern ein Ideal, ein Traum, der sich erfüllt hat, von dem ich dachte „wenn ich mal so weit bin, dann kann ich richtig leben, dann wird es toll!“
    Und weisst du was? Es wird nicht toll. Nur kurz, und dann kommt Leere.
    Nur in IHM ist die Fülle, alles andere hält nicht an. Auch wenn es keine Sucht, keine Sünde ist, der man nachjagt, in die man Hoffnung setzt. Sondern etwas Gutes, ein Segen.
    In dem Moment, wo ich das „endlich richtig Leben“ in der Gabe statt im Geber suche, bleibt Leere zurück.

    Noch eine Frage: hast du nie mehr den Zug zurück, ein Sehnen oder so? Bist du der Sucht immer tot?
    Herzlich, Stefanie

    1. Hallo Stefanie,

      deine Aussage kann ich nur bestätigen. Man gewöhnt sich auch sehr schnell an die guten Gaben! Was gestern noch neu war und Freude auslöste, wird nächste Woche schon als gewöhnlich gesehen. Man denke z. B. an eine langersehnte Lohnerhöhung, die man bekommt, und an die man sich nach ein paar Monaten schon gewöhnt hat. Oder das neue Auto oder eine schöne neue Wohnung, die nach ein paar Wochen zur Normalität werden…

      Leider bin ich eine multiple Suchtpersönlichkeit. Ich war schon nach vielen Dingen süchtig. Die meisten Süchte haben sich zwar reduziert, aber die Grundlage, die auch aus einer gespürten inneren Leere besteht, ist immer noch vorhanden. Ich bin hierbei noch nicht am Ziel, aber das Automatenspielen will ich nie wieder anfangen. Genauso wie Swingerclub-Besuche und Zigaretten der Vergangenheit angehören…

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