Funkstille

488535_original_R_K_B_by_Alexander Dreher_pixelio.de
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Es gibt Zeiten, da entdeckt man bei jedem Bibellesen etwas Neues. Man wird manchmal direkt angesprochen, oder ein Bibelwort spricht direkt in die Situation hinein. Es gibt Zeiten, da predigt man sich im Geist selber; der Heilige Geist lehrt direkt und man erkennt neue Zusammenhänge in Gottes Heilsgeschichte. Man erkennt auch, dass Gott in den Irren und Wirren des Alltags immer noch am Ruder des von den Wellen hin und her geworfenen Lebensbootes sitzt. Man erkennt, wie Gott früher geleitet hat, wie er geführt hat und wie er alles gut gemacht hat.

Doch es gibt auch Zeiten der Funkstille. Gott erscheint weit weg. Man will nicht so recht beten. Man liest die Bibel, aber man wird nicht direkt vom Wort angesprochen. Man erkennt nichts Neues. Diese Zeiten gibt es auch. Gott redet und manchmal schweigt er auch. Auch in der Bibel wird berichtet, wie Gott für längere Zeit geschwiegen hat. Man denke nur an die 400 Jahre zwischen Maleachi und dem Matthäus-Evangelium, in denen es keine Schriftpropheten gab und keine neue Offenbarung kam. Auch im Buch Esther ist uns Gottes Reden nicht überliefert, und im ganzen Buch Eshter, das geschrieben wurde, als Israel in babylonischer Gefangenschaft war, taucht der Name Gottes nicht einmal auf. Es scheint, als hätte Gott auch in dieser beschriebener Zeitspanne geschwiegen. Gott schwieg auch bei Abraham für eine längere Zeit, auch aufgrund der falschen Wege Abrahams, als er mit der Magd seiner Frau Sarah, Hagar, einen Sohn zeugte. Das war ein Fehler, darum redete Gott für längere Zeit nicht mit ihm. Gott redet manchmal sehr intensiv und dann schweigt er. Wenn man die Biografien der christlichen Glaubenshelden liest, dann gab es auch in ihrem Leben Zeiten, in denen Gott fern zu sein schien und nicht redete.

Wenn das im Leben einmal so ist, dann sollte man nicht in Panik geraten. Wir erkennen das sehr gut an einer Stelle im Neuen Testament, als die Jünger mit einem schlafenden Jesus im Boot in Seenot kamen. Die Jünger befanden sich gerade in einem Fischerboot auf dem See Genezareth und wollten ans andere Ufer übersetzen, als ein Sturm auftrat:

Lukas 8

Jesus stillt den Sturm

22 Und es geschah an einem der Tage, daß er und seine Jünger in ein Schiff stiegen; und er sprach zu ihnen: Laßt uns ans andere Ufer des Sees fahren! Und sie fuhren ab.

23 Auf der Fahrt aber schlief er ein. Da fiel ein Sturmwind auf den See, und [das Schiff] füllte sich, und sie waren in Gefahr.

24 Da traten sie hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Er aber stand auf und befahl dem Wind und den Wasserwogen; und sie legten sich, und es wurde still.

25 Da sprach er zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber fürchteten und verwunderten sich und sprachen zueinander: Wer ist denn dieser, daß er auch den Winden und dem Wasser befiehlt und sie ihm gehorsam sind?

Im Sturm unseres Lebens scheint es manchmal so zu sein, dass Jesus schläft. Doch auch dann sind wir nicht in Gefahr; denn wenn Jesus im Boot ist, kann uns nichts passieren. Es sieht zwar so aus, dass Jesus uns unserem Schicksal überlassen hat, aber er wird zu seiner Zeit eingreifen. Das ist die Hauptaussage dieses Gleichnisses.

Aber es gibt auch Zeiten, da liegt es vielleicht an uns, dass Gott nicht redet. Wir sind vielleicht träge geworden. Wir schlafen einen tiefen geistlichen Schlaf, sind so mit dem Alltag beschäftigt, dass wir Gott aus unserem Leben ausklammern und alles selber in die Hand nehmen. Wir haben keine großen Probleme und Nöte – alles läuft so normal vor sich hin, dass wir dem Wort Gottes gegenüber gleichgültig werden und uns nur schwer zum Beten aufraffen können. Lauheit und Trägheit bestimmen unser Leben, oder wir sind so stark aktiv, dass unsere übermäßige Geschäftigkeit verhindert, zur Ruhe zu kommen und auf Gottes Reden zu hören. Ich denke, dass jeder Christ einmal solche Phasen hat.

Doch Gott verlässt seine Kinder nicht, er ist immer da, auch wenn er sich ein wenig verbirgt. Immer wieder geschehen kleine Zeichen, dass Gott doch noch da ist. Denn Gott wird seine Kinder nicht verlassen, auch wenn sie viel beschäftigt sind oder sich Gott ein wenig verborgen hat:

Hebr 13,5b denn er selbst hat gesagt: »Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen!«

Vielleicht dienen diese stummen Zeiten auch der Bewährung. Gott will unseren Glauben prüfen und lässt uns einfach einmal ein wenig herumlaufen. Vielleicht will er sehen, ob wir auch dann noch treu sind, wenn wir uns unbeobachtet vorkommen. Denn nur ein Glaube, der sich im Alltag bewährt und der auch dann noch da ist, wenn wir Gottes Nähe nicht mehr so stark wahrnehmen, ist echt. Also, keine Panik, wenn Gott einmal für längere Zeit schweigt. Er wird auch wieder reden. Gleichzeitig liegt es an uns, unser Leben zu ordnen und auf Ihn auszurichten.

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