Gebetserhörungen

695346_web_R_K_B_by_Astrid-Götze-Happe_pixelio.de_.jpg

Ich habe in meinem Leben schon sehr viel gebetet. Vieles, um das ich bat, ließ Gott nicht eintreffen. Gut, manche Bitten waren sehr egoistisch. So wünschte ich mir z. B. auf Gran Canaria leben zu dürfen, oder dass Gott mir mehr Geld geben möge. Diese Bitten waren nicht gerade geistlich. Aber es gab auch Bitten, die ich voller Ernst gebetet habe. Wie z. B. um die Heilung von meiner psychischen Krankheit, um eine Partnerin oder um die richtige Arbeit. Manche meiner Bitten wurden erhört und manche wurden nicht erhört. Aber eins habe ich festgestellt: Wenn die Not akut war, dann hat Gott immer wieder einen Ausweg geschaffen. Mehrere Gebetserhörungen haben sich in den letzten Jahren zugetragen. Davon will ich hier berichten:

Ich bin Frührentner. D. h. aufgrund einer psychischen Krankheit kann ich nicht mehr arbeiten. Also hatte ich die Rente beantragt. Wenn man die Erwerbsminderungsrente beantragt, dann muss man ärztliche Atteste vorweisen, die Rentenkasse benachrichtigen und seinen Arzt informieren, damit er ein Gutachten an die Rentenkasse schickt. Ich habe vor drei Jahren schon einmal die Rente beantragt und musste zu einem Facharzt, der begutachten musste, ob ich für die Rente geeignet war, oder ob ich noch eine Chance im Berufsleben hatte. Dazu muss ich sagen, dass ich mich jahrelang in meinem ehemaligen Betrieb kaputt gemacht habe. Ich versuchte immer wieder, zur Arbeit zu gehen, fiel jedoch regelmäßig wegen meiner unguten Krankheit aus. Ich selber war der Letzte, der akzeptieren konnte, dass es einfach nicht mehr so weitergehen konnte. Mein Arbeitgeber war wegen der häufigen Ausfälle nicht gerade zufrieden.

Also musste ich zum ersten Mal die Rente beantragten. Ich bekam auch einen Termin beim Fachmann, dem Arzt, der für die Rentenkasse ein Gutachten macht. Beim ersten Mal meinte dieser ältere Herr, dass ich durchaus noch Chancen im Berufsleben hätte und lehnte damit den Rentenantrag ab; ich hatte ja noch einen Arbeitsplatz. Total enttäuscht dachte ich mir: Also gut, dann arbeitest du wieder weiter. So arbeitete ich noch ca. ein Jahr weiter. Doch mir ging langsam die Puste aus. Ich konnte einfach nicht mehr. Es dauerte noch eine längere Zeit, bis ich mir wirklich eingestehen konnte, dass ich einfach nicht mehr arbeiten konnte. Mir wurde schon von Kind auf beigebracht, dass man arbeiten muss; dass Arbeit zwar nicht immer Spaß macht, aber dass ein ehrlicher Mensch selber für sich sorgt durch harte Arbeit. Ich hatte dadurch auch immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich im Betrieb ausfiel und für längere Zeit in der Klinik war.

Letztendlich habe ich dann doch einen Auflösungsvertrag unterschrieben, als mein Arbeitgeber immer unzufriedener wurde, und kündigte sozusagen. Jetzt wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte. Dazu muss gesagt werden, dass ich Gott vertraute, als ich dort kündigte. Ich vertraute darauf, dass er mir einen Weg zeigen würde. So meldete ich mich beim Arbeitsamt arbeitslos und suchte schon nach einem neuen Job. Die Rente hatte ich nicht mehr im Sinn. Im gleichen Jahr fand ich dann eine Stelle bei einer Zeitarbeitsfirma. Aber hierbei war ich noch schlimmer dran als vorher. Ich musste bei eisiger Kälte – es war ein sehr kalter Winter – mit dem Fahrrad zuerst zum Bahnhof fahren. Danach ging es weiter mit dem Zug in eine fernere Stadt. Dort musste ich wieder in der gleichen Kälte mehrere Kilometer mit einem anderen Fahrrad zu dem Betrieb fahren. Ich stand also morgens um ca. halb Fünf auf und kam abends total gerädert um 19 Uhr nach Hause. Die Arbeitsbedingungen in dem Betrieb waren schlecht. Ich musste mit einem Choleriker zusammenarbeiten. Ich habe wirklich in meinem ganzen Leben noch nie mit so einem Miesepeter zusammengearbeitet. Das tat meiner Psyche natürlich nicht gut und ich kündigte den Job wieder. Nervlich war ich wieder einmal am Ende. Ich fragte Gott nur: „Was soll das denn?“.

Danach war ich weiterhin arbeitslos gemeldet und hatte ein paar Probetermine. Doch es wurde nie etwas daraus. Ich konnte einfach nicht mehr. So beschloss ich, noch einmal einen Rentenantrag zu stellen. Doch ich musste noch einmal zu dem selben Arzt, der die Rente schon einmal abgelehnt hatte. Ich betete wie ein Verrückter und hatte Angst vor dem Termin. Würde mich dieser Arzt wieder ablehnen? Was sollte ich dann tun? Ich hatte wirklich keine andere Perspektive mehr. Doch zum Glück erhörte Gott diese Gebete und der ältere Herr genehmigte ohne große Diskussion meine Rente. Ich war gerettet.

Doch meine Probleme waren noch nicht vorbei. Durch den ganzen Stress war ich einige Jahre vorher spielsüchtig geworden und verzockte regelmäßig mein ganzes Geld. Ich hatte ja immer gut verdient. Doch jetzt musste ich mit viel weniger Geld klarkommen, wodurch für die Spielsucht kein Platz mehr war. So bestürmte ich Gott im Gebet, mir meine Spielsucht zu nehmen und mich so zu verändern, dass ich ein sparsamer Mensch werden würde. Und Gott hat auch dieses Gebet erhört. Obwohl ich ein stark süchtiger Automatenspieler war, konnte ich ohne Therapie und ohne professionelle Behandlung von einem Tag auf den anderen damit aufhören. Zudem lehrte mich der HERR, mein Geld gut einzuteilen und sogar noch etwas zu sparen. Das war wirklich nur durch Gottes Eingreifen möglich. Ich selber hätte das nie gekonnt.

Während der ganzen Renten-Zeit hat Gott mich immer versorgt. Obwohl das Geld knapp war, musste ich nie Mangel leiden, da mich meine Eltern auch finanziell unterstützten, da die Rente schon sehr klein ist. Gott hat mich nie im Stich gelassen und mir immer rechtzeitig Hilfe geschickt. Aus jeder notvollen Situation führte er mich heraus.

Auch diese Woche wieder. Ich musste diese Woche wieder zu dem gleichen Arzt, damit festgestellt werden konnte, ob meine Rente weiterhin bezahlt werden soll oder nicht. Wieder betete ich wie eine Verrückter und bat auch andere Leute für mich zu beten. Und wieder wurde die Rente verlängert. Dafür bin ich Gott dankbar.

Natürlich habe ich jahrelang gebetet, dass Gott mir meine Krankheit nehmen solle. Wenn sie nicht wäre, dann könnte ich auch arbeiten und bräuchte keine Rente. Aber Gott hat diese Gebete nicht erhört. Warum – weiß nur Er. Gott hat in meinem Leben manche Not zugelassen. Aber er hat mich immer wieder durch die Not hindurch getragen und einen Ausweg bereitgestellt. Wahrscheinlich wäre ich schon lange von Gott weggegangen, wenn es mir blendend gut gehen würde. Vielleicht hätte ich dann schon meinen Glauben verloren. Es ist wirklich erstaunlich, dass die Not beten lehrt und nicht das Wohlergehen. Von meinem mangelhaften Glauben ganz zu schweigen.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.