Geforderte und falsch verstandene Nächstenliebe

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Spr 13,24 Wer seine Rute spart, der haßt seinen Sohn, wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn beizeiten.

Nächstenliebe, ich höre immer wieder Nächstenliebe…

Die Welt und der Teufel waren schon immer bestrebt, Christen vor ihren Karren zu spannen. Die unheilige Allianz zwischen Christentum und Welt, die vor allem aus den Machtspielen der Römisch Katholischen Kirche hervorging, ist etwas, was Jesus Christus nicht gewollt hat. Die Gemeinde, die sich Jesus Christus am Kreuz erkauft hat, sollte abgesondert von der Welt existieren (2Kor 6,17) und eine Oase inmitten der wüstenähnlichen Welt sein. Nachdem die Christen im Römischen Reich massiv verfolgt wurden, änderte der Teufel die Strategie, weil er das Christentum dadurch nicht zerstören konnte.

Der Teufel geht mit zwei Methoden gegen die Gläubigen vor: Verfolgung oder Infiltration.

Nachdem es dem Teufel nicht gelungen war, die Gemeinde durch Verfolgung zu vernichten, änderte er seine Taktik: Das Christentum wurde zur Staatsreligion in Gestalt der Römisch Katholischen Kirche. Dadurch drang die Welt in die Gemeinde ein und die Kirche wurde zu einer weltlichen Institution. Ein gewaltiger Machtapparat entstand, der die Weltherrschaft übernahm. Man denke nur an die vielen Kriege und die Gewalt im finsteren Mittelalter. Dem Teufel gelang es zusätzlich, das okkulte Heidentum zu einem festen Bestandteil der Kirche zu machen (Infiltration), die Christus total aus den Augen verlor und nicht mehr mit seiner Wiederkunft rechnete, sondern das Reich Gottes frühzeitig mit Gewalt aufrichten wollte. Es bildete sich auch ein Klerus heraus, der die Deutung der biblischen Wahrheit für sich beanspruchte, auch mit Gewalt, und die Herrschaft über das einfache Kirchenvolk übernahm. Die Führung des Klerus wurde vom Papst übernommen, der sich selber als Gottes Stellvertreter auf Erden sah und die Macht hatte, Könige ein- und abzusetzen, ganze Länder zu beherrschen und die Katholische Religion zur Weltmacht erklärte, mit sich selber als obersten Befehlshaber. Vom ursprünglichen Gedanken Gottes über die Gemeinde blieb dabei so gut wie nichts mehr übrig, aber es gab hier und da immer noch echte Gläubige, auch wenn der Großteil nur aus Namenschristen bestand.

Als dann Martin Luther kam, beseitigte er durch die gewaltige Reformation zwar die meisten Missstände, aber er schaffte es nicht, die unheilige Verbindung zwischen Kirche und Welt vollständig aufzulösen. Es gab auch unter den Evangelischen viele weltliche Menschen, die sich in der Kirche aufhielten, aber nicht errettet waren. Ebenso beeinflusste die Evangelische Kirche auch wieder die Fürsten und Könige, so dass die Kirche und die Welt nicht ganz getrennt wurden. Man sieht das heute noch ganz deutlich, wenn Würdenträger der EKD gleichzeitig in einen Vorstand in irgendeiner politischen Partei sitzen. Zudem bekommt die RKK und EKD auch heute noch staatliche Zuwendungen und ist damit von den weltlichen Führern und deren Meinung abhängig. (Umgekehrt ist es genauso.) Dadurch wird die Meinung der Kirche gekauft und verhindert, dass das ganze Evangelium gepredigt wird. Durch die Abhängigkeit vom Staat wird die Kirche dazu gezwungen, viele faule Kompromisse einzugehen und sich nach staatlichen Richtlinien und Vorgaben zu richten. Dadurch wird die kompromisslose Botschaft des Evangeliums zu einer lauen, faden Angelegenheit, weil ihr der Grund des Wortes Gottes entzogen wurde.

Wenn wir uns diese Tatsachen im Hinterkopf behalten, dann können wir die heute geforderte Toleranz und Nächstenliebe, an die wir immer von den kirchlichen Würdenträgern und Politikern erinnert werden, richtig deuten. Heute wird Toleranz und Nächstenliebe so verstanden, dass ich um des Friedens willen, alles akzeptiere und toleriere was Gläubige anderer Konfessionen, Denominationen und auch anderer Religionen glauben. Ich werde aufgefordert, nicht nur die Menschen zu achten, sondern auch das, was sie tun und glauben, damit ja kein Misston entsteht. Ich werde dazu aufgefordert, zu jedem Kompromiss bereit zu sein, weil ja Jesus Christus angeblich gefordert habe, dass ich meinen Nächsten wie mich selbst lieben solle. Dass ich dabei vor den Karren von weltlichen Programmen, Ideologien und Zielen gespannt werden, merke ich selber vielleicht gar nicht. Die Taktik des Teufels geht dabei dann auf. Gut gemeint ist oft nur das Gegenteil von gut.

Auf den ersten Blick klingt das einleuchtend. Jesus Christus forderte tatsächlich, dass man seinen Nächsten wie sich selber lieben solle (Luk 10,27). Doch was dabei unterschlagen wird, ist das erste Gebot:

Mt 22,

36 Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetz?

37 Und Jesus sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken«.

38 Das ist das erste und größte Gebot.

Das Gebot der Nächstenliebe ist das untergeordnete Gebot von zwei Geboten, die zusammen gehören. In erster Linie bin ich Gott selber verpflichtet und erst danach meinem Nächsten. Die richtige Reihenfolge muss dabei eingehalten werden.

Wenn ich zuerst Gott verpflichtet bin, dann werde ich mich hüten, mit Menschen Kompromisse einzugehen, die Gottes Wort für ihre persönlichen Zwecke missbrauchen, indem sie zwar behaupten, Christen zu sein, aber keine lebendige Beziehung zu Gott haben. Auf der anderen Seite werde ich mich vor Lehren und Religionen hüten, die entgegengesetzt zu Gottes Geboten in der Bibel sind. Mir wird von Gottes Wort her verboten, mit diesen Menschen in geistlicher Weise zusammenzuarbeiten:

Apg 5,29 Aber Petrus und die Apostel antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!

Diese Tatsache hat in der großen Ökumene, die durch die Römisch Katholische Kirche und den meist abgefallenen Kirchen, die diese Bestrebungen ebenfalls vorantreiben, keinen Platz. Alle Christen sollen mit den falsch verstandenen Toleranz- und Nächstenliebe-Geboten der Menschen zu einer großen Religion zusammengeführt werden. Wer hierbei nicht mitmacht, gilt als Querulant und Unruhestifter. Doch Gottes Wort verlangt hier Absonderung:

2Kor 6,14 Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?

Wie ist dann das Gebot der Nächstenliebe zu verstehen?

Praktische Nächstenliebe zeigt sich darin, dass ich den Menschen liebe, der mir gerade am nächsten ist. Der Mensch, mit dem ich es gerade zu tun habe, soll von mir geliebt werden. Das kann mein ungläubiger Nachbar sein, der Busfahrer, bei dem ich gerade mein Ticket kaufe, mein muslimischer Arbeitskollege, Mitglieder meiner Familie oder der Glaubensbruder, mit dem ich meine Freizeit gerade verbringe. Ich bin dabei nicht verantwortlich für die ganze Welt, sondern ich soll in meinem kleinen, privaten Umfeld wirken. Ich bin nicht dazu da, um für politische Aktionen und Ideologien vor den Karren der Welt gespannt zu werden. Ich bin auch nicht dazu da, um mich an einer unheilvollen Ökumene zu beteiligen, weil mich eine Kirchenführung zu einer faulen Nächstenliebe auffordert. Nächstenliebe kann eben nicht eingefordert werden, sondern ist etwas, das ich im kleinen Umfeld praktiziere, weil ich zu Christus gehöre. Liebe ist immer freiwillig und kein Zwang (Hl 8,4)!

Nächstenliebe bedeutet auch nicht, dass ich alles gut heiße, was ein anderer Mensch tut. Liebe ist immer an Wahrheit gekoppelt, Liebe freut sich nicht an der Ungerechtigkeit:

1Kor 13,6 sie [die Liebe, Anm. von mir] freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;

Gerade weil sich die Liebe an der Wahrheit freut, kann sie sich nicht über Ungerechtigkeit freuen. Jesus Christus predigte zwar die Nächstenliebe und lebte sie aus, doch er fand auch sehr scharfe und deutliche Worte gegenüber den Pharisäern und Schriftgelehrten, der geistlichen Elite der damaligen Zeit (Mt 23,1-36). Jesus Christus liebte zwar die Sünder, aber er hasste die Sünde. Und er sprach das bei vielen Gelegenheit aus. Weil Liebe sich an der Wahrheit freut, darum muss sie auch die Missstände beim Namen nennen, auch wenn es dem Gegenüber nicht passt. (Man denke hierbei nur einmal an den Judasbrief, bei dem sehr scharfe und deutliche Worte gegen Sünder gebraucht werden.)

Ich muss nicht alles tolerieren. Der Gedanke der Toleranz ist ein Gedanke der Freimaurer und kommt in der Bibel nicht vor, da Gott selber die Sünde auch nie toleriert.

Fassen wir noch einmal zusammen: Die heutige Aufforderung der Christen zu Nächstenliebe kommt hauptsächlich von der Welt, um die Christen für weltliche Programme zu gewinnen. Christen sind jedoch in erster Linie Gott und seinen Geboten verpflichtet und erst danach den Menschen [wobei wir darauf achten sollen, nicht Knechte der Menschen zu werden (1Kor 7,23)].

Ich bin nicht dafür verantwortlich, die ganze Welt zu lieben, sondern soll die Nächstenliebe in meinem privaten Umfeld praktizieren. Dabei muss ich mit meinen Gegenüber keine Kompromisse eingehen, sondern darf Sünde Sünde nennen und muss dabei nicht alles tolerieren, was ein anderer tut, denn auch Gott kann Sünde auch nicht tolerieren. Das Gebot Gott zu lieben und den Nächsten hängt dabei zusammen und bildet zwei Seiten einer Medaille. Zuerst Gott gegenüber loyal, und mit diesem Hintergrund dem Nächsten. Jedoch sollte ich die Wahrheit in Liebe aussprechen.

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