Geistlicher Missbrauch

Vor längerer Zeit habe ich einen Artikel zum „christlichen Machtmissbrauch“ geschrieben. Wozu ich mich eigentlich noch wenig geäußert habe, ist der geistliche Missbrauch innerhalb der Christenheit. Ich kam selbst damit in Kontakt und ich muss zugeben, dass ich selber auch andere geistlich missbraucht habe, als ich noch in den schwärmerischen Kreisen war. Beim geistlichen Missbrauch geht es meistens um Macht und darum, über andere zu herrschen und sie zu versklaven. Diese Art von Missbrauch gibt es jedoch nicht nur in schwärmerischen Kreisen – obwohl er hier weit verbreitet ist – sondern in allen verschiedenen Denominationen. Das Wort Jesu, das aussagt, dass der Größte der Diener aller sein soll (Mk 9,35), wird hier pervertiert. In vielen Gemeinden treten Männer und Frauen auf, die vorgeben, sie seien ein bisschen vollmächtiger und geistlicher als das Fußvolk. Sie geben den Ton an, wollen andere nicht in das Bild Christi, sondern in ihr Bild verwandeln. Sie wollen Macht und Kontrolle über die anderen Gläubigen. Sie missbrauchen die Schwäche ihrer Anhänger, um selbst groß heraus zu kommen und um sich selber geistlich und auch finanziell zu bereichern. Schon die Jünger stritten ständig darum, wer der Größte von ihnen sei (Lk 9,46). Es liegt einfach in der Natur des Menschen Macht anzustreben. In der Gemeinde hat jedoch nur einer das Sagen: Jesus Christus. Er ist das Haupt der Gemeinde und nicht der Pastor oder der Älteste. Nur Jesus Christus kann richtig mit Macht umgehen, da er selber auch auf Macht verzichten konnte (Phil 2,7); und er wurde tatsächlich der Diener aller, als er den Verbrechertod am Kreuz starb und so für unsere Schuld bezahlte. Wenn sich alle Machtmenschen ihrer bedürftigen Stellung als begnadigte Sünder bewusst wären, wenn sie ihre eigenen Fehler sehen würden, wenn sie ihre Schwachheit erkennen würden, dann gäbe er sicherlich weniger Machtmissbrauch in der Christenheit. Jesus sagte, man solle den letzten Platz einnehmen und nicht den ersten:

Lk 14,7 Er sagte aber zu den Gästen ein Gleichnis, da er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten, und sprach zu ihnen: 8 Wenn du von jemand zur Hochzeit eingeladen bist, so setze dich nicht auf den obersten Platz, damit nicht etwa ein Vornehmerer als du von ihm eingeladen ist, 9 und nun der, der dich und ihn eingeladen hat, kommt und zu dir sagt: Mache diesem Platz! — und du dann beschämt den letzten Platz einnehmen mußt. 10 Sondern wenn du eingeladen bist, so geh hin und setze dich auf den letzten Platz, damit der, welcher dich eingeladen hat, wenn er kommt, zu dir spricht: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tisch sitzen. 11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

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Doch leider liegt es, wie schon gesagt, in der Natur des Menschen – und auch Christen sind oft nur Menschen – dass der, der den Ton angibt, auch mit Macht ausgestattet sein soll. Der Schönste, Beste und Begabteste soll herrschen und die Verantwortung haben. Gipfeln wird das im Kommen des Antichristen, der eine grausame Diktatur über die Welt bringen wird. Er wird die Macht über die ganze Welt haben und sie schwer missbrauchen.

Im Reich Gottes ist es jedoch genau umgekehrt. Der Kleinste ist der Größte und der Größte ist der Kleinste.

In dieser Welt werden die Schwachen, Armen und Geringen – die Bibel nennt sie auch Elende – von den Reichen und Mächtigen ausgebeutet und unterdrückt. Gerade das sollte in der Gemeinde nicht so sein. Jakobus schrieb z. B. in seinem Brief:

Jakobus 2,2 Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit goldenen Ringen und in prächtiger Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, 3 und ihr würdet euch nach dem umsehen, der die prächtige Kleidung trägt, und zu ihm sagen: Setze du dich hier auf diesen guten Platz!, zu dem Armen aber würdet ihr sagen: Bleibe du dort stehen, oder setze dich hier an meinen Fußschemel! 4 — würdet ihr da nicht Unterschiede unter euch machen und nach verwerflichen Grundsätzen richten? 5 Hört, meine geliebten Brüder: Hat nicht Gott die Armen dieser Welt erwählt, daß sie reich im Glauben würden und Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? 6 Ihr aber habt den Armen verachtet! Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken, und ziehen nicht sie euch vor Gericht?

Die Gemeinde soll also eine Oase für arme, schwache und elende Menschen sein. In ihr soll es anders sein als in der Welt. Aber leider ist das häufig nicht so, weil die Menschen, denen Jesus Christus viel Verantwortung gab, einfach zu oft versagen.

Ich denke, dass jeder Mensch von Machtmissbrauch betroffen ist, wenn er in dieser Welt lebt. Wir werden von den Mächtigen nicht gefragt, ob wir mit manchen Gesetzen und Entscheidungen, die getroffen werden und zu unserem Nachteil sind, einverstanden sind. Wir werden ausgebeutet, missbraucht und unterdrückt von der Elite, die über uns herrscht. Gerade deshalb sollte die Gemeinde hier nicht mitmachen und gegen den Strom schwimmen und damit die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ausleben. Geistlicher Missbrauch ist hier Fehl am Platz.

Folgende Seite, die sich mit geistlichem Missbrauch beschäftigt, ist sehr zu empfehlen:

http://www.cleansed.de

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