Gesundheit durch Gebet?

Sendener Baggersee 2
Sendener Baggersee 2

Wir leben in einer gefallenen Welt. Das ist schon seit dem Sündenfall, an dessen Stattfinden heute fast niemand mehr glaubt, so. Ursprünglich war der Mensch nicht dazu geschaffen worden, um Problemen, Nöten oder Krankheiten ausgesetzt zu sein (1Mo 1,25). Ursprünglich sollte der Mensch gar nicht sterben müssen (1Mo 2,17). Doch Gott gab dem Menschen einen freien Willen. Der Mensch konnte sich für oder gegen Gott entscheiden (1Mo 2,17). Das erste Menschenpaar, Adam und Eva, entschied sich, den Einflüsterungen der Schlange zu glauben und damit die Beziehung zu Gott zu zerstören. Seitdem sind wir dem Tod unterworfen, werden krank und haben allerlei Probleme in unserem Leben, die aus dem sündigen Lebenswandel resultieren. Hiervon sind Christen wie auch Nichtchristen betroffen, da alle Menschen Sünder sind  (Röm 3,23).

Als Jesus Christus kam, als er Mensch wurde und in Israel lebte, heilte er viele Gebrechen und Krankheiten. Er trieb Dämonen aus, die die Menschen knechteten. Er heilte Lahme, Blinde, Menschen mit Fieber, Aussätzige, Epileptiker und viele andere, die an verschiedensten Krankheiten litten. Jesus kam nicht nur als Erlöser, der Sünden vergibt. Er kam auch, um der Menschheit das zurückzubringen, was sie verloren hatte. Er kam, um den Fluch, der aus der Sünde resultiert, wegzunehmen:
Jes 53,4 Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. 5 Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. 6 Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn.
Dieser Vers aus Jesaja wird heutzutage in vielen christlichen Kreisen, vor allem in Pfingst- und charismatischen Kirchen, hergenommen, um zu zeigen, dass wir eigentlich nicht mehr unter Krankheiten leiden müssten. Es wird behauptet, dass Krankheit von Satan käme und das der, der richtig glauben würde, von jeder Krankheit befreit werden würde. Niemand müsste eigentlich krank sein, so die Aussage. Stimmt das?
Ja und Nein! Es stimmt zum Teil. Als Jesus Christus am Kreuz starb, brachte er all das wieder, was uns durch den Fluch des Sündenfalls verloren gegangen war. Das ist eine Tatsache. Doch die Erfüllung dieser Worte steht noch aus. Wir werden eines Tages, wenn wir echte Christen sind, einen neuen Körper bekommen. Dieser sterbliche Körper, mit dem wir uns jetzt herum plagen, wird durch einen unsterblichen Körper überkleidet werden:
1Kor 15,50 Das aber sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können; auch erbt das Verwesliche nicht die Unverweslichkeit. 51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, 52 plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muß Unsterblichkeit anziehen. 54 Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: »Der Tod ist verschlungen in Sieg! 55 Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?«
Als der Apostel Paulus darüber an die Gemeinde in Korinth schrieb, lag dieses Ereignis noch in der Zukunft. Auch heute liegt dieses Ereignis noch in der Zukunft. Die letzte Posaune, wenn die Toten auferweckt werden und die lebenden Gläubigen mit den gestorbenen Gläubigen einen neuen Körper bekommen werden, wurde noch nicht geblasen. Bis zu diesem Schall leben wir in einem Leib, der noch krank werden kann; und wir können auch an Krankheiten sterben.
Nun kommt der Einwand der Charismatiker: „Aber Jesus Christus ist doch jederzeit der Gleiche. Damals hat er viele geheilt, warum sollte er es heute nicht mehr tun?“
Ja, Jesus Christus kann heute immer noch heilen. Es gibt viele Zeugnisse davon. Er kann heute genauso wie früher heilen. Doch das ist nicht der Dauerzustand. In der Zeit Jesu und in der Zeit der Apostel wurden tatsächlich unzählige Menschen geheilt, von Toten auferweckt und dadurch missioniert. Aber diese Zeichen hörten noch während der Apostelzeit langsam auf. Gott wirkte in der Anfangszeit zwar viele Zeichen und Wunder, doch das war nur dazu gedacht, das Wort Jesu und der Apostel zu bekräftigen. Als der Hebräerbrief, einer der letzten Briefe, geschrieben wurde, hatten die Wunder der Apostelzeit schon aufgehört. Der Schreiber des Hebräerbriefs schreibt rückblickend:
Hebr 2,1 Darum sollten wir desto mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa abgleiten. 2 Denn wenn das durch Engel gesprochene Wort zuverlässig war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam den gerechten Lohn empfing, 3 wie wollen wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung mißachten? Diese wurde ja zuerst durch den Herrn verkündigt und ist uns dann von denen, die ihn gehört haben, bestätigt worden, 4 wobei Gott sein Zeugnis dazu gab mit Zeichen und Wundern und mancherlei Kraftwirkungen und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen.
Als der Hebräerbrief geschrieben wurde, lagen die Zeichen, Wunder und Kraftwirkungen schon in der Vergangenheit. Das Wort „gab“ zeigt eindeutig, dass diese Epoche der Zeichen bereits abgeschlossen war. Auch der Apostel Paulus, der sicherlich viele Menschen geheilt hatte, musste gegen Ende seines Lebens Trophimus in Milet krank zurücklassen (2Tim 4,20). Anscheinend konnte er ihn nicht mehr durch übernatürliche Weise heilen. Auch seinem geistlichen Sohn Timotheus gab er den Tipp:
1Tim 5,23 Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein um deines Magens willen und wegen deines häufigen Unwohlseins.
Paulus sagte zu ihm nicht: „Geh zu jemanden, der die Gabe der Krankenheilung hat und lass dich gesund machen.“ Er verwies ihn auf Wein, der früher als Arzneimittel eingesetzt wurde.
Paulus schalt Timotheus auch nicht. Er sagte nicht: „Du musst ganz fest glauben, dann wirst du gesund.“ Paulus war Realist und kein abgehobener Schwärmer.
Durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte gab es viele kranke Christen. Sie verherrlichten trotz ihrer Krankheit Gott in ihrem Leben. Man ging zu Ärzten, in Spitäler und Krankenhäuser. Diese waren hauptsächlich durch das Christentum entstanden. Man wollte die Menschen heilen, aber nicht alle konnten geheilt werden. Das war Realität.
Es gab durch die Jahrhunderte hindurch auch Geistheiler, Spiritisten und Schamanen, die durch magische Praktiken vorgaben, heilen zu können. Meist waren es Scharlatane, aber es gab auch Medien, die tatsächlich durch okkulte Kräfte heilen konnten. Sie taten das allerdings mit der Macht Satans.
Erst seit einigen Jahrzehnten glauben viele Christen wieder, dass sie durch den Glauben Anspruch auf Heilung hätten. Es gibt gerade in den pfingst- und charismatischen Strömungen viele Scharlatane und Betrüger, die vorgeben, sie könnten jede Krankheit heilen. Sie nutzen dabei die Nöte der Kranken aus und kassieren oft Geld von ihnen. Auch wenn sie vorgeben, durch den Heiligen Geist zu heilen, sind sie laut Bibel nicht dazu in der Lage. Denn die Bibel sagt klipp und klar, dass die vollständige Heilung erst mit der Auferstehung kommt, wie wir ja gesehen haben. Manche dieser „Heiler“ heilen dagegen durch die Kraft der okkulten Welt. Sie geben vielleicht vor, dass sie Christen sind, arbeiten aber insgeheim für den Teufel. Denn der Teufel versucht die Gemeinde durch lügenhafte Zeichen und Wunder zu unterwandern (2Thess 2,9). Er macht sich dabei die Not der Kranken zunutze.
Doch wir können, wenn wir krank sind, jederzeit um Heilung beten. Der christliche Glaube besteht nicht darin, dass wir uns blind unserem Schicksal ergeben müssen. Er besteht vielmehr darin, Leid zu lindern und Krankheiten zu bekämpfen. Darum gibt es auch die Medizin. Wenn wir krank sind, dann sollen wir als Christen nicht zu angeblich „vollmächtigen Heilern“ gehen, sondern uns an das Wort des Jakobus halten:
Jak 5,14 Ist jemand von euch krank? Er soll die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen lassen; und sie sollen für ihn beten und ihn dabei mit Öl salben im Namen des Herrn. 15 Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden. 16 Bekennt einander die Übertretungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist.
Wenn jemand krank ist, dann soll er die Ältesten der Gemeinde rufen und sie sollen für ihn beten und ihn mit Öl salben. Das Gebet wird ihn retten und der Herr wird ihn aufrichten. Achtung: Es heißt nicht, dass er gesund werden muss! Es steht nur da, dass der Herr ihn „aufrichten“ wird. Das bezeichnet in erster Linie die mentale Verfassung des Kranken. Natürlich kann er auch gesund werden, aber das wird hier nicht zwingend vorausgesetzt. Dann dürfen wir natürlich auch die Ärzte in Anspruch nehmen. Das ist kein Zeichen von mangelndem Glauben, sondern ein Anerkennen der Realität. Wenn wirklich jeder Christ gesund sein müsste, dann müsste auch niemand mehr sterben, der an Jesus Christus glaubt. Denn die meisten Christen sterben nicht durch Unfälle, sondern meist durch Krankheiten. Alterserscheinungen sind ebenso Krankheiten wie Krebs und andere tödliche Gebrechen.
In der Realität werden Menschen krank und sterben. Das werden auch die Schwärmer nicht verhindern. Ihre Theologie ist falsch!
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