Hat Jesus gelacht?

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Bei einem Gespräch mit einer Frau, das ich vor einigen Jahren einmal hatte, brachte sie zum Ausdruck, dass sie es bedauerte, dass uns in der Bibel nicht überliefert sei, dass Jesus Christus einmal herzhaft gelacht hätte. In der Tat finden wir mehrere Stellen im Neuen Testament, wo berichtet wird, dass Jesus Christus sich freute oder erfreut wunderte (Lk 10,21, Lk 10,18; Mt 8,10; Lk 7,9). Wenn Freude eine Frucht des Heiligen Geistes ist (Gal 5,22), dann können, ja müssen, wir annehmen, dass Jesus Christus sich auf Erden mehrmals gefreut hat. Aber ein Lachen wird uns nicht überliefert. Vielleicht hat Jesus Christus des Öfteren gelacht, ich kann mir das durchaus vorstellen, aber vielleicht verzichteten die Evangelisten darauf, das zu erwähnen, weil die Mission des Herrn sehr ernst war. Er kam als Sündopfer in diese Welt und sein ganzes Leben war vom Kreuz überschattet. Schon vor seiner Geburt war vom Vater und ihm beschlossen worden, dass er einen grausamen Verbrechertod sterben würde.

Das sind jetzt natürlich alles Spekulationen, warum uns keine Lachen berichtet wird. Im Endeffekt wissen wir nicht, warum in den Evangelien kein Lachen des Herrn überliefert wurde.

Die Bibel kennt zwei Arten von Lachen. Ein Lachen, das mit Freude verbunden ist (1Mo 21,6), wird uns von Sarah überliefert, die sich einfach darüber freute, dass sie in ihrem hohen Alter noch einen Sohn erhalten hatte. Gegen dieses Lachen ist nichts einzuwenden. Es gibt aber auch eine Form von Lachen, das nichts mit Freude zu tun hat. Es ist ein negatives Lachen. Ein Lachen, das darin besteht, dass über jemanden gelacht wird. Wenn man über jemanden lacht, dann ist das meistens damit verbunden, dass diese Person abgewertet wird. Über Jesus wurde mehrmals gelacht und er wurde auch verspottet. Einmal wurde er verlacht, nachdem er behauptet hatte, dass das tote Mädchen vom Synagogenvorsteher Jairus aus seiner Sicht nur schlafen würde (Mt 9,24; Mk 5,40). Wie uns die Schrift auch überliefert, wurde der Herr am Kreuz ausgelacht und verspottet (Ps 35,21; Ps 40,16; Ps 70,4). Dieses Lachen bestand aus Schadenfreude und würdigte den Sohn Gottes herab. Es gibt eigentlich kein schlimmeres Lachen als dieses.

In seinen Predigten wies Jesus Christus immer wieder darauf hin, dass es eigentlich auf dieser Welt für echte Gläubige nicht viel zu lachen gebe. In einer Predigt sagte er:

Mt 5,4 Glückselig sind die Trauernden, denn sie sollen getröstet werden!

Lk 6,21 Glückselig seid ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr sollt gesättigt werden! Glückselig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen!

Wenn Christen sehen, wie kaputt sie selber sind, und wie kaputt diese Welt ist, dann entsteht normalerweise keine Schadenfreude, sondern Trauer. Man sieht als Christ, wie Menschen ihr Leben zerstören, wie sie hartnäckig an ihrem Unglauben festhalten und ins Verderben rennen. Jesus weinte darum auch über die Stadt Jerusalem, die in ihren Untergang rannte (Lk 19,41). Das ist kein Grund, um zu lachen. Trauer wird an mancher Stelle sogar als besonders gut für den Weisen hervorgehoben:

Pred 7,4 Das Herz der Weisen ist im Haus der Trauer; aber das Herz der Narren im Haus der Lustigkeit.

Dagegen bewertet Jesus Christus das lustige Treiben in dieser Weltzeit negativ. Diejenigen, die jetzt lachen, werden einmal weinen und traurig sein:

Lk 6,25 Wehe euch, die ihr satt seid; denn ihr werdet hungern! Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen!

Aufgrund dieser Aussagen verstehen wir auch, warum uns vielleicht kein Lachen von Jesus Christus übermittelt wurde. Seine Mission war sehr ernst. Er trauerte mit den Traurigen, aber natürlich freute er sich auch, mit denen, die sich freuten (Röm 12,15). Aber er hielt keine belustigenden Reden und machte Witze, um das Volk zu belustigen, nein, er predigte ernste Worte, warnte und übte sich in Geduld, wenn die Leute seine Botschaft auch nach dem 20. Mal nicht verstanden hatten. Freude hatte er schon, denn tiefe Freude ist etwas, das man auch im Leid haben kann (Heb 12,2). Freude ist nicht so oberflächlich, wie das Lachen, das meist einfach nur von einer Situation und einem guten Gefühl abhängig ist. Freude ist beständiger!

Es gibt aber auch mindestens zwei Stellen im Alten Testament, in denen beschrieben wird, das Gott lacht. Dieses Lachen jedoch ist sehr gefährlich! Es ist ein Lachen Gottes über die Gottlosen:

Ps 37, 12 Der Gottlose heckt Pläne aus gegen den Gerechten und knirscht gegen ihn mit den Zähnen; 13 aber der Herr lacht über ihn; denn er sieht, daß sein Tag kommt.

Der Gottlose ist wie ein kleiner Wurm, der beschlossen hat, gegen Gott zu rebellieren. Dieses Beispiel stammt von mir, nicht aus der Bibel; aber so können wir uns vorstellen, wie die Rollenverteilung tatsächlich aussieht. Stellen wir uns vor, ein Regenwurm würde versuchen, einen Menschen an einem regnerischen Tag anzugreifen. Würde dieser Mensch nicht über die Bemühungen des Regenwurms lachen? Mit einem gezielten Tritt wäre er doch tot. Genauso muss es doch Gott gehen, wenn er sieht, wie sich eine Horde Würmer gegen ihn verschworen hat. Sehr schön wird das in Psalm 2 ausgeführt:

Psalm 2, 1 Warum toben die Heiden und ersinnen die Völker Nichtiges? 2 Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten verabreden sich gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten: 3 »Laßt uns ihre Bande zerreißen und ihre Fesseln von uns werfen!« 4 Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. 5 Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und sie schrecken mit seinem Grimm: 6 »Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!« — 7 Ich will den Ratschluß des Herrn verkünden; er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. 8 Erbitte von mir, so will ich dir die Heidenvölker zum Erbe geben und die Enden der Erde zu deinem Eigentum. 9 Du sollst sie mit eisernem Zepter zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen!« 10 So nehmt nun Verstand an, ihr Könige, und laßt euch warnen, ihr Richter der Erde! 11 Dient dem Herrn mit Furcht und frohlockt mit Zittern. 12 Küßt den Sohn, damit er nicht zornig wird und ihr nicht umkommt auf dem Weg; denn wie leicht kann sein Zorn entbrennen! Wohl allen, die sich bergen bei ihm!

Alle Bemühungen der gottlosen Menschen sind von vornherein zum scheitern verurteilt. Egal, ob sie ein Weltreich ohne Gott aufbauen wollen, ob sie einer dummen, unsinnigen Ideologie anhängen, die Gott total ausblendet, oder ob sie sich finanziell so absichern wollen, dass sie sich dadurch erhoffen, von jedem Leiden verschont zu werden. Gott kann über solche Bemühungen nur lachen. Hüten wir uns, dass Gott nicht über uns lachen muss. Lassen wir Gott Gott sein. Bleiben wir Würmer, die sich nicht mit Gott anlegen, sondern ihm die Ehre geben. Wenn die Erlösung vollendet ist, haben wir sicherlich mehr zu lachen.

Das soll jetzt nicht heißen, dass man nicht lachen darf. Es geht jedoch immer um die Einstellung. Suchen wir hier kurzweiliges Vergnügen, das nicht dauerhaft ist, oder gehen wir mit allem nötigen Ernst an die Arbeit im Reich Gottes? Natürlich werden wir auch das ein und andere Mal lachen. Viele Christen, die ich kenne, sind sehr fröhliche Menschen und lachen viel! Und das ist auch gut so! Aber dieselben Christen können auch sehr ernst werden, wenn es um verlorenen Seelen geht. Bei ihnen stimmen die Prioritäten, und das ist wichtig! Denn es gibt gutes und böses Lachen.

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