Hilflosigkeit und Wut

Von einem Christen wird ja erwartet, dass er das Böse ertragen kann und die Widerspenstigen mit Sanftmut zurechtweist:

2Tim 2,24 Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; 25 er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte zur Erkenntnis der Wahrheit 26 und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen.

Hierbei tue ich mir echt schwer. Wenn ich die Gesamtsituation in der westlichen Welt, speziell in Deutschland, betrachte, dann bin ich zutiefst frustriert. Dazu kommt noch die Hilflosigkeit, nichts unternehmen zu können und kein Mitspracherecht zu haben. Ich sehe, wie sich die ganze Welt zum Schlechten verändert und ich kann nichts dagegen tun, außer vielleicht hier und da eine christlichen Kommentar zu geben. Aus dieser Hilflosigkeit erwächst dann Wut. Wut ist nicht immer schlecht. Wut kann, wenn sie sich nicht destruktiv auswirkt, dazu führen, dass man die falschen Dinge anpackt und verändert. Doch wie soll das gehen, wenn man keine Führungsposition hat oder zumindest soviel Einfluss, dass man von anderen Menschen wahrgenommen und gehört wird? Ich denke, so geht es vielen Menschen bei uns. Sie arbeiten, kaufen ein, werkeln bei sich zuhause herum und geben alle vier Jahre eine Stimme ab, die dann in der Wahlurne verschwindet. Das ist das einzige Mitspracherecht, das sie haben. Der Frust kommt dann vielleicht am Biertisch hoch, wenn man sich nach ein paar Bieren traut, zu sagen, was man denkt.
Aus dieser Hilflosigkeit und Wut erwächst dann entweder eine Depression, oder das Ganze entlädt sich in offener Gewalt. Man kann Wut gegen sich selber richten, wie ich das tue, oder man kann seinen Frust an seinen Mitmenschen heraus lassen. Beides ist nicht gut. Beides ist destruktiv. Damit geht oft eine Resignation einher. Man resigniert vor den Tatsachen, die man sowieso nicht ändern kann. Manche flüchten dabei in Zynismus und Sarkasmus, andere in eine oder mehrere Abhängigkeiten, andere in die Isolation. Doch die Auslöser dieser Krisen sind immer noch nicht verschwunden. Das Problem besteht weiterhin – nichts hat sich daran geändert.
Was bleibt uns dann anderes übrig, als sich an Gott zu wenden. Wenn wir uns an Gott wenden, dann überspringen wir in der Hierarchie die Zwischenstufen und kommen direkt und unmittelbar zu dem, der alle Dinge beherrscht. Die Politik und die Kirchenführer mögen uns vielleicht nicht anhören, aber Gott wird uns zuhören, wenn wir uns offen und ehrlich an ihn wenden; vorausgesetzt wir haben Frieden mit Gott durch seinen Sohn Jesus Christus. Gott wird dann unser Gebet gebrauchen und aus uns selbst einen Teil der Lösung des Problems machen. Wenn wir ein berechtigtes Anliegen vor Gott bringen, dann fordert Gott uns auf, selbst tätig zu werden. Glaube ist nicht ein Zurücklehnen und Warten, bis Gott etwas tut. Glaube ist, selbst aktiv an der Gebetserhörung mitzuarbeiten, egal, wie klein der Beitrag auch sein mag. So versuche ich selber etwas zu verändern. Manchmal gelingt mir das im Ansatz. Manchmal schieße ich auch über das Ziel hinaus.

Pred 11,6 Am Morgen säe deinen Samen, und am Abend laß deine Hand nicht ruhen; denn du weißt nicht, ob dieses oder jenes gedeihen wird, oder ob beides zugleich gut wird.

Bete, als ob alles Arbeiten nichts nützt und arbeite, als ob alles Beten nichts nützt.
Martin Luther

Wir müssen uns aber auch eingestehen, dass sich Gottes Plan erfüllen wird. Jesus Christus und seine Apostel und Propheten sagten voraus, dass in der Endzeit ein moralischer, gesellschaftlicher und geistlicher Niedergang stattfinden würde. Wir leben eben nicht mehr in der Zeit der großen Erweckungen in der westlichen Welt. An anderen Orten gibt es sie noch. Aber unsere westliche Welt, die vom Evangelium geprägt war, hat sich von Gott losgesagt und ist freiwillig von ihm abgefallen. Mit diesem Abfall geht auch der moralische Abfall einher. Unrecht und Gesetzlosigkeit sind die logischen Folgen davon. Wenn Gott das schon im Voraus mit in seinen Plan eingebaut hat, dann müssen wir auch davon ausgehen, dass wir das Ruder nicht mehr herumreißen können. Ich befürchte, dass es daher nicht mehr möglich sein wird, dass es noch große Erweckungen bei uns geben wird. Wir können vielleicht noch einzelne Menschen für das Evangelium gewinnen, aber nicht mehr die Masse. Jesus Christus sagte voraus, dass es in den letzten Tagen wie in den Tagen Noahs (Mat 24,37) und Lots (Lk 17,28) zugehen würde. Auch damals wurden nur wenige gerettet.

Trotzdem sollten wir nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir haben vielleicht eine kleine Kraft, aber diese können wir nutzen. Ich spreche hier nicht von den Schwärmern, die gewaltige Erweckungen zu haben scheinen, die sich jedoch im Nachhinein als heiße Luft herausstellen. Wir können noch einzelne Menschen erreichen, bis die volle Zahl der Heiden eingegangen ist (Röm 11,25). Auch in Deutschland gibt es noch Orte, die nie das volle Evangelium gehört haben. Wir in Bayern haben z. B. immer noch Orte, die seit Jahrhunderten vom Katholizismus geprägt worden sind, der ihnen das echte Evangelium bis jetzt vorenthalten hat. Ich denke, dass es gerade hier noch zu kleinen Erweckungen kommen könnte. Auch andere Länder, die bis jetzt noch nicht erfasst worden sind, könnten dazu zählen. Es gibt also immer noch genügend zu tun. Lassen wir uns daher nicht entmutigen!

Wir können unsere Wut dazu nutzen, konstruktiv zu arbeiten und nicht auszuflippen. Das muss ich auch immer mehr und mehr lernen.

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