Im Labyrinth der Lehren und Endzeitspekulationen

430901_web_R_by_M.E._pixelio.de_.jpg

Es ist wie im Irrenhaus! Wenn man im Internet über die christliche Lehre recherchiert oder etwas wissen will, dann sieht man sich einer riesigen Menge an unterschiedlichen, sich grob widersprechenden und leider auch total absurden Lehren gegenüber. Der Jungbekehrte, das neugeborene Baby oder sehr junge Kleinkind im Glauben stehen in der ständigen Gefahr, vom biblischen Glauben in den Irrtum und schließlich in die Irre geleitet zu werden. In den letzten Jahren konnte ich immer wieder beobachten, wie Gläubige, die gut gelaufen sind, plötzlich die haarsträubendsten Sachen behaupten. Diese Behauptungen sind teilweise so absurd, dass nicht einmal fehlgeleitete Esoteriker einen solchen Unsinn behaupten würden. Vielleicht liegt das auch daran, dass sich zu wenige Christen mit der Kirchengeschichte beschäftigen. Würden sie das tun, dann würden sie z. B. feststellen, dass bis jetzt jeder noch so sorgfältig berechnete Tag, an dem angeblich Jesus Christus wiederkommen solle, falsch war. Nicht wenige Leute wandten sich in diesen Fällen nach so einer Enttäuschung vom Glauben ab. Doch auch daraus lernt man nicht!

Außerdem würden sie beim Studium der Geschichte der Gemeinde die Mechanismen der Irrlehrer und ihrer Behauptungen entlarven, denn die Strategien des Teufels, um die Gläubigen zu verführen, sind immer noch die gleichen wie vor 2000 Jahren. Ein Blick in die Kirchengeschichte, natürlich auch in die Bibel (!), würde uns zeigen, welche Fehler unsere Vorfahren gemacht haben, aber auch welche Siege sie errangen. Daraus können wir lernen. Der Teufel ändert seine Strategien eben nicht, denn die Leute werden entweder in die magische Welt der übersinnlichen Phänomene entführt, wie bei der Mystik oder bei der Charismatik. Oder sie werden in die radikale Gesetzlichkeit, wie z. B. die Überbetonung des mosaischen Gesetzes oder eine Gesetzlichkeit, bei der Nebensächlichkeiten wichtiger als die Hauptsachen gesehen werden. Dabei werden dann auch Menschen, die nicht so streng leben, nicht so leben können, verachtet und gemieden. Mich wundert es, dass diese Leute dann über das rechte Halten des Sabbats und der Speisegebote stunden-, ja tagelang diskutieren, aber keiner auf die Idee kommt, einem armen Mensch fünf Euro zu geben, eine einsame Witwe oder Waise zu besuchen:

Jak 1,27 Eine reine und makellose Frömmigkeit vor Gott, dem Vater, ist es, Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen und sich von der Welt unbefleckt zu bewahren.

Auch die Gefahr der Sexualität, wenn sie in ungute Bahnen gelenkt wird, ist stets präsent. Wie viele Menschen konnten nicht zur Wiedergeburt durchdringen, weil „wie durch Zufall“ der ungläubige Traummann oder -frau auf der Matte stand, der zwar anfangs Interesse heuchelte, aber sich dann als Gegner des Herrn Jesus entpuppte? Wie viele Leiter kamen durch verführerischen Frauen beim Ehebruch zu Fall?! Aber auch die Gefahr des Machtmissbrauchs von Machtmenschen in der Gemeinde ist ein stets wiederkehrendes Übel. Wie viele Christen gingen an solchen Machtstreitereien kaputt, wie viele gingen danach wieder in die Welt, weil sie von Gottes Bodenpersonal enttäuscht waren?!

Es ist wirklich eine Tragödie, wenn man zusieht, wie Menschen bewusst oder auch unbewusst vom Weg abkommen und sich weigern eine Warnung zu hören oder Rat anzunehmen und wie in unserer Zeit Werke und Gemeinden kippen und noch schlimmer als die Welt werden.

Wir sollten auch immer beachten, dass wir nicht genau wissen, was in den nächsten Jahren passieren wird. Wir haben in der Bibel grobe Umrisse beschrieben, aber wie diese genau eintreffen werden, wird man immer erst dann völlig klar sehen, wenn sich die Prophezeiungen erfüllen. Ich befürchte, dass viele von diesen Endzeitpropheten auf YouTube und im Netz, die alles bis in Detail voraussagen wollen, einmal schämen werden, wenn sie sehen, dass manche Aussagen in der Bibel ganz anders gemeint sind, als sie glaubten. Warum besitzen diese Leute nicht einmal den Mut, ja die Demut, zu sagen, dass sie etwas nicht genau wissen? Warum will man alles immer gleich und sofort erklärt haben? Kann man nicht auch mit unbeantworteten Fragen leben? Gibt man sich eine Blöße, wenn man sagt: „Das weiß ich nicht!“

Die Leute, die die Endzeitszenarien mit reißerischer Musik und opulenten Bildern ins Netz stellen und meinen, alles zu wissen, werden einmal vor Gott stehen und darüber Rechenschaft geben. Sie nehmen sich das aber jetzt nicht zu Herzen, sondern machen die gleichen dummen Fehler immer und immer wieder. Anstatt sich nach einer Aussage, die sich als falsch entpuppt hat, zurückzuziehen, Buße zu tun und nicht mehr solche Aussagen zu tätigen, machen diese Leute nach einer kurzen Unterbrechung genauso weiter, als wäre nie etwas gewesen. Dabei sind sie ständig am Lernen, haben nie ein festes, stabiles Lehrgebäude, sondern entwickeln stets neue Theorien und Lehren, werfen Bewährtes über Bord und wollen noch einmal von Null auf anfangen. Wie im Supermarkt suchen sie sich die Lehren nach Belieben zusammen.

Die Bibel ist nicht schwer zu verstehen! Ich denke, jeder von uns Christen weiß mehr, als er in einem Leben schaffen kann. Warum fangen wir nicht an, die Dinge zu tun, von denen wir genau wissen, dass wir sie tun sollen. Statt ständig über zukünftige Dinge zu spekulieren, sollten wir vielleicht einmal alte Leute besuchen, für andere etwas Gutes tun, Kranke besuchen oder auch sozial schwache Menschen aufrichten. Das ist doch viel mehr wert, als ewig über den Antichristen und das Mal des Tieres zu spekulieren oder an der Frage, wann die Entrückung stattfinden soll, zugrundezugehen.

Mi 6,8 Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott?

Share Button

Related Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.