Jesus kam auch für korrupte Politiker und Beamte

Kann man an die Macht kommen, ohne korrupt zu sein? Ich glaube nicht. Vielleicht war das in der Menschheitsgeschichte manchmal der Fall, aber es ist nicht die Regel. Wer an die Macht gehievt wird, von dem wird verlangt, dass er etwas für diejenigen tut, die ihn gewählt haben. Bei uns sind diejenigen nicht mehr das Volk, sondern die Interessenverbände, Banken, Konzerne, die die eigentliche Politik machen und hinter den Politikern stehen. Unsere Politiker lassen sich zwar zur Wahl aufstellen, aber sie wurden schon lange zuvor mit Geld und Geschenken gekauft. Es ist eigentlich egal, wen man wählt. Wir sehen sehr deutlich, dass sich die verschiedenen Parteien nicht großartig unterscheiden. Sie regieren am Volk vollkommen vorbei und folgen nur noch den Interessen der Hintermänner. Wir haben schon lange keine Demokratie mehr, sondern wir leben in dem wiederauferstandenen Römischen Reich, einem Imperium. Es wird zwar eine Demokratie simuliert, um keine Aufstände zu provozieren, aber wer die Augen aufmacht, wird feststellen, dass es sich bei unserer Regierungsform um eine Softdiktatur handelt. Laut der biblischen Prophetie wird daraus eine harte Diktatur werden, die mit der Härte von Eisen verglichen wird (Dan 2,40).

Damit diese Diktatur funktioniert, bedarf es Menschen, die die Befehle der Oberen ausführen und die Gesetze durchsetzen: Soldaten, Beamte, Polizei, Steuereintreiber, Richter und viele andere mehr. Diese profitieren auch bis zu einem gewissen Teil an der Machtstruktur.

Das einfache Volk stöhnt in der Regel dann unter der Diktatur und wird regelrecht wütend auf die Führung. In unserer Zeit sind Politiker nicht gerne gesehen. Auch Beamte, Steuereintreiber und Polizisten sind verhasst. Ebenso die ungerechten Richter, die die ungerechten Gesetze erbarmungslos durchsetzen. (Wer hätte sich das vor 30 Jahren vorstellen können, dass aus Recht Unrecht wird und dass das Gute zum Bösen erklärt wird?) Unrecht ist heute an der Tagesordnung. Doch das ist nichts Neues. Schon zur Zeit Jesu stöhnte das Volk Israel unter der Besatzungsmacht der Römer. Das Volk hatte korrupte Richter, eine böse religiöse Führungsschicht, Steuereintreiber, die sich selbst bereicherten, und feige, korrupte Möchtegernkönige. All das steuerte der Kaiser von Rom, dem schon fast göttliche Verehrung zukam. Doch wir stellen fest, dass Jesus Christus sich auch mit korrupten Leuten abgab.
Er verkehrte z. B. mit Zöllnern. Zöllner waren zur Zeit Jesu von den Juden sehr verhasst. Sie zogen Steuern ein; doch damit sie selbst leben konnten, nahmen sie mehr als erlaubt war. Dadurch waren sie zwar in ihren eigenen Kreisen einigermaßen angesehen, vom einfachen Volk aber verhasst, denn sie machten gemeinsame Sache mit der Besatzungsmacht und nahmen in ungerechter Art und Weise die eigenen Landsleute aus. Solch einen korrupten Menschen nahm Jesus auf und machte ihn zu einem Apostel:

Lukas 5

Die Berufung des Levi

27 Danach ging er hinaus und sah einen Zöllner namens Levi an der Zollstätte sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! 28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. 29 Und Levi bereitete ihm ein großes Mahl in seinem Haus; und es saß eine große Schar von Zöllnern und anderen, die es mit ihnen hielten, bei Tisch. 30 Und die Schriftgelehrten unter ihnen und die Pharisäer murrten gegen seine Jünger und sprachen: Warum eßt und trinkt ihr mit Zöllnern und Sündern? 31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. 32 Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.

Auch die Geschichte des Zöllners Zachäus zeigt uns etwas über die Liebe Jesu zu einem korrupten Menschen:

Lukas 19

Der Oberzöllner Zachäus

1 Und er kam nach Jericho hinein und zog hindurch. 2 Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, ein Oberzöllner, und dieser war reich. 3 Und er wollte gerne Jesus sehen, wer er sei, und konnte es nicht wegen der Volksmenge; denn er war von kleiner Gestalt. 4 Da lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er vorbeikommen. 5 Und als Jesus an den Ort kam, blickte er auf und sah ihn und sprach zu ihm: Zachäus, steige schnell herab; denn heute muß ich in deinem Haus einkehren! 6 Und er stieg schnell herab und nahm ihn auf mit Freuden. 7 Als sie es aber sahen, murrten sie alle und sprachen: Er ist bei einem sündigen Mann eingekehrt, um Herberge zu nehmen! 8 Zachäus aber trat hin und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfältig zurück! 9 Und Jesus sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; 10 denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Jesus hatte keine Berührungsängste mit korrupten Beamten, auch nicht solchen, die ihren Reichtum durch Unrecht angehäuft haben. Er wusste wohl, was sie alles trieben, aber er bot ihnen auch die Erlösung an. In unserer Zeit wird das Augenmerk häufig auf die Armen gelenkt, die schonungslos ausgebeutet werden. Wir sehen dabei aber meist nicht, dass die Reichen vom übrigen Volk isoliert sind. Vielleicht würden auch sie gerne mal ein einfaches Leben führen wie der Durchschnittsbürger, aber Reichtum macht auch einsam. Reichtum schafft selten eine echte Freundschaft. Viele Ehen und Freundschaften von Reichen sind nur oberflächlich, denn fast jeder, der einen Reichen als Freund hat, spekuliert darauf, etwas vom großen Kuchen ab zu bekommen. Man sieht das sehr deutlich daran, wenn ein alter Mann eine viel zu junge bildhübsche Frau heiratet, die eigentlich nur an seinem Vermögen interessiert ist. Diese Ehen werden meistens bald nach ihrer Schließung wieder geschieden. Echte Liebe – Fehlanzeige!

Pred 5,10 Wo viele Güter sind, da sind auch viele, die davon zehren, und was hat ihr Besitzer mehr davon als eine Augenweide?

Die Bibel spricht nicht gerade sehr wohlwollend über die Reichen, die ihr Vermögen durch Unrecht zusammengerafft haben. Sie spricht an anderer Stelle auch negativ über die Zöllner (Mt 18,17). Doch Jesus Christus kam für die Sünder. Er wollte und will auch noch heute korrupte Steuereintreiber, Politiker und Unternehmer retten. Auch für diese Menschen kam Jesus. Gottes Heil soll jedem Menschen angeboten werden. Wir als Christen sollen aller Kreatur das Evangelium verkündigen (Mk 16,15). Das Evangelium ist für Sünder bestimmt.
Ich denke, dass die äußere Fassade, die unsere korrupte Elite, Führung und die korrupten Beamten an den Tag legen, oft nur äußerlich ist. Vielleicht liegen viele von ihnen nachts wach im Bett, wenn das schlechte Gewissen an ihnen nagt. Vielleicht können sie die innere Stimme, die ihnen vorwirft, auf wessen Kosten sie Macht und Reichtum gewonnen haben, auch nie ganz zum Schweigen bringen, obwohl sie ständig selbstsicher in Kameras lächeln müssen. Vielleicht weinen viele heimlich über ihre Schuld. Wir sehen nur das Äußere, doch Gott sieht das Herz:

1Sam 16,7b Denn [der Herr] sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an!

Christen sollen nicht die Reichen bevorzugen und die Armen abweisen (Jak 2,6). Aber im Umkehrschluss sollen wir auch den Reichen das Evangelium verkünden, ohne auf den Status dieser Personen zu achten.

Warum ich das schreibe? Wir, d. h. das einfache Fußvolk, leiden unter der Ausbeutung, den ungerechten Gesetzen und den massiven Einschränkungen, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Es gibt im Internet massive Shitstorms gegen die Führung unseres Landes und auch der EU. Wütende Kommentare, scharfe Briefe und Demonstrationen. Doch die Lösung ist nicht, zu schimpfen und zornig zu sein, sondern wir sollen auch diesen Menschen das Evangelium sagen. Denn nur das Evangelium kann Sünder verändern. Jesus selbst machte es vor, indem er korrupte Menschen annahm. Es werden zwar nicht viele von ihnen sein, die seinem Ruf folgen werden (1Kor 1,26), aber vielleicht kommt doch noch der ein oder andere zur Umkehr! Wir sind ja alle Sünder, ohne Ausnahme!

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