Jesus predigte das Gegenteil des Wohlstandsevangeliums

„Komm zu Jesus und er wird dich heilen und für all deine Bedürfnisse sorgen.“ So, oder ähnlich, hören sich viele moderne Predigten an. Weil man nicht mehr von einer Hölle und von Buße und Umkehr predigen darf (weil es die Leute nicht mehr hören wollen), mußte man eine Lösung finden, um die Menschen zum Glauben motivieren zu können. Dass Jesus das Leben besser machen würde, wird daher heute oft gepredigt. Doch predigte Jesus selber so? An einem Gleichnis, dass er seinen Zuhörern erzählte, kann man deutlich sehen, dass Jesus eigentlich genau das Gegenteil predigte. Es handelt sich um das Gleichnis vom „armen Lazarus und dem Reichen“ zu finden in der Bibel bei Lukas, Kapitel 16:

19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbare Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
20 Es war aber ein Armer namens Lazarus, der lag vor dessen Tür voller Geschwüre
21 und begehrte, sich zu sättigen von den Brosamen, die vom Tisch des Reichen fielen; und es kamen sogar Hunde und leckten seine Geschwüre.
22 Es geschah aber, daß der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben.
23 Und als er im Totenreich seine Augen erhob, da er Qualen litt, sieht er den Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich über mich und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme!
25 Abraham aber sprach: Sohn, bedenke, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben und Lazarus gleichermaßen das Böse; nun wird er getröstet, du aber wirst gepeinigt.
26 Und zu alledem ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, so daß die, welche von hier zu euch hinübersteigen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen.
27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn in das Haus meines Vaters sendest —
28 denn ich habe fünf Brüder —, daß er sie warnt, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen!
29 Abraham spricht zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören!
30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun!
31 Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten auferstände!

Eigentlich ist für mich diese Predigt ein Skandal, aus heutiger Sichtweise betrachtet. Lazarus war krank und arm. Er hatte nichts zu essen und hatte Geschwüre. Da er sich nach seinem Leben in Abrahams Schoß wiederfindet, können wir davon ausgehen, dass er ein gläubiger Mensch war. Obwohl er gläubig war, litt er Hunger und war krank. Da Jesus Lazarus beim Namen kannte, können wir davon ausgehen, dass Jesus über das Leben dieses Mannes sehr genau Bescheid wußte. Aber Jesus hat ihn weder geheilt, noch hat er für seinen Hunger gesorgt. Wir müssen davon ausgehen, wie beschrieben, dass der arme Lazarus oft hungrig einschlafen musste.
Trotzdem stellt Jesus Lazarus als gerecht dar. Aber warum hat Jesus Lazarus kein besseres Leben verschafft, obwohl er von dessen Not wusste und dieser gläubig war?
Das wäre die Aufgabe des Reichen gewesen, er hätte Lazarus helfen können. Wir wissen nicht wie der Reiche an seinen Reichtum gekommen ist. Vielleicht ungerecht, vielleicht sogar in rechtschaffener Art und Weise. Hat vielleicht sogar Jesus diesen Mann reich werden lassen? Mit Sicherheit, denn es steht geschrieben:

1Sam 2,7 Der Herr macht arm und macht reich; er erniedrigt, aber er erhöht auch.

Jesus hat Lazarus arm und den Reichen reich gemacht. Trotzdem ist der Reiche nicht im Vorteil gegenüber dem Armen. Im Gegenteil, der arme Gläubige wird gerettet und der Reiche, der sich weder um den Armen gekümmert hat, noch an Gott geglaubt hat, wird verdammt.

Wenn wir uns dieses Gleichnis ansehen, dann sehen wir, dass Erfolg und Wohlergehen keine geistlichen Gaben sein müssen. Armut muß kein Fluch sein und Reichtum kein Segen. Wohlergehen ist kein geistlicher Maßstab, an dem wir prüfen können wie Gott zu uns steht. Lazarus hat viel gelitten und war trotzdem gesegnet. Dem Reichen ging es prächtig und er erntete Fluch.

Ich kann mir vorstellen, dass Lazarus oft gebetet hat. Hat er um Hilfe gebeten? Um Heilung? Wir wissen es nicht. Er wurde jedoch zu seinen Lebzeiten nicht gesund und heil.

Wir sehen also: Jesus hat die Leute nicht mit Versprechungen des Reichtums und Wohlergehens angelockt. Er predigte Buße und Umkehr.

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