Kopfglauben und Gefühlsleben

Wenn der Teufel versucht, Christen auf einen falschen Weg zu bringen, dann tut er dies damit, indem er die Christen, denen er schaden will, versucht in die Extreme zu treiben. Wenn wir uns den Kopfglauben und die Gefühle anschauen, dann erkennen wir große Extreme im Zustimmen von Wahrheiten und dem, wie unser Glaubens- und Gefühlsleben aussieht.

Bei manchen pietistischen und wirklich bibeltreuen Brüdergemeinden steht hauptsächlich der Verstand im Vordergrund. Gefühle, so sagt man, seien nicht wichtig, sondern nur dass man glaubt. „Gefühle sind schlechte Ratgeber“, sagt man, was auch stimmt. Aber sie sind eben auch da und oft stärker als der Verstand. Der Verstand, den wir von Gott bekommen haben, ist an sich ein wichtiges Werkzeug durch das Leben zu gehen. Kein Mensch könnte sein Leben ohne Verstand leben, ebenso wenig ohne Vernunft und Einsicht. Bei vielen Denominationen wird auf das Beharren und Annehmen der biblischen Lehre und auf das Für-wahr-halten von Lehrmeinungen sehr großer Wert gelegt. Kopfglaube. Das theologische Anerkennung der Dogmen und Lehren, wird als Glaube ausgelegt, obwohl das noch nicht heißen muss, dass das Glaubensleben in Ordnung vor Gott und vor sich selber ist. Wenn man den Glauben nur noch als theologisches Wissen betrachtet, und ein anderer eine andere als die eigene Meinung hat und gegen die eigene Lehrauffassung ist, dann streitet man über diese Dinge sehr häufig. Die Liebe bleibt dabei auf der Strecke und nicht wenig verlassen ihre „engstirnigen“, „unbelehrbaren Brüder“, die sowieso falsch liegen und wegen ihrer Ansichten vielleicht sogar in Hölle kommen sollen, wie man meint. Glaube ist nicht nur das Für-wahr-halten von Dogmen, sondern auch ein Tun von Gottes Willen. Wenn Glaube nicht praktisch wird, ist er sinnlos. Glaube muss sich dann auch im Gefühlsleben niederschlagen, wenn die Gefühle dem Glauben folgen.

Ein Beispiel: Anna, nennen wir sie Anna, hat ein großes Problem in ihrem Leben. Sie hat lange und ausführlich für ein Problem gebetet, aber Gott hat diese wichtige Bitten scheinbar ignoriert und ihr Problem ist fast noch schlimmer geworden. Bei jedem Gebet, das sie jetzt spricht, spürt sie einen Frust in sich, der sich langsam zum Zorn steigert. Ein anderer Christ sagt ihr, dass Zorn gegen Gott eine Sünde sei und sie dafür Buße tun sollte. Sie will ihren Zorn unterdrücken, doch er wird immer stärker. Was soll sie tun? Personen, die Zorn in sich haben, ihn aber unterdrücken, werden irgendwann bei irgendeiner Kleinigkeit, die sie in das Problem erinnert oder bei ungerechter Behandlung, in die Luft gehen und explodieren. Unterdrückte Gefühle sind wie ein Vulkan, der zwar jahrelang still sein kann, aber eines Tages trotzdem wieder ausbricht, denn er war stets unterirdisch aktiv, auch wenn man das von Außen nicht sah.

Gefühle kann man nicht mit dem Kopf versuchen zu lösen, sie müssen heraus. Hätte Anna schon früher angefangen ihre Enttäuschungen in klarer Art und Weise vor Gott auszubreiten und ihm ihr Leid zu klagen, dann würde es zu keinem Ausbruch des Zorns kommen. Wenn man also die Gefühle nicht ernst nimmt, dann können sie zum Verhängnis werden. Daher ist ein Kopfglaube, der nicht auf die Gefühle eingeht, nicht die richtige Lösung unseres Lebens als ganzheitlicher Mensch.

Ein anderes Problem ist, dass man nur noch über Gefühle spricht und sie auslebt, ohne auf den Kopfglauben zu achten. Vor allem in Pfingst- und Charismatischen Kreisen ist dies so. Hier werden die Gefühle oft durch besondere Worship-Lieder angeheizt. Durch die Emotionen entstehen Eindrücke und Weissagungen, von denen man meint, dass sie von Gott kommen würden, letztendlich aber nur aus der eigenen Seele und manchmal sogar vom Teufel. Gefühle eben. Durch die Vielzahl der Prophezeiungen, Zungenbotschaften und Eindrücke, die auf der emotionalen Ebene stattfinden, wird man in seinen Gefühlen mal enthusiastisch werden und beim anderen mal so emotional verwirrt sein, dass man meint, man befinde sich auf einer Achterbahn. Viele Christen aus diesen Gruppen besuchen ein Power-Event nach dem anderen. Wenn jedoch das tolle, bunte Event vorbei ist, landen sie wieder auf dem Boden und sehen den Alltag meistens grau, und sie werden depressiv. Ihre Gefühle sind derartig verwirrt, dass sie sich verselbständigt haben und nun ein Teufels-Kreis aus Hochgefühl und Niedergeschlagenheit entstanden ist.

Hier wäre dann wieder der Kopfglauben wichtig. Das Wort Gottes zu studieren und sich nur von ihm belehren zu lassen. Wenn im Kopf alles wohlgeordnet ist, dann kommen auch die Gefühle zur Ruhe. Die richtig Lehre ist hierbei unentbehrlich.

Gefühle sind wichtig und sie sollten nicht unterdrückt werden. Ebenso ist auch der Kopf- oder Verstandesglaube wichtig. Beides sollte nicht vernachlässigt werden.
Wer Probleme damit hat, der sollte die Psalmen lesen und dementsprechend beten. In den Psalmen lernen wir, wie die Psalmisten ihre Gefühle zu Gott bringen und vor ihm ausbreiten. Man nennt das auch „das Herz ausschütten“.
Hier können wir nicht nur negative Gefühle benennen, sondern auch positive. Auf dieser Welt werden es viele negative Gefühle sein, weil Christus noch nicht seine Herrschaft angetreten hat. Wenn wir unsere negativen Gefühle zu Gott bringen, dann wird er uns, wenn er will, eine biblische Wahrheit übermitteln, durch die es unseren Gefühlen wieder gut gehen wird.

Weder das eine noch das andere Extrem ist gut. Sondern nur der Mittelweg. Glaube ist kein Gefühl, aber der richtige Glaube erzeugt gute Gefühle. Die Wahrheit wird euch freimachen.

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