Man hat oft mehr, als man erkennt

Wasserfall (Mündung) vor Kellmünz (Radweg)
Wasserfall (Mündung) vor Kellmünz (Radweg)

Gott hat es nicht leicht mit mir. Ich bin gewiss kein Mensch, dem es leicht fällt, an Gott zu glauben und ihm zu vertrauen. Das hat gewiss mit meiner Biografie zu tun. Aber das ist keine Entschuldigung für Unglauben.

Ein wesentlicher Fehler von mir ist, dass ich immer meine eigenen Pläne und Vorstellungen verwirklicht sehen will. Ich habe eine sturen Dickkopf und lege Gott häufig meine Pläne vor, von denen ich meine, dass er sie sofort zu erfüllen hätte. Indem ich mich immer nach mehr ausstrecke, vergesse ich zu beachten, was Gott mir schon gegeben hat. Mein Blick engt sich ein, und ich fixiere mich ständig auf das, was mir fehlt und was ich unbedingt haben will. Wenn ich dann das Ersehnte nicht bekomme, dann werde ich frustriert und unzufrieden. Manchmal mache ich Gott dann schwere Vorwürfe, weil das Ersehnte aus bleibt.

Da ich seit zwei, drei Jahren keine Arbeit mehr habe, bestürmte ich Gott, dass er mir eine neue Arbeit geben solle. Eine Arbeit, die mir liegt. Ich war zuvor fast 20 Jahre in einem Beruf, der mir nicht lag, der mich nicht interessierte und der mich erschöpfte. Im August 2012 zog ich die Reißleine und kündigte im vollen Vertrauen auf Gott meinen Job. Ich setzte mein ganzes Vertrauen darauf, dass Gott für mich sorgen würde, wie es in der Bibel verheißen wird. Gott hat mich nicht enttäuscht. Ich habe bis heute noch nie Hunger gelitten oder Mangel gehabt, auch wenn ich mich finanziell nicht mehr so weit aus dem Fenster lehnen kann wie früher. Ich habe gelernt sparsam zu sein und nur noch Geld für das Nötigste auszugeben. Das ist ein weiterer Vorteil.

Trotzdem bestürmte ich Gott weiterhin im Gebet, dass er mir eine neue Arbeit geben solle. Ich betete um die richtige Arbeit, die sich natürlich auch finanziell gut auswirken sollte. Doch diese Gebete wurden nicht erhört. Scheinbar. Was ich nicht beachtete, war, dass Gott mir schon lange die richtige Arbeit für diese Zeit (!) gegeben hat. Im März 2013 eröffnete ich ein Internetforum, dass mir, bis auf ein paar negative Erfahrungen, viel Freude gebracht hat. Auch mein Blog baute ich weiter aus. Ich lernte, Texte zu verfassen und zu schreiben. Ich brachte mir selber die Rechtschreibung bei, die ich in der Schule nie verstanden hatte. Ich brachte mir selbst bei, Internetseiten aufzubauen und zu programmieren. Und im August 2013 schrieb ich mein erstes Buch. Seit meiner Kindheit träumte ich davon, ein eigenes Buch zu schreiben. Nie hatte ich diesen Traum verwirklichen können. Es mangelte immer an Fleiß und Ausdauer, die nötig sind, um so ein Projekt zu verwirklichen. Ohne es zu merken, erfüllte Gott mir den Wunsch nach der richtigen Arbeit. Jetzt bin ich auch verstärkt auf YouTube unterwegs und poste dort  Bibelsprüche und gute Texte, die auf Jesus Christus hinweisen. Ich habe bereits die richtige Arbeit, Gott versorgt mich mit dem Nötigsten und mein Leben ist nicht mehr so frustrierend wie in der Fabrik.

Wir Menschen sehnen uns immer nach mehr. Doch wir sollten auch einmal beachten, was wir bereits alles haben. Gott gibt gerne. Aber wir sehen oft nicht, was wir bereits von Ihm empfangen haben.
Es ist jedoch wichtig, dass wir erkennen, was wir haben und diese Dinge sorgfältig einsetzen und für Gottes Reich benutzen. Wenn wir das tun, dann brauchen wir nicht allzu viel. Vieles, was wir wollen, ist nur Luxus. Wir brauchen keinen Mercedes. Ein einfaches Auto fährt genauso. Wir brauchen keinen Urlaub auf der Dominikanischen Republik. Ein einfacher Spanien- oder Italienurlaub kann auch schon schön sein. Wir brauchen nicht den neusten PC. Wenn wir den billigen PC in seinem vollen Umfang nutzen, dann reicht das auch. Er hat mehr Funktionen, als wir je herausfinden können. Wir brauchen nicht jeden Tag ein 5 Sterne Menü. Ein Stück Hartwurst mit Brot und Essiggurken, können genauso zu einem Festmahl werden. Wenn wir lernen, die einfachen Dinge zu schätzen, dann werden wir zufrieden. Zufriedenheit ist nicht, alle unsere Wünsche erfüllt zu bekommen, sondern mit dem zufrieden zu sein, was wir haben.

Pred 6,9 Es ist besser, zu gebrauchen, was vor Augen ist, als nach anderm zu verlangen. Das ist auch eitel und Haschen nach Wind. (Luther 1984 Übersetzung)

Wenn wir mit den kleinen Dingen sorgfältig und genau umgehen, dann wird uns Gott auch an größere Dinge heranführen. Jeder fängt einmal klein an. Auch im Reich Gottes ist das so. Nicht jeder wird gleich ein gewaltiger Prediger einen Tag nach seiner Bekehrung. Er muss zuerst lernen, einfach biblische Wahrheiten zu erkennen und anzuwenden. In der Schule lernt man ja zuerst auch die grundlegenden Dinge, bevor man lernt, in das Detail zu gehen. Bevor man Texte schreiben kann, muss man zuerst einmal die Buchstaben kennen. Wer rechnen will, muss zuerst einmal die Zahlen lernen. Hat man dann das Grundwissen gelernt, dann werden die Herausforderungen immer größer. Mit den steigenden Jahrgängen lernt man, sich mit dem einfachen Grundwissen immer mehr und mehr zu erarbeiten. Alles wird dabei komplexer. So lernt der Christ zuerst einmal das Grundlegende, bevor er sich den mit immer größeren Aufgaben beschäftigen muss.

Lk 16,10 Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.

Fazit: Bevor wir Gott immer bedrängen, uns mehr zu geben, sollten wir einmal das gebrauchen, was wir haben. Wenn wir dann im Kleinen treu geblieben sind, dann werden nach und nach auch unsere Aufgaben größer werden. Wenn wir für das dankbar sind, was wir bereits haben, dann werden wir zufrieden sein und nicht immer mehr wollen.

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