Man versteht sich

555090_web_R_by_Dieter Schütz_pixelio.de
555090_web_R_by_Dieter Schütz_pixelio.de

Meine Oma sagte immer, wenn ein „Geistlicher“ im Radio oder Fernsehen kam: „Der hat aber schön gesprochen!“ Das stieß mir schon damals sauer auf. Eine „schöne“ Predigt ist etwas anderes als eine „geistliche“ Predigt. Manchmal kann man die Wahrheit einfach nicht „schön“ aussprechen. Manchmal ist die Wahrheit schmerzlich.

Das Reformationsjubiläum, das im Jahr 2017 stattfinden soll, ist momentan in aller Munde. Die EKD will dieses Fest gemeinsam mit der Römisch Katholischen Kirche feiern. Es werden viele Huldigungen und Komplimente gemacht. Gegenseitig. Es scheint schon fast so, als würden sich die „Würdenträger“ der EKD und der RKK gegenseitig schon fast eine Heirat eingehen wollen. Mir scheint es, als könnten sie kaum erwarten, miteinander ins Bett zu steigen (sinnbildlich). So buhlt normalerweise ein junger Mann um eine Frau, die er auf jeden Fall abschleppen will. Präses und Bischof verstehen sich eben.

Was bei den „schönen“ Reden wiederum nicht beachtet wird, ist wieder einmal die Wahrheit. Die Wahrheit, dass die Römisch Katholische Kirche unzählige Leben auf dem Gewissen hat. Man denkt nicht mehr an das finstere Mittelalter, in dem die Völker im Aberglauben und toter Religion versumpften, bis ein Luther kam. Ja, Luther hatte gewiss auch seine Fehler, aber er brachte die Bibel unter das Volk. Er focht große innere und äußere Konflikte mit sich selbst und seiner Kirche aus. Er wollte Rom reformieren, aber Rom ist gegen jede Reform immun. Auch der neue Papst, der Teil dieses Systems ist, wird das nicht ändern. So macht Rom zwar immer einen Schritt nach vorn, aber gleichzeitig auch wieder einen Schritt zurück und weist diejenigen, die mit Rom verhandeln, auf seine Totenreligion hin.

Dieses Erbe Luthers, was ausgefochten und ausgekämpft werden musste, wird heute verschleudert. Man erzählt sich gegenseitig Märchen darüber, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Irgendwie wird auch ausgeblendet, dass ein kostbares Gut ist, die Bibel in der eigenen Muttersprache lesen zu können. Das wurde Jahrhunderte lang dem einfachen Volk vorenthalten. Auch heute noch darf sich kein Katholik anmaßen, die Bibel selber auszulegen. Das darf nur der Klerus. Luther hat möglich gemacht, dass jeder die Bibel lesen konnte. Das haben die eingefleischten Katholiken bis heute nicht akzeptiert. Sie machen zwar eine freundliche Miene, haben aber immer noch nicht verdaut, dass Luther ihnen einen gewaltigen Stoß versetzt hat.

Für die Führung der EKD scheint das nicht mehr wichtig zu sein. Sie hat sich längst von der Wahrheit der Bibel abgewandt. Die liberale Theologie zeigt ihre faulen Früchte. Jahrzehnte lang wurde den „Theologen“ immer wieder mantra-artig eingebläut, dass dieses alte Buch fehlerhaft sei. Man könne doch in der heutigen Zeit nicht mehr an die Schöpfungsgeschichte glauben, man könne nicht glauben, dass Jesus Christus den Zorn Gottes getragen habe, und erst recht nicht, dass dieser Jesus irgendwann wiederkommen könnte. Die Römisch Katholische Kirche hat verboten, dass die Bibel selbst ausgelegt werden darf, und der Großteil der heutigen EKD legt sie so aus, als würde es sich um ein Märchenbuch handeln. Ich finde, die beiden passen doch gut zusammen. Oder?

Share Button

Related Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.