Mechanismen der Automatenspielsucht

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Vorwort

Ich sitze in der Kneipe. Der Wirt hat mir ein Bier gebracht. Daran nippe ich. Ich bin der erste Gast um diese Zeit. Es ist Nachmittag und ich habe Feierabend. Ich sitze auf einem Barhocker an der Theke. An der Theke sitze ich meistens. Neben der Theke, an der angrenzenden Wand stehen Spielautomaten. Sie sind noch ausgeschaltet. Der Wirt bemerkt, wie ich die Automaten anschaue. Wortlos geht er hin und drückt auf den Schalter der Sammelsteckdosen und plötzlich ist der Raum von elektrischem Piepen und einfachen Melodien erfüllt.
Eigentlich will ich nicht spielen. Aber mir ist langweilig. Ich bin der einzige Gast und habe daher niemanden zum Reden. Zwanzig Euro könnte ich doch setzen. Mehr nicht! Wenn ich nach zwanzig Euro etwas gewinne oder verliere, höre ich einfach auf. Ja, so werde ich es machen.
Aus meinem Geldbeutel fische ich einen Zwanziger heraus. Eigentlich kann ich mir das nicht leisten, denn ich bin diesen Monat, obwohl ich 1700 Euro verdiene, schon knapp bei Kasse. Es muss wohl am Spielen liegen, aber ich verdiene auch einfach zu wenig.
So schiebe ich den Zwanziger rein. Wenn ich gewinne, dann zahle ich eine Lokalrunde, wenn die anderen Arbeitskollegen kommen. Oder ich leiste mir mal wieder einen schönen Urlaub, falls ich über 3000 Euro gewinne. Das ist hier im Lokal schon vorgekommen. Nur habe ich selber noch nie soviel gewonnen. Mein Gewinn war hauptsächlich der Verlust des Geldes und die damit gewonnene Erfahrung mit dem Spielen aufhören zu müssen.
Die zwanzig Euro verschwinden im Automaten. Der Automat macht ein Geräusch, das ich nur zu gut kenne. Das Geld bucht rüber. Ich warte noch ein bisschen, bis der Automat 300 Punkte anzeigt, dann stelle ich den Einsatz auf 20 Punkte und drücke auf „Start“. Sofort füllen vertraute Geräusche den Raum. Gespannt verfolge die am elektrischen Bildschirm nachgeahmten Walzenbewegungen. Werde ich einen Scatter bekommen und die damit verbundenen Freispiele. Ich warte. Ich merke, wie ich in das Spiel versinke und eine angespannte Euphorie erfasst mich. Ab und zu gewinne ich kleinere Summen, aber der Scatter kommt nicht. Da! Plötzlich! Der Bildschirm zeigt drei virtuelle Ägyptische Augen an. Sofort kommt die vertraute Melodie. Ich habe 15 Freispiele gewonnen.

Eine dreiviertel Stunde später, bemerke ich, dass ich schon 60 Euro verspielt habe. Ich habe nicht mehr genug Geld für den ganzen Monat. Ich muss etwas gewinnen, damit ich den Monat über die Runden komme. Vor drei Tagen war ich auf der Bank und es waren nur noch 500 Euro drauf. Ich sage zum Wirt, er solle den Automaten für mich freihalten. Ich müsse schnell auf die Bank und etwas Geld holen. Der Wirt bestätigt mir, dass er achtgäbe, dass niemand an den Automaten gehen würde, während ich schnell weg wäre. Ich setze mich auf´s Fahrrad und fahre schnell zur Bank, die etwa 300 Meter entfernt ist. Es regnet. Ich muss schneller fahren, damit ich nicht allzu sehr nass werde. Ich betrete den Raum, in dem die Geldautomaten sind. Nachdem ich die EC-Karte reingesteckt habe und den Kontostand abfrage, stelle ich fest, dass viel weniger auf dem Konto ist, als noch vor drei Tagen. Irgend eine Buchung muss weggegangen sein. Wie soll ich diesen Monat nur über die Runden kommen. Ich werde noch 100 Euro abheben. Für alle Fälle. Irgendwann muss der Automat doch etwas ausspucken. 100 Euro in einem 50er Schein, vier Zehnern und zwei Fünfern kommen aus des Fach heraus. Ich muss sparen. Vielleicht werde ich jetzt erst einmal nur 20 Euro setzen und dann aufhören und gehen. Ja – So werde ich es machen!

In der Kneipe angekommen, steht der Automat immer noch so da, wie ich ihn verlassen habe. Es sind noch ein paar Punkte übrig, die ich stehen gelassen habe, damit niemand anfängt zu spielen. Ich schiebe nochmal 20 Euro in den Schlitz und das vertraute Gefühl der Euphorie und Spannung kommt wieder zurück. Was, wenn ich wieder verliere? Daran will ich jetzt nicht denken. Jetzt spiele ich gebe ich der Hoffnung hin, dass der Automat eine große Summe auszahlt.

Mittlerweile sind mehrere Arbeitskollegen gekommen und ich begrüße sie.

„Spielst du schon wieder?“, fragt mich ein älterer Kollege, mit dem ich immer gut klarkomme.
„Ja, leider.“, sage ich. „Ein bisschen Spielen schadet nicht!“

Es ist auch noch ein anderer Kollege gekommen, der sich den anderen Automaten gesichert hat. Auch er sitzt davor und spielt.

Vielleicht hätte ich lieber auch an diesem Automaten spielen sollen, denke ich. Er wird sicher etwas gewinnen, aber ich gewinne an meinem Automaten einfach nicht.

Ich bestelle noch ein Bier und nehme einen kräftigen Schluck. Mittlerweile macht mein Automat Pause. Ein Automat ist noch frei, aber mein Kollege bemerkt, dass ich auf den Automaten schaue und steckt schon zwanzig Euro rein. Er spielt jetzt auf zwei Automaten.

Ich muss warten, bis die Pause vorbei ist. Daher nehme ich wieder einen kräftigen Schluck aus meinem Bier.

„Halte mir bitte diesen Automaten frei.“, sage ich zu meinem Arbeitskollegen.

„Ja, das mache ich.“, sagt er, als würde er mich nicht beachten, während er in das Spiel vertieft ist.

Ich setze mich zu den anderen, die unten am Stammtisch Platz genommen haben und fühle mich schrecklich. Wie soll ich nur diesen Monat über die Runden kommen. Ich habe schon so viel verspielt. Sorgen und Panik machen sich breit. Dem lustigen Gespräch kann ich nicht richtig folgen. Immer wieder driften meine Gedanken ab und drehen sich nur noch ums Geld. Immerhin habe ich noch 70 Euro in der Tasche. Heute reicht es noch und ich kann vielleicht noch einmal 20 Euro setzen.

Langsam beteilige ich mich am Gespräch der anderen, während mein anderer Kollege, der am Automaten sitzt, plötzlich laut aufschreit. Er hat den Automaten auf 140 Euro hinauf gedrückt und der Automat belohnt ihn mit einem Feuerwerk an Lichtern und Tönen.

Das könnte ich auch gut gebrauchen. Wenn ich 140 Euro gewinnen würde, dann hätte ich meinen Verlust wieder wettgemacht und hätte noch zusätzlich etwas Geld, um den Deckel, die Schulden, beim Wirt zu bezahlen.

„Wie viel hast du wieder verloren?“, fragt mich ein Kollege grinsend.

„Nicht viel, nur 40 Euro.“, sage ich.

„Hör doch auf mit diesem Unsinn.“, weist er mich zurecht.

„Irgendeinen Spaß im Leben braucht man.“, antworte ich. „Wenn einem die Arbeit keinen Spaß macht und man nur noch zu funktionieren hat, dann braucht man einen Ausgleich.“

Sofort sind alle beim Thema Arbeit und es wird über Vorgesetzte geschimpft und über Kollegen, die sich falsch gegenüber den anderen verhalten haben. Ich bin froh, dass das Thema Spielen damit vom Tisch ist. Ich stehe vom Stammtisch auf und setze mich wieder an den Automaten. 20 Euro werde ich setzen und dann höre ich auf und setze mich wieder an den Tisch, an dem meine Kollegen sitzen. Der andere Kollege am Automaten hat den Einsatz auf einen Euro erhöht und ist jetzt auf einem Guthaben von 70 Euro. Er hat als schon über 70 Euro verspielt. Irgendwie tut es mir leid, aber irgendwie bin ich auch froh, dass er auch mit leeren Taschen nach Hause gehen wird.

Ich setze nochmal 20 Euro und spiele. Wieder kommt ein Scatter in Form von 15 Freispielen, doch ich gewinne nur vier Euro. Ich will unbedingt gewinnen, darum setze ich den Einsatz auf 40 Punkte (Cent) hoch. Das Geld wird schnell abgebucht und es sind nur noch sechs Euro übrig. Ich setze den Einsatz noch einmal auf 20 Cent herunter, aber gewinne auch nichts. Aus den Augenwinkeln nehme ich wahr, wie mein Kollege in seinen Automaten wieder einen Zwanziger hinein schiebt. Er hat also von 140 Euro auf Null herunter gespielt. Meine sechs Euro sind mittlerweile auch im Daten – Nirwana verschwunden. Frustriert stehe ich auf, setze mich wieder hinunter zu den Kollegen und bestelle noch ein Bier, das der Wirt mir freundlich bringt. So vergeht ungefähr eine Stunde. Es wird erzählt, gelacht und noch ein Bier bestellt. Immer wieder wandert mein Blick zu den Automaten hoch, doch nach und nach kann ich mich davon lösen. Das Bier macht mich locker und ich vergesse die Gedanken, dass ich diesen Monat wieder meine Mutter oder einen Arbeitskollegen um Geld anpumpen muss. Das Geld wird zwar noch eine Weile reichen, aber zehn Tage vor dem nächsten Lohn wird das Geld höchstwahrscheinlich alle sein.

Die Kollegen stehen auf gehen. Auch der Kollege, der am Automaten gesessen hat, geht. Ich will noch nicht nach Hause. Zuhause erwartet mich niemand und ich bin ganz allein. Ich werde noch in der Kneipe warten. Vielleicht kommen noch ein paar andere. Ich setze mich wieder an die Theke und mir ist langweilig. Der Wirt ist heute nicht gesprächig. Ich werde noch einen Zwanziger setzen.

Nach einer halben Stunde kommen noch ein paar andere Gäste. Ich bin schon betrunken und habe mein ganzes Geld verspielt. Ich frage den Wirt, ob ich noch aufschreiben lassen kann. Er stimmt zu, unter der Bedingung, dass ich das Geld morgen mitbringe. Wie soll ich das machen? Ich stimme ihm zu und er stellt mir noch ein Bier hin. Ein freundlicher Mann einfach.

Jetzt gehe ich nicht mehr auf die Bank um Geld zu holen. Ich unterhalte mich mit den anderen Bekannten und das Spielen ist vergessen. Der Alkohol betäubt mein schlechtes Gewissen und meine Sorgen. So vergeht der Abend, bis ich bei strömenden Regen mit dem Fahrrad nach Hause komme.

Ein Auto habe ich schon lange nicht mehr. Und auch kein Geld dazu, mir gute Regenkleidung für das Fahrrad zuzulegen. Ich verdiene bei meiner Arbeit, die mir sowieso keinen Spaß macht, einfach zu wenig. Seit Jahren habe ich keine Lohnerhöhung bekommen. Das Geld, das ich im Monat brauche, ist einfach zu viel. Im Bett kommt mir der Gedanke, dass ich heute wieder viel Geld verspielt habe. Mehr, als ich eigentlich ausgeben wollte. Ich will eigentlich nicht mehr leben. Wie soll ich nur diesen Monat überleben. Ich kann auch nicht schon wieder meine Mutter um Geld anbetteln. Ich schäme mich, dass ich es trotzdem tun muss. So schlafe ich langsam ein.

Am nächsten Tag nach der Arbeit gehe ich wieder in die Kneipe. Und das Spiel geht von vorne los…

Die Meisten steigen langsam ein

In meiner Jugend gab es auch schon Spielautomaten in den Kneipen. Allerdings waren dies Geräte, die noch mechanisch und mit echten Walzen betrieben wurden. Schon als Jugendlicher staunte ich, dass es Leute gab, die stundenlang vor diesen Geräten saßen. Mir war schon als Kind klar geworden, dass an diesen Automaten nichts Gutes ist. Ich wusste als Kind und Jugendlicher instinktiv, dass man nicht gewinnen konnte. So beobachtete ich die Spieler immer kritisch und hatte auf der einen Seite Mitleid mit ihnen. Auf der anderen Seite verachtete ich sie.

Auch beim Kartenspielen, wenn wir um Geld spielten, verlor ich oft, weil ich einfach kein guter Kartenspieler war. Ich konnte mir die Karten nicht merken und machte oft Fehler, die mich um mein Geld brachten. Aber diese Verluste waren zu verkraften.

Mein Vater war ein guter Kartenspieler. Er zählte die Karten mit und kannte alle Tricks und Strategien, die man beim Spielen brauchte. Davon hatte ich leider nichts geerbt. Darum spielte ich nicht regelmäßig und mir machte es auch nicht sonderlich viel Spaß.

Während meiner ganzen Jugend hatte ich mich also nie für Spielautomaten interessiert und vielleicht mal hin und wieder zwei Mark hineingeworfen, weil ich wissen wollte, wie so ein Automat funktioniert. Das hatte mich aber nicht gefesselt oder fasziniert. Es gab andere Dinge, wie z. B. Mädchen. Diese faszinierten mich mehr als alles andere.

Als ich dann von zu Hause ausgezogen war, zog ich in eine naheliegende Stadt.

(Diese Geschichte habe ich ausführlicher in meinem Buch: „Geisteskrank – Im Labyrinth des Wahnsinns“ beschrieben. Denn neben der Spielsucht litt ich noch an paranoider Schizophrenie. Darum geht es in diesem Buch jedoch nicht. Es soll hier nur die Spielsucht geschildert werden.)

In dieser Stadt wurde ich auf das Internet aufmerksam. Das Internet war noch nicht so stark präsent wie heute. Nach der Jahrtausendwende hatte noch nicht jeder einen Internetanschluss bei sich zu Hause und man ging daher in Internetcafés oder in Lokale, die Internet anboten.

Bald hatte ich eine Email-Adresse und surfte im Internet in verschiedenen Foren und auf verschiedenen Seiten herum. Das Angebot an verschiedenen Seiten und Portalen war damals zwar schon groß, aber noch verhältnismäßig gering zum heutigen Angebot.

Manchmal ging ich, wenn ich ins Internet wollte, auch in verschiedene Spielotheken, denn diese hatten meistens die neuesten Computer und die schnellsten Anschlüsse. Auch während dieser Sitzungen kam ich eigentlich nie auf die Idee, mich selbst an den Automaten zu setzen und Geld in ihn hineinzuwerfen. Glücksspiel interessierte mich nicht.

Durch einen Zufall lernte ich eine junge Frau kennen, die ebenfalls in einer Spielothek arbeitete. So besuchte ich öfter diese Spielothek, um im Internet zu surfen und mich an der Theke mit ihr zu unterhalten. Jetzt war ich häufiger in der Spielothek anzutreffen, weil ich in der Stadt sonst nicht viele Bekannte hatte.

Über die Monate lernte ich mehrere Spieler und Servicekräfte kennen und ich bemerkte des Öfteren, wie Spieler an die Theke kamen, um sich Geld auszahlen zu lassen. So begann ich nach und nach immer wieder Geld in die Automaten einzuwerfen. Doch es war meistens nicht viel und ich wandte mich danach wieder dem Internet zu oder redete an der Theke mit meinen Bekannten.

Da ich in der Stadt nicht viele Bekannte hatte, ging ich immer wieder in die Spielothek, weil ich mich mit jemanden unterhalten wollte. Wenn man total fremd ist und niemanden zum Reden hat, dann ist man froh über jede Person, mit der man sich unterhalten kann. (Auch wenn es eine Servicekraft oder Bedienung ist.) Die Einsamkeit war letztendlich der Einstieg in die Spielsucht. Doch der Prozess war schleichend. Keiner wird von heute auf morgen ein Spieler. Der Prozess, der zum Suchtverhalten führt, dauert zwar beim Einen länger als beim Anderen, doch ist er meistens schleichend, so dass man nicht erkennt, dass man langsam die Kontrolle verliert.

Eines Tages kam dann eine neue Automatengeneration in die Spielhallen und Kneipen. Diese Automaten waren technisch aufgemotzter und man konnte mit ihnen mehr gewinnen, als mit den alten Walzen – Automaten.

Diese neuen Automaten versprachen mehr Spielvergnügen. Man konnte den Einsatz höher stellen und die Auszahlungen waren höher als bei den alten Geräten. Man hatte viele Zusatzfeatures und konnte pro Umdrehung ein kleines Vermögen verdienen.

Ich hatte zwar an den Walzen – Automaten ab und zu gespielt, aber an den Neuen spielte ich nun häufiger. Das Spielen machte mehr Spaß und ich merkte, wie mein Körper Endorphine und Hormone ausschüttete, wenn ich Geld gewann. Ich gewann des Öfteren Geld, aber ich spielte nun auch häufiger. Dazu drückte ich nun auch häufiger die Risikotaste um höhere und bessere Chancen auf richtige Geldgewinne zu haben. Und manchmal ging ich auch mit 100 Euro aus der Spielothek. Manchmal gewann ich auch 300 Euro. Dies war zwar seltener, aber kam trotzdem auch vor.

Mit der Zeit wurden auch meine Einsätze immer höher. Ich nahm mehr Geld mit, wenn ich aus dem Haus ging. Die Gespräche und die Besuche im Internet, die ich sonst immer in der Spielothek gehabt hatte, wurden weniger und ich konzentrierte mich häufiger auf´s Spielen. Aber ich hatte immer noch meistens die Kontrolle und konnte aufhören.

Doch nach und nach fesselte mich das Spielen immer mehr. Es war ein schleichender Prozess, den ich zuerst nicht bemerkte. Die eingesetzten Summen und die Gewinne wurden höher, aber auch die Verluste. So ging ich an manchen Tagen verzweifelt nach Hause, weil ich wieder Geld verspielt hatte.

Nachdem ich langsam aber sicher ein richtiger Spieler wurde, kam wiederum eine neue Automatengeneration auf den Markt. Die „Novoline“- Automaten und die „Merkur“ – Automaten.
Diese hatten ein noch höheres Suchtpotential. Der Prozess des Süchtigwerdens nach dem Spielen war abgeschlossen. Ich war jetzt häufig in den Spielotheken und spielte auch, wenn ich in einer Kneipe war. Damit begann das, was jeder süchtige Spieler kennt: Das Verlieren der Kontrolle über das Spielverhalten.

Ich konnte jetzt nicht mehr zum Spaß spielen, sondern das Spielen wurde ernst und ich wollte Geld gewinnen. Auch wollte ich die Verluste mit einem hohen Gewinn wieder rückgängig machen, doch das geschah nie. Zwar gewann ich ein paar Mal beträchtliche Summen, doch das gewonnen Geld verspielte ich wieder. So nahm ich auch Kredite auf und überzog mein Konto, bis der Rahmen zur Überziehung des Kontos ausgeschöpft war. Nun lieh ich mir auch regelmäßig Geld von meiner Mutter, das ich nie zurückzahlen konnte. Auch meine Arbeitskollegen pumpte ich häufig an. Dies musste ich jedoch wieder zurückzahlen. So drehte sich mein Leben hauptsächlich um´s Gewinnen und Verlieren. Das Verlieren überwog jedoch.

Durch die neuen Automatengenerationen war ich spielsüchtig geworden und verlor zunehmend an Lebensfreude. Alles drehte sich nur noch um´s Geld. Ich spielte mit hohen Beträgen. Manchmal eine ganze Nacht, wenn ich am Wochenende frei hatte. Damit waren Frustration, Selbstmordgedanken und eine gewaltige Verzweiflung verbunden.
Früher war ich ein freigiebiger Mensch gewesen, doch jetzt knauserte ich mit jedem Cent. Ich wurde habgierig und log meine Mutter an, wenn ich Geld brauchte.

Mit dem regelmäßigen Spielen geht einher, dass man einen schlechten Charakter bekommt und andere manipuliert und betrügt, um an Geld zu kommen.

Früher hatte ich Obdachlosen und Bekannten des Öfteren etwas spendiert. Doch das wurde weniger. Ich wollte nur noch haben, haben, haben.

Meine Hobbys wurden weniger. Früher war ich manchmal in die Sauna gegangen oder hatte im Internet etwas veröffentlicht. Ich war viel unterwegs gewesen und war in fremde Gegenden oder Städte gefahren. Ich war viel in der Natur gewesen. Jetzt verbrachte ich die meiste Zeit unter dem künstlichen Licht der Spielhallen und verlor und verlor. Alles drehte sich nur noch darum, einmal den richtig fetten Gewinn abzusahnen. Doch dieser Gewinn kam nie.
Spielmechanismen

Es gibt Süchte, die an Stoffe gebunden sind, wie z. B. Alkoholsucht, Drogensucht oder andere synthetische Substanzen. Ein Automatenspieler ist auch nach einer chemischen Substanz süchtig: Nach seinen Endorphinen und nach Geld.

In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Spielotheken mindestens verdoppelt. Spielhallen schießen wie Pilze aus dem Boden. Nachdem die Gesetze gelockert worden waren, war man in der Lage, den Spielern noch höhere Gewinne und noch mehr Spielspaß zu bieten. Durch die neuen Automatengenerationen, die nicht mehr so berechenbar waren wie die alten, stieg das Suchtpotential für Spieler gewaltig an. Die Statistiken, die meist von den Automatenherstellern und Spielhallenbetreibern aufgestellt werden, sind nachträglich geschönt worden. Sie zeigen angeblich auf, dass nur ein kleiner Teil der Gäste süchtig sei. Doch wenn man selber spielt und weiß, dass man süchtig ist, dann erkennt man: Der größte Teil der Gäste ist immer wieder da und hat die Kontrolle über das Spielverhalten verloren. Wenn man in den Spielstätten unterwegs ist, erkennt man, dass die selben Leute immer wieder und wieder kommen.

In unserer Zeit ist das Spielen um Geld und die damit verbundenen Nachteile zu einem gewaltigen Problem geworden. Ich konnte immer wieder erkennen, wie Menschen daran zu Grunde gegangen sind. Sie verschuldeten sich teilweise auf der Bank. Teilweise hatten sie Schulden bei Verwandten und Freunden, wie ich auch, und arbeiteten, wenn sie arbeiteten, für die Spielothekenbesitzer. Manche, die ich kennenlernte, hatten ihr eigenes Geschäft verloren und auch ihren Job und die Unterstützung der Angehörigen. Ihr ganzes Leben drehte sich nur noch um die blinkenden, bunten Bilder, Zahlen und Symbole auf dem Bildschirm. Sobald sie Geld zur Verfügung hatten, brachten sie es in die Spielstätten, wo sie es verloren.

Man kann beim Spielen nicht gewinnen. Dies ist eine Wahrheit, die der Spielsüchtige nicht glaubt. Er rechnet irgendwo, irgendwann mit einem hohen Gewinn. Es kann schon sein, dass er mal etwas gewinnt. Auch hohe Beträge sind möglich. Aber wenn er spielsüchtig ist, dann kann er auch damit nicht aufhören und wird sein gewonnenes Geld wieder in den Automaten stecken. Das ist das Fatale.

Die Spielautomaten sind so aufgebaut, dass sie mit der Gier locken. Die Gier ist eigentlich der Hauptantrieb des Spielsüchtigen. Nebenher ist er noch süchtig nach den Glücksgefühlen, die sich beim Gewinnen einstellen. Das Suchtmittel dafür ist das Geld. Gier, Endorphine und Geld – eine ungesunde Mischung.

Während des Spielens sind die meisten euphorisch. Je nachdem wie man gewinnt oder verliert, wir man zu zwei verschiedenen Ergebnissen kommen. Wenn man gewinnt, dann ist man meistens happy und sorgt meistens dafür, dass man nicht alles sofort wieder verliert. Viele können hier aufhören. Aber es gibt auch Spieler, die nie genug bekommen, solange bis sie den gesamten Gewinn wieder verspielt haben. Diejenigen, die jedoch rechtzeitig aufgehört haben, gehen bald wieder in die Spielothek, weil sie wieder gewinnen wollen und glauben, dass die Glückssträhne weitergeht.
Diejenigen, die verloren haben, fallen meistens in ein tiefes Loch. Nach dem Spielen und Verlieren hat man einen seelischen Kater. Viele bekommen Selbstmordgedanken und spüren eine gewaltige Verzweiflung. Meistens folgt, wenn man viel verloren hat, eine Pause. Man nimmt sich vor, nicht mehr zu spielen und hofft, dass man wieder auf die Beine kommt. Andererseits kann es auch sein, dass man sein Geld unbedingt zurückgewinnen will und bei der nächsten Gelegenheit sofort wieder weiterspielt.

Jeder Spieler stellt sich in Gedanken vor, wie es wäre, viel Geld zu gewinnen. Dann könnte er sich alle Träume erfüllen. Er könnte einen langersehnten Urlaub genießen oder könnte sich das neue Auto kaufen. Spieler haben viel Phantasie. „Wenn ich gewinne, dann…“, denkt er sich häufig. Dabei lebt er dann in seiner Traumwelt. Die Realität sieht jedoch grausam aus. Schulden, Sorgen, zerstörte Beziehungen und Frustration kennzeichnen seinen Weg.

Die Gewinner sind immer die Spielothekenbesitzer und Automatenhersteller, wie auch der Staat, der mit allen unter einer Decke steckt. Diejenigen, die die Automaten leermachen und denen diese gehören, sind die eigentlichen Gewinner. Sie machen ihr Geld damit, indem sie andere Menschen süchtig machen und sie total ruinieren. Es gibt viele Spielhallenketten und zu Deutschlands reichsten Männern gehören die Automatenhersteller. Der Staat greift etwas ab und die Abgeordneten und Parteien werden von den Automatenherstellern geschmiert. Es ist ein dreckiges Geschäft. Wer dabei auf der Strecke bleibt, ist in den den Augen der Gewinner selbst Schuld. Nicht umsonst reden sie so abwertend über die Spielsüchtigen, die ihnen den Reichtum finanzieren.

Das Versprechen vom leichten Gewinn, ohne dass man etwas dafür tun muss, hat schon viele Spielsüchtige in den finanziellen, seelischen und körperlichen Ruin getrieben.

Die Bibel beschreibt das Spielverhalten treffend in dem Satz:

Spr 13,11 Was man mühelos gewinnt, das zerrinnt; was man aber mit der Hand sammelt, das mehrt sich.

Mühelos gewonnener Gewinn wird sich schnell verflüchtigen. Denn man weiß den Gewinn nicht zu schätzen. Stattdessen jongliert der Spieler mit immer größeren Beträgen, weil er das Bewusstsein für den Wert des Geldes verloren hat. Für ihn sind 100 Euro kein hoher Betrag. Wer jedoch sparsam ist, für den sind 100 Euro eine Menge Geld. Auch hart arbeitende Menschen verlieren viel Geld, wenn sie spielsüchtig sind. Wer aber mit Mühe sammelt, dem bleibt der Gewinn. So beschreibt es die Bibel.

Der Apostel Paulus redete außerdem auch von Menschen, die schnell reich werden wollen. Er führte das folgendermaßen aus:

1. Tim 6,9 Denn die, welche reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke und viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen in Untergang und Verderben stürzen.
10 Denn die Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen; etliche, die sich ihr hingegeben haben, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst viel Schmerzen verursacht.

Wer schnell reich werden will, der muss nicht nur seine Gier ertragen, er wird sich auch selbst viel Schmerzen machen. Jeder Spieler, der ehrlich zu sich selbst ist, wird dies bestätigen.

Wieso ist dieses Thema gerade in der Endzeit so aktuell? Weil wir eine Steigerung der Sünden, die schon immer da waren, erwarten dürfen. Die Bibel sagt:

2Tim 3,2 Denn die Menschen werden sich selbst lieben, geldgierig sein, [Hervorhebung von mir.] prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig,

Geldgier ist „eine Wurzel alles Bösen“ und die Menschen der Endzeit trachten vermehrt danach, viel Geld zu haben. Dabei ist Reichtum trügerisch. Man kann sich keine Gesundheit oder kein schönes Leben davon kaufen. Andere Faktoren sind hier ausschlaggebend. Viel Geld zu haben, kann nicht vor Krankheiten, Schicksalsschlägen und auch nicht vor psychischen Krankheiten schützen. Man kann viel Geld haben und trotzdem kann jeder Tag grau sein. Wer viel Geld hat, will seinen Reichtum bewahren und er verwendet seine hauptsächliche Energie darauf, dass sein Vermögen erhalten bleibt. Er verliert die Beziehungen, die wirklich wichtig im Leben sind, aus den Augen und schaut nur noch auf Gewinne oder Verluste. Wer viel Geld hat, der arbeitet meist nur für das Geld und nicht für sein Wohlergehen. Er kreist ständig um das, was er noch dazubekommen könnte und weniger darum, wem er damit helfen könnte. So gesehen sind auch die Spielautomatenhersteller und die Spielhallenbetreiber nur arme Schweine. Genauso wie die Spieler dreht sich bei ihnen alles nur um´s Geld. In der Endzeit wird dies immer mehr zunehmen.

Jesus Christus hat mich von der Spielsucht befreit. Es war nicht leicht, aber ich bin dankbar für sein Eingreifen. Ich habe zu Jesus um Befreiung von der Spielsucht gebetet und er hat mich erhört. Wenn Du Probleme damit hast, dann wende Dich an Ihn. Und wenn Du jemanden kennst, der darin verstrickt ist, dann bete für ihn. Nicht jeder braucht eine Therapie. Manche wurden einfach dadurch von der Spielsucht frei, indem sie ihr Leben schlagartig änderten und sich bewusst wurden, dass Spielen nur Ärger und nicht den ersehnten Gewinn bringt.

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