Meine Erfahrungen in der kath. Kirche

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Als ich ein Säugling war, wollte mich der Pfarrer unseres Ortes nicht taufen, da ich als uneheliches Kind (Bastard) auf die Welt kam. Erst durch viel Zureden meines Vaters, der den Pfarrer zum Weintrinken einlud und ihn quasi damit bestach, wurde ich schließlich doch auf den Namen „Thomas der Ungläubige“ getauft. Aufgrund meiner religiösen Oma und der damals allgemeinen Sitte mußte ich fast jeden Sonntag mit meinen Eltern, hauptsächlich mit meiner Mutter, in die Kirche gehen. Als ich dann in die Schule kam, wurden wir vom Pfarrer in Religion unterrichtet und hatten wöchentlich einen Gottesdienst für Schüler zu besuchen. Die „heilige Messe“ mit ihrem festgeschriebenen Ritual, der Liturgie, war für mich eine öde Prozedur die mir erst dann Erlösung bot, wenn das Schlußlied angestimmt wurde, weil man dann rausgehen konnte. Ich stellte mir vor, dass es Gott gefallen würde, wenn man selber leiden mußte und ihn durch dieses Opfer (Ertragen der Eintönigkeit der Messe oder eines Rosenkranzes) gnädig stimmte.

Allgemein wurde in der Kirche und auch im Religionsunterricht immer wieder vermittelt, dass es Gott gefallen würde, wenn man litt und wenn man viel Geld spenden würde. Die Theologie des Pfarrers war ganz einfach:

„Du hast im Leben gute Taten und schlechte Taten getan. Wenn Deine guten Taten mehr als die schlechten sind, dann kommst Du in den Himmel!“ (Daneben sollte noch erklärt werden, dass es den Pfarrer zu freuen schien, wenn er uns Kindern regelmäßig an den Haaren ziehen konnte, was er auch tat.)

Als ich dann in den Gottesdiensten Auszüge aus dem Evangelium hörte, begann ich zu resignieren. (Man muß dazu sagen, dass in der RKK niemals die ganze Bibel durchgenommen wird, sondern immer nur ausgewählte Texte.)

Ein beliebter Text ist der Text des reichen Jünglings (auch reicher Oberster genannt.) Jesus forderte in diesem Text den jungen Mann auf, sein Vermögen den Armen zu geben und ihm nachzufolgen. Das forderte er von nur von ihm und es war eine ganz spezielle Situation. Doch in der Kirche wurde es bewußt oder unbewußt so ausgelegt, dass nur der in den Himmel kommen würde, der sein ganzes Vermögen hergeben würde. So wollte ich Jesus dann gefallen, indem ich in der Kirche regelmäßig spendete, was ich auch tat. Doch es schreckte mich ab, alles zu geben.

Im Religionsunterricht wurde auch viel von den Heiligen gesprochen. Heilige, dass waren für mich Menschen, die nur gute Taten getan hatten, alles für Gott geopfert hatten und schwer gelitten haben und total perfekte Menschen waren. Eigentlich wollte ich auch ein Heiliger sein, doch ich wußte, dass ich diesen Maßstab nie erreichen konnte. Egal wie sehr ich mich anstrengte, ich wußte instinktiv, dass ich niemals vor Gott gerecht werden könnte, wenn ich beobachtete wie Jesus gelebt hatte.

Zu dieser Zeit sah ich mir auch gerne Bibelfilme an, die an Ostern und Weihnachten im Fernsehen kamen und war fasziniert von diesen Geschichten. Nach der Kommunion wurde ich dann Ministrant – das war für mich eine heilige Aufgabe. Weil ich von kindauf wußte, dass bei der Wandlung (Transubstantiation) etwas zutiefst mystisches und heiliges geschehen mußte, stellte ich mich etwas ungeschickt an, als ich dem Pfarrer Wasser und Wein in den Kelch goß. Das bewirkte bei ihm Spott mir gegenüber und er machte mich vor den anderen Ministranten lächerlich.

Als ich dann zur Beichte zugelassen wurde, fielen mir oft keine Sünden ein, die ich zu beichten gehabt hätte, und so erfand ich welche. Ich wollte mit diesen Dingen eigentlich nur erreichen, von Gott angenommen zu werden. Doch das Resultat war immer das gleiche: Ich wußte, so wie ich war, konnte ich nie vor Gott bestehen. Da ich das nicht konnte, resignierte ich völlig und als ich in die Pubertät kam, sagte ich mich von Gott los und wollte nur noch das Leben genießen. Was mir blieb (auch ein Resultat aus meiner Erziehung und dem Elternhaus) war, dass in mir unbewußt die Gedanken vorhanden waren eines Tages in die Hölle zu kommen. Niemand hatte mir gesagt, dass Jesus für Sünder gekommen ist und nicht für perfekte Menschen. Jahre später kam ich durch Menschen, die sich Christen nennen, noch einmal in das Fahrwasser der Gesetzlichkeit. Etwas entspannt wurde ich erst, als ich erkannte, dass Jesus für Sünder gekommen ist und dass er von einem nichts verlangt, wozu er nicht selber die Kraft gibt:

Lk 5,32 Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.

Joh 15,5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

Jesus weiß um unsere Schwachheit und unser Unvermögen „gut“ zu sein und weiß, dass wir aus uns selbst Gott nicht gefallen können, darum ist er gekommen. Er kam nicht, um uns eine zusätzliche Last aufzulegen.
Aufgrund dessen, was ich in meiner Kindheit Schlimmes im Elternhaus erlebte und auch aufgrund meiner Erfahrungen in der katholischen Kirche habe ich immer noch Probleme Gott vollständig zu vertrauen. Ein bißchen Misstrauen ist noch da. Von der katholischen Kirche bin ich ausgetreten, sie bietet keine Erlösung und keinen Weg zum Heil, auch wenn man sich noch so anstrengt. Erst später fand ich heraus, dass Martin Luther die gleiche Erfahrung gemacht hat:

http://www.luther.de/

Dazu muß noch gesagt werden, dass die Priester die uns unterrichteten, mehr Furcht und Schrecken verbreitet haben (verbal und auch handgreiflich), als Atheisten.

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