Menschenfurcht

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Spr 29,25 Menschenfurcht ist ein Fallstrick; wer aber auf den Herrn vertraut, der ist geborgen.

Wer bleibt davon verschont? Wer hat sich noch nie vor anderen Menschen gefürchtet?

Wenn ein Mensch auf die Welt kommt, dann ist er zuerst voll und ganz von der Fürsorge seiner Eltern abhängig. Ein Säugling kann sich nur durch Schreien bemerkbar machen. Wenn der Magen drückt, schreit er. Wenn er Angst hat, schreit er und wenn er Hunger hat ebenso. Dadurch lernt der Säugling seiner Mutter und später auch seinem Vater zu vertrauen. Ein kleines Kind ist oft noch so unschuldig, dass es jedem Menschen vorbehaltlos vertraut. Darum warnen es ja auch die Eltern davor, mit fremden Menschen mitzugehen und keine Geschenke von Fremden, die vielleicht üble Absichten haben, anzunehmen. Je älter man wird, umso mehr wird das kindliche Vertrauen gestört. In der Schule wird man vielleicht gehänselt oder gar gemobbt. Sogar Freunde, die man hat, enttäuschen einen. Vielleicht wir man sogar Opfer von einer Verleumdungskampagne oder ist echter körperlicher Gewalt ausgesetzt. Vielleicht haben auch schon früher die Eltern versagt, so dass das kindliche Vertrauen in die Brüche ging. Mit steigendem Alter stellt man fest, dass man nicht jedem Menschen vertrauen kann und dass es sogar gefährlich ist, sich mit bestimmten Menschen einzulassen. Wer Opfer von seelischer und körperlicher Gewalt wurde, lernt auch, ob er will oder nicht, sich vor anderen Menschen in Acht zu nehmen, ja zu fürchten. So bildet sich nach und nach eine Grundlage für die Furcht vor Menschen. Mancher ist vielleicht stärker davon betroffen, mancher weniger. Doch ich vermute das fast jeder Mensch damit zu kämpfen hat auf die ein oder andere Weise. Also passt man sich an, will auf keinen Fall irgendwo anecken und versucht in der Gesellschaft einen anerkannten Platz zu finden, damit man Kritik, üble Nachrede und sogar tätliche Angriffe von seinen Mitmenschen vermeiden kann. Man lernt die anderen Menschen zu fürchten. Die Bibel nennt das Menschenfurcht.

Der gläubige Mensch dagegen, soll in erster Linie Gott fürchten (Pred 12,13). Gott hat alle Menschen gemacht und er ist der Herrscher über den Kosmos. Für ihn gilt kein Ansehen der Person (Röm 2,11). Er unterscheidet nicht zwischen mächtig, reich, angesehen oder arm und elend. Für ihn ist jeder Mensch wie eine Blume, die kurz blüht und dann verwelkt (Ps 103,15-16). Daher verlangt Gott, dass wir ihn fürchten, denn er hat Macht uns zu verdammen oder auch zu helfen. Jesus Christus setzte die Priorität fest, wen wir zuerst fürchten sollen:

Mt 10,28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle!

Wir sollen zuerst Gott fürchten, denn er wird das letzte Urteil über unser Leben fällen und nicht die anderen Menschen, die zwar unseren Körper töten können, aber nicht unser geistliches Leben, das über den Tod hinausgeht. Wenn wir Gott fürchten, dann können wir zwar von anderen Menschen abgelehnt, verlacht, verleumdet oder verfolgt werden, aber wir können nicht verdammt werden, und Gott wird sich immer auf unsere Seite stellen, wenn wir mit ihm in Ordnung sind.

Die Furcht vor Menschen jedoch, kann uns erst recht in die Gefahr bringen, genau an den Punkt zu kommen, den wir eigentlich vermeiden wollten. Nämlich, wenn wir uns von ihr bestimmen lassen. Ein Beispiel, wohin Menschenfurcht führen kann, sehen wir am Beispiel Abrahams. Abraham wurde von Gott berufen, der Vater einer Nation und zuletzt aller Gläubigen zu werden. Er musste sein Heimatland verlassen und in das Land gehen, welches Gott für ihn bestimmt hatte. Doch als er nach langer Wanderschaft in dem Land lebte, kam dort eine Hungersnot auf. Abraham – damals hieß er noch Abram – sah sich gezwungen, von Kanaan nach Ägypten zu gehen. Hierbei lesen wir folgende Begebenheit:

1Mo12,10 Da aber eine Hungersnot im Land herrschte, zog Abram nach Ägypten hinab, um sich dort aufzuhalten; denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land. 11 Und es geschah, als er sich Ägypten näherte, da sprach er zu seiner Frau Sarai: Sieh doch, ich weiß, daß du eine Frau von schöner Gestalt bist. 12 Wenn dich nun die Ägypter sehen, so werden sie sagen: Das ist seine Frau! Und sie werden mich töten und dich leben lassen. 13 So sage doch, du seist meine Schwester, damit es mir um deinetwillen gut geht, und meine Seele am Leben bleibt um deinetwillen! 14 Und es geschah, als Abram nach Ägypten kam, da sahen die Ägypter, daß die Frau sehr schön war. 15 Und als die Fürsten des Pharao sie sahen, priesen sie sie vor dem Pharao. Da wurde die Frau in das Haus des Pharao gebracht. 16 Und es ging Abram gut um ihretwillen; und er bekam Schafe, Rinder und Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamele. 17 Aber der Herr schlug den Pharao und sein Haus mit großen Plagen um Sarais, der Frau Abrams, willen. 18 Da rief der Pharao den Abram und sprach: Was hast du mir da angetan! Warum hast du mir nicht mitgeteilt, daß sie deine Frau ist? 19 Warum hast du gesagt: »Sie ist meine Schwester«, so daß ich sie mir zur Frau nehmen wollte? Und nun siehe, da ist deine Frau; nimm sie und geh! 20 Und der Pharao bestimmte seinetwegen Männer, die ihm und seiner Frau und allem, was er hatte, das Geleit gaben.

Abram hatte Angst vor den Ägyptern. Er malte sich in seinem Geist die finstersten Ängste aus:

Würden die Ägypter seine Frau begaffen? Würden sie ihn dafür hassen, dass er so eine schöne Frau hatte? Würden sie ihm zuerst Freundschaft vorheucheln, nur um ihn dann hinterrücks zu ermorden? Würde Gott ihn im Stich lassen? Würde Gott zulassen, dass ihm Leid geschähe?

Ich kann mir gut vorstellen, wie die blühende Fantasie Abrams ihm die schlimmsten Ängste in düsteren Bildern und grauenhaften Vorstellungen vor Augen malte. Doch nichts davon war real. Es bestand nur in Abrams Gedankenwelt. Doch diese Gedanken beherrschten sein ganzes Denken: Menschenfurcht. Also dachte er sich, dem vorbeugend, eine Lüge aus. Sarai sollte sich als seine Schwester ausgeben und nicht als seine Ehefrau. So wollte er verhindern, dass sie ihn töteten. Aber genau darum wurden ja die Ägypter auf ihn aufmerksam. Hätte er gleich gesagt, dass es sich bei Sarai um seine Frau handelte, wären die Ägypter nie auf die Idee gekommen, ihm etwas zu tun. Wir sehen das ja an der späteren Reaktion der Ägypter. Als die Lüge aufgeflogen war, taten sie ihm kein Leid an, obwohl er sie belogen hatte, und sie gaben ihm sogar noch Geleit bei seinem Auszug. Abram hatte sich durch seine Lüge selber in Gefahr gebracht, weil er sich vor Menschen fürchtete. Hätte er in diesem Fall auf Gott vertraut, dann hätte er nur nachdenken brauchen. Gott hatte ihm doch versprochen, dass er ihn segnen wollte und seinen Namen groß machen wollte (1Mo 12,2-3). Gott hatte ihm doch versprochen, ihn zu segnen – da passt ein frühzeitiger Tod nicht hinein. Gottes Plan sah das nicht vor. Abram hatte sich von seiner Menschenfurcht statt von Gott leiten lassen und darum bekam er Probleme.

Menschenfurcht bringt uns oft genau in die Probleme, die wir eigentlich vermeiden wollten. Das erkennt man sehr oft in seinem eigenen Leben wie auch am Beispiel Abrams. Später machte er übrigens den gleichen Fehler noch einmal. Nachzulesen in 1Mo20.

Gott sagte auch einmal zu seinem Volk:

Jes 51,7 Hört auf mich, ihr, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, das mein Gesetz im Herzen trägt! Fürchtet euch nicht vor dem Schmähen der Menschen und entsetzt euch nicht vor ihrem Lästern. 8 Denn die Motte wird sie fressen wie ein Kleid; und die Schabe wird sie fressen wie Wolle; aber meine Gerechtigkeit wird ewig bleiben und mein Heil von Geschlecht zu Geschlecht.

Und:

Jes 51,12 Ich, ich bin es, der euch tröstet. Wer bist aber du, daß du dich vor dem sterblichen Menschen fürchtest, vor dem Menschenkind, das wie Gras dahingegeben wird, 13 und daß du den Herrn vergißt, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgespannt und die Erde gegründet hat? Und allezeit, den ganzen Tag, fürchtest du dich vor dem Grimm des Bedrückers, wenn er sich rüstet, um zu verderben. Wo ist denn nun der Grimm des Bedrückers? 14 Der in Ketten Gekrümmte wird schnell losgemacht, damit er nicht umkommt in der Grube, noch an Brot Mangel leidet.

Mit Menschenfurcht bringen wir uns nur unnötig in Probleme. Stattdessen sollten wir Gott fürchten, auf ihn vertrauen und mutig voranschreiten:

Jes 41,10 fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ja, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit!

Ps 56,12 Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht; was kann ein Mensch mir antun?

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