Jeder fängt mal klein an!

2Mo 3,1a Mose aber hütete die Schafe Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian. (…)

1Sam 16,11 Und Samuel fragte den Isai: Sind das alle jungen Männer? Er aber sprach: Der Jüngste ist noch übrig, und siehe, er hütet die Schafe! Da sprach Samuel zu Isai: Sende hin und lass ihn holen, denn wir werden uns nicht zu Tisch setzen, bis er hierhergekommen ist! 12 Da sandte er hin und ließ ihn holen. Und er war rötlich, mit schönen Augen und von gutem Aussehen. Und der HERR sprach: Auf, salbe ihn, denn dieser ist’s! 13 Da nahm Samuel das Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN kam über David, von diesem Tag an und weiterhin. Samuel aber machte sich auf und ging nach Rama.

Ein altes Sprichwort lautet: „Jeder fängt mal klein an!“ Obwohl dieser Satz so nicht in der Bibel steht, beschreibt er doch eine zeitlose Wahrheit. Je älter ich werde, desto mehr komme ich zur Überzeugung, dass das Leben zu über 80 Prozent aus Routine und vielen aneinandergereihten Kleinigkeiten, Übungen und Tätigkeiten im Alltag besteht, die uns Ausdauer und Geduld lehren. Wir müssen sie immer wieder tun. Vielleicht handelt es sich um die Arbeit in einem Betrieb, einem Gewerbe oder Geschäft; es kann sich aber auch um einen sozialen Beruf oder um die Hausarbeit einer Mutter handeln. Wir tun täglich das Gleiche in kleineren und größeren Abständen. Auf den Morgen folgt der Mittag, dann bald der Feierabend. Dann kommt das Wochenende, dann der Urlaub und schon ist man wieder am Werkeln. Man arbeitet, macht den Haushalt, putzt, spült, trägt den Müll hinaus – Routine! Aber vor allem in dieser Routine gibt es sehr viel zu lernen, wenn Gott dabei ist! Bevor Mose das Volk Israel aus der Gefangenschaft führen konnte, musste er bei seinem Stiefvater ungefähr 40 Jahre lang die Schafe hüten. In dieser Zeit, die hauptsächlich aus ähnlich gleichen Arbeiten bestanden haben mag, wiederholte Mose wahrscheinlich immer wieder dieselben Dinge: Wahrscheinlich trieb er die Schafe von einem Ort zum anderen, er pflegte sie, kümmerte sich um die Jungen, ging bei Kämpfen der Böcken dazwischen und trennte sie, er suchte verloren gegangene Schafe, er schor sie usw. Diese vielleicht auch eintönig erscheinende Routine machte aus Mose einen geduldigen, sanftmütigen Mann (4Mo 12,3). Weil er es gelernt hatte, Schafe zu hüten, wurde er zum Menschenhüter, natürlich im Auftrag des großen Schafhirten Jesus Christus (Joh 10,11).

Auch der angehende König von Israel, der junge David, war ein Schafhirte. Als er mutig gegen den Riesen Goliath vorging und ihn tötete, hatte er zuvor gelernt, die Schafe seines Vaters vor Raubtieren zu schützen. Ohne diese Tätigkeit hätte er wahrscheinlich nicht mit der Schleuder umgehen können und hätte auch kein Gottvertrauen gehabt. Weil er gelernt hatte, sich im Alltag zu bewähren, konnte er sich auch in einer schwierigen Situation bewähren.

Wie bei einem Sportler, der täglich trainiert, um an einem Wettkampf teilnehmen zu können, besteht der Alltag des Christen aus Übung und Wiederholung. Geduld und Ausdauer lernt man nur durch Dulden und durch Ertragen des Alltags mit seinen Widrigkeiten und Umständen. Genauso, wie man Schwimmen nur durch schwimmen lernt.

Das muss (!) nicht der Weg jedes Christen sein, Gott geht auch unterschiedliche Wege, manche werden gar nicht so alt. Manche steigen vielleicht sofort nach ihrer Umkehr voll in die Verkündigung ein. Aber großer Teil der Kinder Gottes wird so erzogen, dass er seine Ausbildung im Alltag erhält. Bevor man die großen Aufgaben bekommt, muss man zuerst bei den kleinen treu sein (Lk 16,10; Lk 19,17).

Warum wollen so viele gleich zu Beginn ihres Glaubenslebens so mächtige Taten vollbringen?! Man sollte doch zuerst einmal das „Kleine“ tun, wie z. B. für alle Dinge dankbar sein (1Thess 5,18), Fürbitte tun (Eph 6,18; 1Tim 2,1); sich mit dem Wort Gottes beschäftigen (Kol 3,16), freigebig sein (vielleicht auch Missionare und Arme mit seinem Geld zu unterstützen) (2Kor 9,11), jemanden ermutigen (1Thess 2,11) und vielleicht einem Nachbarn oder Bekannten, der nicht gläubig ist, einen kleinen Dienst erweisen, ihm etwas Gutes tun (2Thess 3,13). Man muss sich nicht gleich nach der Bekehrung als Missionar oder Evangelist in schwierigste Gebiete unter Ungläubige oder gar fremdartige Völker vorwagen oder gleich eine Predigt vor tausenden Leuten halten. Es reicht, dort ein Zeugnis zu sein, wo man sich befindet. Schon allein das tägliche Gebet im stillen Kämmerlein ist eine Herausforderung, bei der wir feststellen, dass das tägliche Gebet gar nicht so einfach einzuüben ist, wie wir uns möglicherweise anfangs gedacht haben. Gott ist ein Gott der Ordnung und der Struktur (wie man heute sagt). Wer etwas großes Leisten will, der muss zuerst im Kleinen bewährt sein. Wer eine Heldentat vollbringen will, muss sich zuerst im Alltag bewähren. Das ist vielleicht nicht spektakulär, aber zutiefst notwendig!

Spr 18,12b (…) aber vor der Ehre kommt die Demut.

Apg 6,4 wir aber wollen beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben!

Lk 16,10 Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.

Röm 12,16 Seid gleich gesinnt gegeneinander; trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen; haltet euch nicht selbst für klug!

Sach 4,10a Denn wer ist’s, der den Tag geringer Anfänge verachtet? (…)

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Eigene Gedanken, gesammelt unterwegs im Dschungel des Lebens…