Paulus und ich

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Muss ein Christ immer lieb und nett sein? Muss ein Christ jedermanns bester Freund sein, von Mensch beliebt, von Vorgesetzten gelobt und von Fremden akzeptiert? Ich weiß es nicht! War Paulus jedermanns bester Freund? Von Paulus wissen wir, dass er der Mann war, in dessen Leben Christus am stärksten wirkte. Vom Christenverfolger zum Pfleger der Gemeinde. Vom Hasser zum Liebenden.

Doch auch ein Paulus war weit davon entfernt, es allen recht machen zu wollen. Paulus konnte sehr direkt werden, wenn jemand die Lehre von Christus veränderte. Er konnte sehr scharf werden, wenn er sah, dass Christen durch Irrlehrer auf einen gefährlichen Weg geführt werden konnten. Er konnte wie ein Löwe seine Jungen verteidigt, die ihm anvertraute Gemeinde verteidigen.

Paulus war nicht immer nur nett, aber er war bestimmt immer fair. Das zeigt sich vor allem daran, wie er mit den Menschen umging. Paulus setzte alles daran, aus jedem Gesprächspartner einen Christen zu machen. Er schreckte auch nicht davor zurück, mit den Mächtigen des römischen Reiches Tachelles zu reden, sie auf ihre Sünden hinzuweisen, sie zu ermahnen und ihnen den Weg des Heils zu zeigen. Das, was Christus mit ihm getan hatte, wollte er auch anderen Menschen ermöglichen. Paulus hatte am eigenen Leid Gnade erfahren und wollte nichts lieber, als dass diese Gnade auch andere Menschen verändern sollte.

Wenn ich mir das Leben von Paulus anschaue, dann sehe ich das Leben eines Menschen, dem ich nacheifern will, dem ich nachfolgen will. Ein Leben, das liebt, auch wenn es zurückgesetzt und missachtet wird. Ein Leben, bei dem ich meine Feinde liebe und ihnen das Beste will, obwohl ich vielleicht ungerecht behandelt werde. Die Frage ist, ob ich das auch wirklich will. Ich poche oft auf Gerechtigkeit. Wenn mich jemand ungerecht behandelt, dann will ich es ihm heimzahlen. Ich will Vergeltung, will mich wehren, will mich rächen. Doch hätte Paulus so gehandelt? Ich weiß, wie Paulus wahrscheinlich gehandelt hätte: Er hätte das Unrecht eingesteckt und sich auf sein Ziel konzentriert. Aber Paulus war nicht immer so. In manchen Situationen hätte er sich auch gewehrt, hätte einen Fluch ausgestoßen und aggressiv reagiert. Wir finden das auch bei mehreren Stellen in den Briefen von ihm und in der Apostelgeschichte.

Paulus konnte auch sehr unbequem werden, vor allem, wenn es darum ging, Irrlehrer und böswillige Arbeiter abzuwehren. Paulus konnte für seine Mitmenschen auch unangenehm werden wie sein Herr, der sich mit der religiösen Elite seiner Zeit angelegt hat. Paulus hat ja gesagt, dass man sich sein Leben und ihn selber zum Vorbild nehmen soll:

Phil 3,17 Werdet meine Nachahmer, ihr Brüder, und seht auf diejenigen, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.

So etwas kann nur jemand von sich sagen, der absolut im Willen Gottes lebt und von Gott dazu beauftragt wurde. Kann ich das auch von meinem Leben sagen? Nein, gewiss nicht! Aber ich kann mich ja an Paulus orientieren.

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