Single Christen und Sexualität

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Neulich rief mich ein junger Mann an, der einen Artikel in diesem Blog gelesen hatte. Dummerweise „erwischte“ er mich gerade an einem Biertag, als ich schon angeheitert war. (Ich mache ab und zu einen Tag, wo ich abends Bier trinke. Ich brauche das manchmal, um abschalten zu können.) Auf jeden Fall sagte er mir, dass er Probleme mit seiner Sexualität habe, was zwar für eine ganze Zeit kein Problem bei ihm gewesen wäre, aber in letzter Zeit wieder verstärkt aufgetaucht sei. Ich konnte ihn sehr gut verstehen. Nicht weil ich barmherzig bin oder so was, sondern weil ich seit meiner frühesten Jugend Probleme damit habe. Auch mit Pornografie und Masturbation. Ich konnte ihm als selbst Betroffener keinen vernünftigen Rat geben, außer, das Ganze nicht zu schwer zu nehmen.

Gerade wenn man Christ ist, männlich und ungebunden, dann wird einem die Sexualität immer wieder mal Probleme bereiten. Sexualität ist etwas, das uns unser ganzes Leben einmal mehr oder weniger stark begleitet. Es gibt zwar Menschen, die darauf verzichten können, aber der größte Teil wird teilweise massiv davon bestimmt. Gerade viele junge Männer sind tickende Zeitbomben, und das scheint auch im Alter nicht viel besser zu werden, es klingt nur ein bisschen ab.

Gott hat die Sexualität in uns eingebaut, damit wir mit der Verbindung mit einem Partner oder einer Partnerin Freude und Erfüllung finden, und damit sich die Menschheit vermehrt. Die Sexualität ist damit Teil unserer Persönlichkeit. Wir sind Mann oder Frau.

Wenn man es mit seinem Christsein ernst meint, dann weiß man, dass Sexualität nicht dazu da ist, ungehemmt ausgelebt zu werden, sondern sie soll im Rahmen einer verbindlichen Ehe ausgelebt werden. Alles andere nennt die Bibel Unzucht. Es gibt zwar keine Stelle in der Bibel, die von Masturbation negativ spricht, aber wir können davon ausgehen, dass Sex nicht dazu gemacht wurde, um sich alleine zu vergnügen. Und genau da kommt das Problem des Solo-Christen-Mannes (auch mir) her: Er will so leben, wie Gott es sich vorstellt, aber er spürt in sich selbst das Verlangen danach, unbedingt, koste es was es wolle, Sex haben zu müssen. Was soll er tun, er hat ja keine Frau?

Wenn der Leser jetzt hofft, einen guten Rat von mir zu bekommen, dann muss ich ihn leider enttäuschen. Es gibt in dieser Hinsicht keinen pauschalen Trick, um seine Sexualität abschalten zu können. Wir können nur versuchen, sie zu steuern. Ich weiß, wie es ist, wenn man seine Sexualität ungehindert auslebt, und ich weiß wie es ist, wenn man für eine längere Zeit enthaltsam ist. Aber ich kann meine Sexualität nicht einfach so abstellen. Ich lebe zwar seit einigen Jahren ohne Unzucht, d. h. ohne irgendwelche Partnerinnen, aber ich habe nach wie vor noch das Bedürfnis. Auch von anderen Single-Christen weiß ich das, denn sie haben es mir berichtet.

Ich kann dem Leser eigentlich nur einen Rat geben: Bring die Sache immer wieder vor Jesus. Wenn Du gefallen bist, dann ist er der einzig richtige Ansprechpartner. Ich weiß es, wie es ist: Wenn man wieder einmal gefallen ist, zerfleischt man sich, macht sich ein schlechtes Gewissen und gelobt kleinmütig vor Gott, sich zu bessern. Aber hat man dadurch, dass man sich selbst niedermacht, irgendetwas gewonnen? Nein, das ist kontraproduktiv. Wir müssen einfach lernen, damit zu leben, dass wir auf diesem Gebiet stark angefochten sind. Natürlich sollte es das Anliegen sein, sexuell rein zu bleiben, das ist ein Gebot! Diese Ziel gilt es im Auge zu behalten. Besser ist jedoch noch, man findet ein Gegenüber und heiratet.

Ich kenne die Probleme mit meiner Sexualität zu genüge. Es scheint fast so, als hätte sich mein Körper, meine Augen und meine Seele dazu verschworen, mir, der ich die besten Absichten habe, Gott gefällig zu leben, ständig ein Bein zu stellen. Nicht nur das, ich selbst bin das Problem. Manchmal gelingt mir eine längere Abstinenz, manchmal falle ich wieder rein. Soll ich jetzt verzweifeln, mich kasteien und runtermachen? Das bringt auch nichts. Ich muss einfach wieder aufstehen, die Sache Gott bekennen und weiterkämpfen. Solange bis vielleicht noch einmal eine Partnerin für mich auftaucht. Und wenn nicht, dann muss ich mich darauf einstellen, weiterhin zu kämpfen und rein zu bleiben – mit Niederlagen und Siegen, denn ich kann meine Sexualität nicht abstellen.

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2 Gedanken zu „Single Christen und Sexualität“

  1. Danke dir für die Zeilen- für ein Thema; das eigentlich so ziemlich Tabu ist.

    Die Offene Art über dieses Thema zu schreiben und das Christ-sein im Vordergrund zu halten … ; „Hut ab!“

  2. Lieber Tom,

    Du schreibst: „Wenn der Leser jetzt hofft, einen guten Rat von mir zu bekommen, dann muss ich ihn leider enttäuschen. Es gibt in dieser Hinsicht keinen pauschalen Trick, um seine Sexualität abschalten zu können.“

    So mancher, der einen christlichen Beitrag über ein solches Thema liest, erwartet natürlich eine Lösung für dieses Problem zu finden und ist dann sehr entäuscht, wenn er „hängen gelassen“ wird.

    Auch ich, wie etwa 95% aller Männer, kenne dieses Problem. Wenn Du nun sagst, Du kennest keinen „pauschalen Trick“, dann verwundert mich das im höchsten Masse. Als Christ müsstest Du doch wissen, dass es wohl keinen Trick, dafür aber die wirkliche Kraft Gottes gibt, welche frei macht. Die Kraft Gottes ist keine Mär, sondern eine Wirklichkeit, wenn man daran glaubt und darauf baut. Dort, wo aber nur der Schein eines gottseligen Lebens ist und die Kraft verleugnet wird, muss schon mit allerlei Trick versucht werden, diese wahre Kraft zu kompensieren.

    Der Kampf, wie Du ihn beschreibst, ist Realität. Und dieser Kampf kann viele, viele Jahre dauern. Fallen, aufstehen, fallen, aufstehen, es ist ein Kampf bis aufs Blut wider die Sünde. Dieser Kampf bleibt uns nicht erspart – aber: er führt schlussendlich zum Sieg! Jesus hat uns erlöst, und so wie Er mich befreit hat, wird Er auch Dich befreien.

    Noch eines: Masturbation ist wohl eine Sünde nach Röm. 1. 24 „Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigkeit, zu schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst.“

    Aber Jesus hat uns aus der Knechtschaft der Sünde befreit, sodass wir nicht mehr sündigen müssen.

    Liebven Gruss
    Hans

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