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Zerplatzte Träume und doch Hoffnung

Wenn man mir vor der Geburt mein Leben gezeigt hätte und mich gefragt hätte, ob ich leben will oder nicht, dann hätte ich mich vielleicht sogar dagegen entschieden. Das Leben ist hart! Es ist nicht nur hart, es ist knallhart! Als Kind, das in einer einigermaßen behüteten Umgebung aufwächst, hat man Träume und Vorstellungen, wie das Leben einmal sein sollte. Man stellt sich vor, wie es wäre, wenn man einmal verheiratet ist und selber Kinder hat. In der Eichel steckt die Eiche. Etliche Charakterzüge, die man als Kind aufweist, können zu Begabungen und letztendlich auch zur Berufung, zum Beruf führen. Beim Spielen mit anderen Kindern, kann man an einem Kind ungefähr erkennen, wie es einmal sein wird, sein Charakter, seine Stärken, aber auch seine Schwächen. An den kindlichen Träumen und Zielen liegt schon ein möglicher Lebensweg vorgezeichnet. Doch der muss nicht so kommen! Es gibt Katastrophen, die ein ganzes Leben komplett aus der Bahn werfen können. Das kann eine Krankheit, eine Scheidung oder ein Missbrauch oder ein ähnlicher schwerwiegender Einschnitt ins Leben sein. Wollte man als Kind ein siegreicher Soldat über die bösen Feinde werden, so findet man sich vielleicht sehr schlimm verwundet in einem seelischen Lazarett wieder. Wollte man einen erfüllenden Beruf ausüben, kann eine Krankheit das verhindern. Und der Ehepartner, auf den man sich freute, kam nie; plötzlich ist man dann 40, 50 Jahre alt und fragt sich, was das Ganze sollte. Man steht mit leeren Händen da und fragt sich, ob Gott nicht doch ein grausamer Tyrann ist, wie manche glauben.

Wer zusehen musste, wie ein Lebenstraum nach dem anderen wie eine Seifenblase zerplatzte, der könnte auch an den Punkt kommen, wo er im Selbstmitleid versinkt und möglicherweise einen Selbstmord, heute verschönt „Freitod“ genannt, begehen will.

Wenn ich ehrlich über mein Leben Bilanz halte, dann stelle ich fest, dass sich so gut wie kein Traum, den ich als kleiner Junge hatte, erfüllt hat. Ich bin 40 und Single, obwohl ich mir immer eine Frau gewünscht hätte. Ich haben keinen Job mehr, weil ich psychisch krank geworden bin. Ich habe kein eigenes Haus, weil ich immer in Miete wohnen musste. Zudem war ich nie in der Karibik, wovon ich als kleiner Junge geträumt habe. Auch bin kein Held geworden, sondern eher ein verängstigter Antiheld wie der biblische Jakob. Vielleicht ließ mich die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit geistig krank werden – möglich wäre es!

Aber sind die Dinge nur so, wie ich sie sehe? Da gibt es Menschen, die leben in einer unglücklichen Ehe. Ihr Ehepartner, der beim Kennenlernen liebevoll und zuvorkommend war, entpuppt sich als nur an sich denkender Egoist. Aus dem Wunscharbeitsplatz wird ein schwarzer Alptraum aus Mobbing und Konkurrenzkampf. Das mühsam aufgebaute, kleine Haus lässt einen nachts nicht mehr ruhig schlafen, weil man sich um die Abzahlung des Kredites sorgt. Beim Urlaub in der Karibik fängt man sich eine entsetzliche Krankheit ein. Und letztendlich sind vor allem die Menschen, die sich alle Wünsche erfüllen können, am unglücklichsten. Bevor man also klagt, warum man dies und jenes nicht hat oder hatte, sollte man sich fragen, ob man sich nicht vielleicht das ein oder andere erspart hat.

Wenn man dann noch bedenkt, dass die Sterberate bei 100% liegt, dann wird man augenblicklich kuriert. „Diese Leben dauert ja gar nicht ewig!“ Was sind schon diese 70, 80 Jahre auf dieser Welt, die so knallhart ist? Kann man einen erfüllten Lebenstraum ewig festhalten? Stirbt nicht vielleicht der Ehepartner oder man selber und man steht dann wieder allein da? Auch ein Urlaub in der Karibik verblasst mit der Zeit und man findet sich im beruflichen Überlebenskampf wieder, vielleicht aber auch in der Arbeitslosigkeit. Dieses Leben ist vergänglich, genau wie die Erde und der Kosmos.

Es gibt jedoch eine Entscheidung, die müssen wir unbedingt treffen! Wollen wir die Ewigkeit bei Gott verbringen oder getrennt von ihm? Manche haben die Vorstellung, dass die Hölle eine verrauchte Billardkneipe ist, in der man Bier trinkt und sich vergnügt. Dem ist nicht so! Alle Annehmlichkeiten, alles Schöne, alles Gute, das wir in diesem Leben erfahren durften, kommen und kamen von Gott. Wer die Ewigkeit ohne Gott verbringen will, hat alles verloren! Denn jede gute Gabe und jedes gute Wort, jeder Trost, jede Hoffnung, auch die Liebe: Alles kam vom Vater der Lichter:

Jak 1,17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten infolge von Wechsel.

Gott schickte uns nicht nur die großen und kleinen Katastrophen in unser Leben, sondern auch das Gute. Ich glaube, dass Gott uns damit locken will. Er will uns hier und jetzt schon manchmal einen Vorgeschmack auf das ewige Leben mit ihm geben. Ja, auch wenn die Träume wie Seifenblasen zerplatzen, gibt es doch noch unzählige Möglichkeiten, für das Gute in unserem Leben zu danken. Ein erster Schritt, sich auf Gott zuzubewegen, wäre vielleicht, einmal das Klagen und Jammern aufzuhören, um sich bewusst zu machen, welche Schätze man im Leid heben durfte. Wer etwas durchgemacht hat, der hat etwas zu sagen. Wer Schmerz und Kummer erleben musste, der hat normalerweise eine fruchtbare seelische Tiefe im Herzen erreicht, sein Wort bekommt Gewicht, er wird fähig von sich auf andere zu schauen, er wird zum Tröster. Paulus sprach mehr von den Schwierigkeiten als von den ruhigen Zeiten (2Kor 11,16-33). Krieger zeigen sich doch lieber gegenseitig ihre Narben aus ihren Kämpfen, als über die ruhigen Zeiten der Ruhe und Sorglosigkeit zu schwärmen.

Letztendlich bleibt vieles unerklärt. Fragen ungelöst. Theorien, bleiben offen. Wir haben ‘hier unten’ noch nicht den vollen Durchblick. Warum kam dieses so und das andere anders? Musste das wirklich so sein? Es bleibt vieles ein Geheimnis, dass Gott noch nicht lüftet. Vielleicht lüftet Er manches nie.

Pred 6,9 Es ist besser, zu gebrauchen, was vor Augen ist, als nach anderm zu verlangen. Das ist auch eitel und Haschen nach Wind. (Luther 1984 Übersetzung)

Seien wir dankbar für das, was wir haben und nicht für das, was wir uns wünschten:

Ps 50,23 Wer Dank opfert, der ehrt mich, und wer [seinen] Weg [recht] ausrichtet, dem zeige ich das Heil Gottes!«

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