Schlagwort-Archive: Mannsein

Die Brautmystik ist nichts für Männer

519801_R_by_Rike_pixelio.de
519801_R_by_Rike_pixelio.de

Während meiner Studien christlicher Bücher und Webseiten, sah ich mich manchmal mit einem Phänomen konfrontiert, das zwar auf den ersten Blick biblisch zu sein schien, auf den zweiten Blick aber für mich total abstoßend wirkte: Die Brautmystik. Vor allem Frauen, die durch die Pfingst- und Charismatische Bewegung angehaucht sind, schreiben sehr eifrig darüber. Sie sehen Jesus Christus als ihren persönlichen Bräutigam an; ihre eigenen Männer scheinen dabei in den Hintergrund zu geraten. Sie haben zuckersüße Visionen und Eindrücke, bei denen sie als Frauen, Jesus Christus als ihren persönlichen Gemahlen erleben. Von einem liebevollen Jesus ist da die Rede, der sie z. B. auf seinem Pferd mitreiten lässt. Sie selber sehen sich oft im Hochzeitsgewand und haben eine intime Beziehung zum Erlöser, der sie als seine Bräute behandelt. Nicht nur im Kloster ist das so, sondern auch in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung. Gefühlsduselei über Gefühlsduselei.

Für mich als Mann ist diese Brautmystik nicht nachzuvollziehen. Ich stehe auch der Verweiblichung des christlichen Glaubens sehr skeptisch gegenüber. Ich kann mit diesem zuckersüßem Zeug nichts anfangen. Es fällt mir auch schwer, mich als Teil einer Braut zu sehen, aber dies ist durchaus biblisch. Die Gemeinde wird ja als Braut Christi bezeichnet. Aber dies ist eben nur ein Aspekt unter vielen. Wird aber die Betonung nur noch darauf gelegt, dann hat man als Mann nur sehr schwer Zugang dazu. Nicht wenige ungläubige Ehemänner können für das Reich Gottes nicht gewonnen werden, weil die heutige Verweiblichung des Lebens, die auch in der Gemeinde stattfindet, ein gesundes männliches Glaubensleben verhindert. Das Bild der Braut und das Hochzeitsmahl des Lammes sind zwar wirkliche Aspekte der Beziehung von Jesus Christus zu seinem himmlischen Volk, aber es gibt auch Aspekte in der Bibel, die vor allem die Männer mehr ansprechen. So ist z. B. von Wettkampf (1Kor 9,25), einer geistlichen Waffenrüstung (Eph 6), von geistlichem Krieg gegen finstere Mächte (Eph 6), von Knechten (Mt 18,23 uva.) und von Hirten (Ps 23) die Rede. Das sind Aspekte, die die Männer eher ansprechen und die sie besser nachvollziehen können, als sich selber als Braut zu verstehen. Z. B. auch die Beziehung von Jesus Christus als Kriegsherr (Ps 46,8), der seine Armee der Gläubigen anführt. Ein anderer guter Zugang für Männer in der Beziehung zum Erlöser stellt für mich die Beziehung zwischen Jonathan und David dar. Jonathan war der Sohn Sauls, des ersten Königs von Israel, der aber durch seinen Ungehorsam von Gott verworfen wurde. An seiner Stelle sollte der junge David König werden. Nachdem David als einziger den Mut hatte, einen gegnerischen Riesen zu besiegen, lesen wir folgende Begebenheit:

1Sam 18,1 Und es geschah, als er aufgehört hatte mit Saul zu reden, da verband sich die Seele Jonathans mit der Seele Davids, und Jonathan gewann ihn lieb wie seine eigene Seele. 2 Und Saul nahm ihn an jenem Tag zu sich und ließ ihn nicht wieder in das Haus seines Vaters zurückkehren. 3 Jonathan aber und David machten einen Bund miteinander; denn er hatte ihn lieb wie seine eigene Seele. 4 Und Jonathan zog das Obergewand aus, das er anhatte, und gab es David, dazu seinen Waffenrock, sogar sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel.

Hier beginnt eine tiefe Männerfreundschaft. Jonathan, der eigentliche Thronfolger, erniedrigt sich selbst und gibt David seine eigene Rüstung, weil David seiner Meinung nach diese Würde verdient. Genauso hat auch Jesus Christus sein Kleid ausgezogen und es uns gegeben, als er am Kreuz unsere durch Sünde verdorbenen Kleider sinnbildlich auf sich nahm. Er gab uns ein neues Kriegsgewand, mit dem wir fortan im geistlichen Kampf kämpfen können. Das spricht mich als Mann mehr an als die zuckersüße Brautmystik. Jesus Christus behandelt mich genauso, wie Jonathan David behandelt hat. Damit kann ich etwas anfangen.

Schon viele haben den Versuch unternommen, David und Jonathan eine homosexuelle Beziehung anzudichten. Das ist aber komplett falsch. Die beiden waren keine Weichlinge, sondern gestandene Männer die häufig Krieg führten. Sie führten harte Kämpfe auf Leben und Tod und waren mit den Kriegskünsten vertraut. Beide hatten Frauen. Eine echte Männerfreundschaft ist von anderer Qualität als eine Ehe. Natürlich soll die Ehe nicht geschmälert werden, aber eine echte Freundschaft unter Männern kann durch eine noch so gute Ehe nicht ersetzt werden. Der Mann braucht beides. Eine Männerfreundschaft wird nicht durch die emotionalen Reibungen, die zwischen Mann und Frau herrschen, beeinträchtigt. Meist verfolgt man mit seinem besten Freund gemeinsame Interessen und Ziele und kämpft zusammen für eine bestimmte Sache. Das kann zwar durchaus auch in einer Ehe der Fall sein, aber auch hier ist es von anderer Qualität. Nur ein Mann kann einen anderen Mann in seinen Kämpfen, die aus Siegen und Niederlagen im Leben bestehen, ausreichend verstehen. Männer bestärken sich gegenseitig in ihrer Männlichkeit. Wie z. B. geschrieben steht:

Spr 27,17 Eisen schärft Eisen; ebenso schärft ein Mann den anderen.

Männer brauchen andere Männer, um selber ihre Männlichkeit weiterentwickeln zu können. Eine Frau dagegen kann aus einem schwachen Mann keinen starken Mann machen.

Männer haben durch diese biblischen Begriffe wie „Krieg“, „Eisen schärft Eisen“, „Rüstung“, „gemeinsame Ziele“, „Kampf“ usw. einen besseren Zugang zur erlösenden Botschaft. Dies wird heutzutage sehr vernachlässigt. Alles ist auf die Verweiblichung der Gesellschaft angelegt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich der Grundschule Stricken und Häkeln lernen musste. Wir hatten fast nur weibliche Lehrerinnen. Vor allem auch im Kindergarten zuvor. Diese Welt ist keine Welt mehr für echte Männer, die für eine gute Sache Krieg führen. Die Jungen werden in der öffentlichen Erziehung in den Schulen und Universitäten massiv ignoriert. Das Weibliche gilt als gut und das Männliche als störend, als Ärgernis und als nicht erstrebenswert. Und dann wundern sich die Frauen, wenn sie keine richtigen Männer mehr bekommen, sondern nur Machos oder Weichlinge. Diese Welt ist keine Welt mehr, die echten Männern Raum bietet sich frei zu entfalten, sie lehnt das Männliche kategorisch ab. Und diese negativen Entwicklungen haben auch in die Christenheit Einzug gefunden. Liebe, Fürsorge, Zärtlichkeit sind natürlich auch Attribute des Guten Hirten, Jesus Christus; aber auch Erziehung, Züchtigung und Ausbildung der Gläubigen, damit sie in den Kämpfen des Lebens bestehen können und den Sieg davon tragen können. Jesus Christus geht nicht immer zärtlich und weiblich mit uns um, sondern lässt manchmal auch schwere Züchtigung zu, die unsere ganze Existenz zu erschüttern droht. Warum wird das heute so selten gepredigt? Weil das weibliche dominiert! Gott hat zwar auch mütterliche Eigenschaften (Jes 66,13), aber er stellt sich uns in erster Linie als Vater vor (Mt 23,9).

Damit kein falsches Missverständnis aufkommt: Das Weibliche hat genauso wie das Männliche seinen Platz in Gottes Ordnung. Wir sollten aber nicht das eine gegen das andere austauschen, sondern beide gleichwertig behandeln. Gerade früher war es nicht gut, dass das Männliche dem Weiblichen vorgezogen wurde. Frauen hatten so gut wie keine Rechte, durften nicht studieren oder sogar nicht einmal Autofahren. Das war genauso falsch. Die Frau hatte sich nur dem Mann unterzuordnen und musste nur für ihn und die Kinder da sein. Sie hatte kein Recht auf freie Entfaltung. Aber es ist immer so, dass man von einem Extrem ins andere fällt. Darum ist die heutige Überbetonung des Weiblichen genauso falsch wie die frühere Überbetonung des Männlichen.

Damit wieder mehr Männer Zugang zum Evangelium finden, sollte Jesus Christus wieder als ganzer Mann beschrieben werden (nicht als femininer, treu-blickender, blondgelockter Schönling), der zwölf andere Männer zum Kampf für das Evangelium ausbildete und ein schweres Holzkreuz zu seiner schlimmen Hinrichtung trug. Auch die Geschichte im Alten Testament die von Krieg und Kampf zeugt, ist hierbei geeignet, um Männer mit der biblischen Botschaft zu erreichen wie z. B. die Geschichte von David und Jonathan, von Mose, von Elia und Elisa und vielen anderen Glaubenshelden. Dabei sollten wir aber auch nicht das vernachlässigen, was Frauen anspricht. Ausgewogenheit ist wichtig.

Share Button