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Lukrative Ministries

Manchmal frage ich mich, was denn der Dienst sein soll, von dem viele der schillernden, charismatischen Prediger in unserer Zeit sprechen? Ist es ein Dienst an der Menschheit, wenn man auf der Bühne steht, große Reden schwingt und sich von den Zuschauern frenetisch zujubeln lässt? Ist es ein Dienst, nach der Predigt möglichst viel Kollekte einzusammeln und Leute danach buchstäblich mit einer zweifelhaften Geisteswirkung auf´s Kreuz zu legen? Ist es ein Dienst, auf Facebook und YouTube zu streiten, wer die bessere Lehre hat? Soll man diese Leute dann finanziell unterstützen?

Natürlich darf ein Prediger oder Evangelist von der Gemeinde versorgt und bezahlt werden (Gal 6,6). Das ist immer noch in Gottes Willen. Viele der großen Prediger, die sich in der Kirchengeschichte hervortaten, wurden von den Gläubigen versorgt, anders wäre so ein Dienst nicht möglich gewesen:

1Kor 9,9 Ja, im Gesetz Moses steht geschrieben: »Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt«. Kümmert sich Gott etwa um die Ochsen? 10 Oder sagt er das nicht vielmehr um unsertwillen? Denn es ist ja um unsertwillen geschrieben worden: Der, welcher pflügt, soll auf Hoffnung hin pflügen, und der, welcher drischt, soll auf Hoffnung hin [dreschen], dass er an seiner Hoffnung [auch] Anteil bekommt. 11 Wenn wir euch die geistlichen Güter gesät haben, ist es etwas Großes, wenn wir von euch diejenigen für den Leib ernten? 12 Wenn andere an diesem Recht über euch Anteil haben, sollten wir es nicht viel eher haben? Aber wir haben uns dieses Rechtes nicht bedient, sondern wir ertragen alles, damit wir dem Evangelium von Christus kein Hindernis bereiten. 13 Wisst ihr nicht, dass die, welche die heiligen Dienste tun, auch vom Heiligtum essen, und dass die, welche am Altar dienen, vom Altar ihren Anteil erhalten? 14 So hat auch der Herr angeordnet, dass die, welche das Evangelium verkündigen, vom Evangelium leben sollen.

Heute wird aber meiner Meinung nach Schindluder mit diesem Gesetz betrieben, denn heute ernten vor allem diejenigen viel Geld, die am allerwenigsten die „geistlichen Güter“ säen: Internet-Werke, sogenannte Ministries. Es wird zwar gepredigt, aber nicht mehr das Wort, sondern die Erfahrung, neben einem für arme und betrübte Ohren ansprechenden Wohlstands- und Wellness-Evangelium, garniert mit einem Schuss Psychologie und Gruppendynamik. Vom Science-Fiction-Evangelium über haarsträubende Verschwörungstheorien bis zu uralter, tot geglaubter Irrlehre ist alles dabei. Auf Facebook und YouTube haben diese Leute dann auch ihre Livestreams, Meetings und Auftritte.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass heute viel zu viele „Lehrer“ herumlaufen, die kein Mensch braucht, denn eigentlich haben wir heute die hervorragenden Möglichkeiten unzählige christliche Bücher, Filme und Audiodateien zu bekommen mit einem sehr kleinem Aufwand. Wer die gute „alte“ christliche Lehre heute lernen will, der kann auf wertvolle goldene Schätze von fast 2000 Jahren Kirchengeschichte zurückgreifen. Gerade von C. H. Spurgeon und anderen großartigen Glaubenshelden gibt es sehr viel kostenloses Material und z. B. auch auf sermon-online.de finden sich eine gigantische Masse an Dateien, die alle kostenlos sind. Daneben hat wohl jeder Gläubige eine Bibel!? Das ist mehr, als die Gläubigen in früheren Zeiten hatten! Eigentlich wurde dann damit doch auch schon alles gesagt, was gesagt werden muss. Das Evangelium ist immer noch das gleiche wie vor 2000 Jahren. „Es gibt nichts Neues in der Theologie außer dem, was falsch ist!“, sagte Spurgeon. Wer etwas „Neues“ bringt, der bringt meist Irrlehre, diese ist es dann, welche zu Streit und Spaltung führt!

Ich glaube, unser Problem ist nicht, dass wir nichts wissen, sondern dass wir zu viel wissen! Wir wüssten eigentlich, was wir zu tun hätten, doch irgendwie sind wir saft- und kraftlos, so geht´s zumindest mir oft. Ich wüsste genau, was zu tun wäre, aber ich kriege es nicht hin. Entweder bin ich zu faul oder zu unfähig, meistens will ich einfach nicht. Da hilft es mir auch nicht, eine neue Predigt zu hören oder ein neues Buch zu kaufen. Ich weiß im Grunde mehr, als gut für mich ist, denn Jesus Christus wird darüber einmal Rechenschaft von mir fordern, ob ich Worten auch Taten folgen ließ.

Ich kenne die Mechanismen, wie Sekten funktionieren. Die Manipulationstechniken der heutigen modernen Gurus haben sich seit Jahrtausenden nicht geändert. Wer auf diesem Weg an Geld kommen will, der braucht nur die verschiedenen Sekten zu studieren und er kann etwas Ähnliches starten. Wer eine charismatische Persönlichkeit besitzt, gepaart mit Redegewandheit und der Fähigkeit, andere zu begeistern, der kann schnell viel Geld „produzieren“. Und genauso gehen die schillernden Prediger, bzw. Irrlehrer schließlich auch vor.

Liebe Leute: Werft diesen Leuten doch bitte, bitte nicht euer Geld hinterher! Die nutzen euch nur aus! Diese Leute sollen ehrlich arbeiten, wenn sie zu etwas kommen wollen (2Thess 3,10)! Ich meine damit nicht die angestellten Prediger und Evangelisten in den Gemeinden, auch nicht die ehrlichen Missionare und Verkünder, sondern diese Internet-Ministries, die ihren Giftmüll auf YouTube und Facebook absondern, eigentlich nur Streit und Zwietracht sähen und dann noch Geld dafür wollen. Diese „Werke“ braucht doch kein Mensch! Vom geistlichen Nährwert ganz zu schweigen!

Wer wirklich etwas spenden will, der auch heute die Möglichkeit, seriöse Werke zu unterstützen. Ein Werk, das ich gut kenne, schickt nach jeder Spende einen Dankesbrief, der eine geistlich nahrhafte Botschaft weitergibt. Solche Werke sollten wir unterstützen! Es gibt auch heute noch Evangelisten, die unterwegs sind und das Evangelium predigen, seriös und vor Ort. Diese Evangelisten begleiten auch Jungbekehrte eine Zeitlang. Und in den Gemeinden vor Ort kommen die verschiedenen Gaben der Mitglieder dann an den Jungbekehrten zur Geltung, denn es gibt nicht nur die Gabe der Verkündigung, sondern auch soziale Gaben im Leib Christi. Wer hat heute noch die Gabe, einen Kranken zu begleiten und zu pflegen?

Und zuletzt sollten wir immer bedenken, was Paulus gesagt hat:

Apg 20,35 In allem habe ich euch gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen soll, eingedenk der Worte des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist glückseliger als Nehmen!

Nachtrag vom 12.09.2017: Ich habe jetzt bei sämtlichen Seiten von mir auch einen Spendenbutton eingefügt. Nun, könnte man sagen: „Der predigt Wasser und sauft den Wein.“ Es ist aber ein großer Unterschied, ob jemand nicht mehr für seinen Lebensunterhalt arbeiten kann, wie ich, weil ich chronisch krank bin, oder ob jemand gesund ist, aber nicht arbeiten will und sich nur von anderen aushalten lassen will. Ich stand ca. 20 Jahre lang im Berufsleben. Ich habe gearbeitet, und ich habe viele Jahre meine ganze Internetarbeit mit meinem eigenen Geld bezahlt. Ich habe in die Rentenkasse eingezahlt. Jetzt reicht mir die Rente trotzdem nicht zum Leben. Daher kann jetzt jeder, dem meine Arbeit zusagt, etwas geben. Das ist freiwillig!

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