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Buchrezension: Lastentragen – die verkannte Gabe (Christa und Dirk Lüling)

Schon vor etlichen Jahren schlug mir eine Schwester im Glauben vor, einmal das Buch „Lastentragen – die verkannte Gabe“ von dem Ehepaar Christa und Dirk Lüling zu Gemüte zu führen. In den vergangenen Tagen habe ich es endlich einmal gelesen. Die Christin, die es mir damals empfohlen hat, vermutete stark, dass ich zur Gruppe der hochsensiblen Menschen gehören würde, die sehr stark emotional auf die Nöte und Probleme anderer reagieren. In dem Buch wird beschrieben, dass es in jeder Gesellschaft, auch in den Naturvölkern, eine Gruppe hochsensibler Menschen gibt, die eine Mittler-Funktion, bzw. priesterliche Funktion ausüben. Dabei macht sich der HSL (hochsensible Lastenträger), wie er, bzw. sie im Buch genannt werden, die Lasten anderer Menschen meist unbewusst zu seinen eigenen. HSL haben ein Gespür für Stimmungen anderer Menschen, sie nehmen teilweise Dinge wahr, die andere Menschen nicht wahrnehmen, weil sie einen niedrigeren Filter im Gehirn als „normale“ Menschen haben. Daher kann es sein, dass sie von Reizen natürlicher und auch übernatürlicher Art überflutet werden, vor allem, wenn sie sich in Gesellschaft oder in einer Menschenmasse aufhalten und deren Emotionen wahrnehmen. So wie Christa und Dirk Lüling erklären, haben etwa ein Fünftel der Gesellschaft diese Veranlagung, wobei es Männer wie auch Frauen betreffen kann.

Was ich an dem Buch gut finde, ist, dass sich einmal jemand die Mühe gemacht hat, sich der Probleme der sensiblen, bzw. hochsensiblen Menschen anzunehmen, die in unserer Gesellschaft manchmal belächelt, aber auch oft verspottet werden, obwohl sie der Gesellschaft einen großen Dienst erweisen können, wenn sie ihre Gabe richtig einsetzen. Da ich auch diese Veranlagung habe, wundern sich meine Freunde und Bekannte häufig darüber, dass ich manchmal ein Restaurant oder ein Lokal, in dem sich viele Menschen aufhalten, plötzlich verlassen muss, weil mich die Reize überfluten. Dank diesem Buch weiß ich, dass ich nicht der einzige mit diesem Handicap bin. Es ist nicht nur für mich, sondern auch für andere mit diesem notvollen Problem sehr tröstend, wenn sie erfahren, dass sie nicht ganz alleine damit sind, sondern das es andere Menschen gibt, die das gleiche Problem haben. Daher ist dieses Buch in diesem Punkt sehr hilfreich.

Es wird im Buch auch sehr gut aufgezeigt, dass sich HSL gerne als bereitwillige Helfer zur Verfügung stellen. Eben weil sie die Nöte anderer in gewisser Weise mittragen, neigen sie dazu, ins extreme Helfersyndrom zu fallen. Das ist manchmal angebracht, aber nicht immer, wie die Autoren ausführen. Gerade Christen sollten in erster Linie ihre und die Lasten anderer an den Herrn Jesus Christus abgeben, wie im Buch erklärt, der eigentlich der einzige Lastenträger ist, der wirklich helfen kann:

Jes 53,4 Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. 5 Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. 6 Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn. (Unterstreichungen von mir).

Daher sind HSL vor allem im Gebiet der Fürbitte für ihre Mitmenschen sehr gut geeignet, wenn sie ihre Mitmenschen im Gebet im Geist vor den großen Lastenträger, Jesus Christus, bringen.

Das Buch bringt neben anderen auch viele gute Ratschläge in Bezug auf das Thema Reizüberflutung, und wie man sich am besten dagegen wappnet.

Aufgrund ihrer ausgeprägten Schmerzempfindlichkeit und ihrer hohen Sensibilität werden die Lastenträger auch schneller emotional verwundet als weniger sensible Menschen. Das ist leider eine traurige Realität bei dieser Gabe. Das liegt nicht immer nur daran, dass HSL vom Umfeld in manchmal missverstanden werden, sondern kann in bestimmten Fällen auch an schwierigen Familiensituationen liegen, die wir in der heutigen Zeit fast überall haben. Und hier kommen wir zu einem Problem des Buches: Die Theologie von der „inneren Heilung“! Während die Probleme des HSL im Buch von Ehepaar Lüling sehr gut erklärt und aufgezeigt werden, wird das Buch bei der empfohlenen Lösung derselben zu charismatisch, und das ist nicht ganz ungefährlich. Die Autoren warnen zwar auch vor der Beschäftigung mit okkulten und dämonischen Dingen, aber sie tun das meiner Meinung nach nicht konsequent genug. Die im weiteren Buchteil vorgeschlagenen charismatischen Lösungen für die verletzte Seele werden nicht selten im übernatürlichen Bereich gesucht, wie z. B. im charismatischen Lobpreis, in inneren Bildern und Visionen, in persönlichen Prophetien, Worten der Weisheit, Lossage-Gebeten und ähnlichen charismatischen Praktiken. Und hier wagen sich die Autoren meiner Meinung zu weit in unsicheres Gebiet, das durchaus unter die Herrschaft der finsteren Mächte führen kann. Ich weiß aus eigener leidvoller Erfahrung, dass man diese Gefahr nicht unterschätzen sollte. Man sollte sich nicht zu intensiv mit der unsichtbaren und auch der inneren Seelen-Welt beschäftigen. Das kann nicht nur extrem süchtig machen, sondern auch bis zum verwirrenden Aberglauben führen, der sich ständig nur noch mit magischen Tätigkeiten gegen unsichtbare Bedrohungen schützen will, die vielleicht gar nicht vorhanden sind. Denn auch wenn keine Gefahren da sind, kann man durch magisches Denken in eine tiefe Abwärtsspirale geraten, die bis in die dämonische Belastung führen kann. Gott hat uns nicht umsonst davor gewarnt, Zauberei und Bannen und Lösen zu praktizieren. Selbst die Bibel gibt nur an wichtigen Weggabelungen in der Heilsgeschichte Auskunft über das Geschehen in der unsichtbaren Welt. Meist konzentriert sie sich auf das Geschehen in dieser Welt.

Wahrscheinlich kein Thema birgt heute so viel Sprengkraft in sich wie das Problem der inneren Heilung. Wir leben in einer Zeit, in der jeder Mensch durch die eigene und die Sünden anderer in Mitleidenschaft gezogen wird, eben weil die Sünde heute so stark vorhanden ist. Die Diagnosen dafür sind dann auch meist richtig, aber die Arznei, d. h. die Behandlung ist in den meisten Fällen falsch. Meist werden sie der Psychologie, die von gottlosen Menschen entwickelt worden ist, entliehen oder dem mystisch-charismatischen Denken. Leider grenzt sich dieses Buch auch nicht deutlich genug davon ab, sondern führt noch eher dort hinein, so wird u. a. auch das Sprechen und Arbeiten mit dem inneren Kind empfohlen, das wir an keiner Stelle in der Bibel finden, höchstens könnte man in den Psalmen zwei oder drei Ähnlichkeiten konstruieren, wenn der Psalmist mit seiner Seele spricht. Jesus Christus lehrte so etwas auf jeden Fall nicht.

Meiner Meinung nach sollte wir nicht so viel und zwanghaft an uns selber arbeiten, sondern die Wunden und Schmerzen vor Gott, bzw. Jesus Christus im Gebet ansprechen und darauf vertrauen, dass er uns heilen kann, wann (!) und wie (!) er will. Dabei ist es doch egal, ob wir immer die passenden Worte im Gebet finden, obwohl wir uns natürlich darum bemühen sollten. Das Wann und das Wie sollten wir in Seine Hände legen; denn selbst ein guter Seelsorger, wie im Buch empfohlen, ist selber auch nur jemand, der den Hilfesuchenden in die rechte Beziehung zu Gott bringen kann, mehr nicht! Den Rest muss Gott tun, wenn er will.

Mt 11,28 Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! (Hervorhebung von mir)

Ich werde das Buch „Lastentragen – die verkannte Gabe“ wahrscheinlich noch öfter aus dem Regal holen, weil es in vielen Punkten hilfreich ist, allerdings werde ich sehr genau prüfen, was gut daran ist, und was man Beiseite lassen sollte nach 1Thess 5,21: Prüft aber alles und das Gute behaltet.


Meine persönliche Meinung:

In der Bibel gab es etliche hochsensible Lastenträger, wenn man sie so nennen will. Man denke z. B. an Josef in Ägypten, an Mose, den Mittler zwischen Gott und Israel, und auch an die Propheten. Vor allem die Propheten litten sehr stark an den schlimmen moralischen und geistlichen Zuständen des damaligen Volkes Israel. Sie klagten über Unrecht und forderten Gerechtigkeit, sie weinten bei Gewalt und freuten sich über Gottes Gnade, gleichzeitig traten sie für das Volk als Fürsprecher vor Gott ein. Sie waren dabei auch nicht nur objektive Augenzeugen von Gottes Gerichten, sondern sie waren mitten im Geschehen dabei und teilweise selber von Schicksalsschlägen betroffen, häufig durch die Nachstellung der Ungläubigen und Volksgenossen. Darum sind die „super-gesalbten“ Leute, die heute im „christlichen“ Fernsehen lauthals ihre falschen Prophetien von sich geben, keine echten Propheten, denn sie nehmen in der Regel keinen wirklichen Anteil an den Nöten der Menschen, sie wollen nur ihr Geld und die Publicity!

Obwohl es heute keine richtigen Schriftpropheten wie im Alten und Neuen Testament gibt, so gibt es doch Menschen, die die Schrift prophetisch auslegen und sich der Nöte ihrer Mitmenschen bewusst sind. Sie sind gewissermaßen solche Fürsprecher und Wortverkündiger. (Wobei man immer wissen sollte, dass die Bibel und damit die Offenbarung Gottes ein für allemal abgeschlossen ist. Wer Gottes Reden hören will, der sollte die Bibel lesen, eine Predigt über das Wort anhören oder ein bibeltreues Buch lesen, das die Bibel zur Grundlage hat. Auch der Rat von Geschwistern kann hilfreich sein, und manchmal redet Gott auch direkt, nicht nur durch Umstände, sondern auch durch seinen Geist.) Gerade hochsensible Lastenträger haben das Potential zu solch einer nüchternen prophetischen Gabe. Darum ist es wichtiger, sich in der Bibel auszukennen, als nach Eindrücken, inneren Bildern und Visionen zu trachten, die nicht selten in die Irre führen.

Zum Schluss noch ein Gedanke: Heute ist man bestrebt, sofort Linderung für Schmerz und Unbehagen zu suchen, nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelischen Bereich – koste es, was es wolle. Natürlich sind wir keine Masochisten, die den Schmerz suchen, aber wir müssen doch auch einmal bereit sein, Leid auszuhalten, so gut wir können. Gerade durch meine psychische Krankheit wurden mir unzählige Wunden vom Teufel, von meinen Mitmenschen und auch durch meine eigene Sünde zugefügt. Ich habe bist jetzt keine vollständige Heilung erfahren, es gibt Folgeschäden. Natürlich bin ich heute weiter als noch vor acht Jahren, aber die schmerzende Seele ist sehr oft noch da. Wie die Frau mit dem Blutfluss aus Markus 5,25-34 haben mir die Ärzte dieser Welt nicht geholfen, denn meine Krankheit wurde durch die Psychologie, durch manche Neuroleptika und durch das Suchen im Übernatürlichen wie auch der inneren Seelen-Welt nicht besser, sondern meist nur schlimmer.

Es gibt viele leidende Menschen, und das wird bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus auch so bleiben! Dazu gehören nicht nur hochsensible Menschen. Aber das Wichtigste, was ich mir von diesem Buch gemerkt habe, ist, das manchmal einfach nur noch Trost helfen kann, auch wenn die Sensibilität und der Schmerz bleiben.

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