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Wir müssen die ganze Bibel kennen und studieren!

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Ein guter Freund von mir war früher einmal ein Angestellter in einem Sexshop. Er erzählte mir, dass es auf dem Gebiet der Perversion „nichts gibt, was es nicht gibt“. Als er dort arbeitete, kam er mit den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt, die alle sehr spezielle und für sie zugeschnittene Wünsche hatten. Manche schreckten dabei nicht vor kriminellen Taten zurück. Manche riskierten sogar ihr eigenes Leben, um einen Kick zu haben.

Das hat zwar nichts mit dem Christentum zu tun, aber in christlichen Kreisen kann man auch davon sprechen, dass „es nichts gibt, was es nicht gibt“. Ich spreche hier von den gefährlichen theologischen Irrtümern, die noch gefährlicher als Perversion sein können.

Ein Mensch, der beispielsweise ein Traktat gelesen hat und sich daraufhin bekehrt hat, ist nach dem Einstieg ins Glaubensleben unzähligen Gefahren ausgesetzt. Natürlich ist er von Jesus Christus abhängig und Jesus Christus wird immer ein Auge auf ihn haben; das schützt aber den jungen Gläubigen, egal wie alt er bei seiner Bekehrung ist, nicht vor falschen Lehren und Irrtümern, die es im Christentum gibt. Ich komme immer wieder ins Staunen, wenn ich sehe, wie viele unterschiedliche Lehren in den verschiedenen Denominationen vorherrschen. Die einen halten den Sabbat und die Speisegebote und rechtfertigen das mit der Bibel. Die anderen leben in Polygamie und rechtfertigen das mit der Bibel. Wieder andere lassen Exorzismen, die sogar die Gesundheit gefährden, an sich durchführen und begründen das mit der Bibel. Andere lesen aus ihrer Bibel heraus, dass Armut und Krankheit für Gotteskinder gar keine Themen sein können, weil sie glauben, dass Gott ihnen immerwährendes Wohlergehen verspricht. Manche meinen, sie könnten ihre Sünde loswerden, wenn sie sich für ein paar Stunden kreuzigen lassen. Einige peitschen sich selber aus, um angeblich ihre sündige Natur einzuschränken. Viele glauben, dass Gott sie immer überreich versorgt, wenn sie nur den Zehnten geben. Das waren nur einige Beispiele der unzähligen Facetten und Irrtümer, die die Christenheit hervorgebracht hat. Diese Liste könnte noch sehr stark erweitert werden.

Woher kommen all diese Irrtümer?

Diese Irrtümer sind zum Teil dämonischen Ursprungs. Schon der Teufel versuchte Jesus Christus mit Bibelversen, die er aus dem Zusammenhang riss. Nachzulesen in Mt 4,1-11. Auch die Apostel sahen sich schon unzähligen Irrlehren gegenüber, die falsche Apostel und betrügerische Arbeiter in die Gemeinde brachten (2Kor 11,4). Paulus sagte zudem voraus, dass in der Zeit nach den Aposteln wiederum dämonische Lehren auftauchen würden:

1Tim 4,1 Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden 2 durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. 3 Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen.

Der Teufel und seine Dämonen haben also einen wesentlich schlechten Beitrag zur Verbreitung von Irrlehren innerhalb der Kirche beigetragen. Aber nicht nur das – auch die Menschen können selber das Wort Gottes falsch auslegen, wenn sie die Bibel verdrehen (2Petr 3,16).

Eine große Zahl von Irrtümern könnte vermieden werden, wenn die Christen ihre Bibel gut kennen würden. Daher ist es ratsam, die ganze Bibel zu studieren und nicht nur bestimmte Teile von ihr. Die meisten Irrtümer tauchen auf, weil man Aussagen aus dem Gesamtzusammenhang reißt oder nur bestimmte Bibelverse beachtet und den Rest ignoriert. Wir müssen das ganze Wort Gottes von 1. Mose bis Offenbarung kennen, damit wir gegen Irrlehren gewappnet sind. In der Bibel werden bestimmte Themen nicht nur an einer Stelle behandelt, sondern sie sind meist über viele Bibelbücher verstreut. Manch ein Buch greift eine frühere Aussage aus einem anderen Buch auf und erklärt sie noch genauer. Bestimmte Themen kommen zwar auch nur einmal vor, aber die meisten mehrmals, und sie sind über die ganze Bibel verstreut. Daher muss man seine Bibel kennen, um die Stellen miteinander vergleichen zu können, denn die Schrift legt sich mit der Schrift aus.

Dann ist es noch wichtig genau zu lesen. Wer wird angesprochen? In welcher Situation wurde das gesagt? Wie ist der geschichtliche Kontext?

Die meisten Irrtümer entstehen auch, wenn man die Aussagen zwar versteht, aber auf eine falsche Personengruppe anwendet. Israel ist nicht die Gemeinde. Die Nationen der Heiden sind nicht Israel. Verheißungen, die für Israel gelten, gelten häufig nicht für die Gemeinde und umgekehrt. Wenn man lernt, die verschiedenen angesprochenen Personen in den rechten Kontext zu rücken und sie zu trennen, dann kann man viele Fehler bei der Auslegung vermeiden. Ein Beispiel:

Im Buch Joel wird eine endzeitliche Erweckung mit Zeichen und Wundern vorhergesagt:

Joel 3,1 Und nach diesem wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Ältesten werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen; 2 und auch über die Knechte und über die Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen;

Diese zwei Verse werden in der Pfingst- und Charismatischen Bewegung häufig zitiert, um übernatürliche Manifestationen zu rechtfertigen und um ihre Theologie zu stützen. Doch dieser Vers wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Denn es geht Joel um eine Erweckung, die in Israel stattfinden soll, denn mit dem Wort „eure“ sind die Israeliten und nicht die Heiden gemeint. Der Vers wird heute von einer großen Anzahl von Christen falsch verstanden, weil er nicht genau gelesen wird und aus dem Kontext gerissen wurde, denn über die Gemeinde, die zum größten Teil aus Heiden besteht, wurde der Heilige Geist schon ausgegossen. Wir sehen also, wohin ein ungenaues Umgehen mit der Bibel führen kann.

Ein Vers, der auch missverstanden werden kann, ist die Aussage des Paulus in der Apostelgeschichte:

Apg 16,31 Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus! 32 Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Haus waren. 33 Und er nahm sie zu sich in jener Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen; und er ließ sich auf der Stelle taufen, er und all die Seinen. 34 Und er führte sie in sein Haus, setzte ihnen ein Mahl vor und freute sich, daß er mit seinem ganzen Haus an Gott gläubig geworden war.

In Apostelgeschichte 16 lesen wir, wie Paulus und Silas in ein Gefängnis kamen und von Gott befreit wurden. Als der Kerkermeister sah, dass die Gefangenen frei waren, wollte er sich das Leben nehmen, weil er die Verantwortung dafür trug. In Vers 31 sprechen die die Gläubigen zu ihm und sagen, dass er und sein ganzes Haus gerettet werden, wenn sie an Jesus Christus glauben.

Ich habe früher den Vers isoliert betrachtet und dachte, wenn ich an Jesus Christus glauben würde, dann würde meine ganze Familie gerettet werden, weil das ja biblische Lehre sei. Aber wir können den Vers nicht aus dem Gesamtzusammenhang reißen, denn Jesus Christus sprach an anderer Stelle von Familienzwistigkeiten, die entstehen, wenn die einen Familienmitglieder glauben und die anderen nicht:

Mt 10,34 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert! 35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; 36 und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Der Herr Jesus sagte voraus, dass es familiäre Probleme geben würde. Hier sagt er nicht, dass die ganze Familie gläubig wird, nur weil ein Mitglied Christ geworden ist. Wir können also Apg 13,31 nicht isolieren, sondern müssen ihn in den Gesamtkontext der Schrift stellen. Das Wort an den Kerkermeister war meiner Meinung nach ein persönliches prophetisches Wort, dass seiner speziellen Situation angepasst war und nur für ihn galt. Wir können also keine Lehre daraus machen, denn an anderer Stelle heißt es z. B. bei einer Ehe zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen:

1Kor 7,16 Denn was weißt du, Frau, ob du den Mann retten kannst? Oder was weißt du, Mann, ob du die Frau retten kannst?

An diesem zweiten Beispiel sehen wir sehr gut, dass wir die Aussagen zu dem Thema Errettung der Familie zusammentragen müssen, damit wir ein Gesamtbild erhalten. Wir können nicht den Vers 31 aus Apostelgeschichte 13 nehmen und eine allgemeine Lehre daraus machen, denn an anderen Stellen wird etwas anderes dazu gesagt.

Daher ist wichtig, die ganze Bibel zu kennen und ihre Aussagen im Zusammenhang zu lesen – und vor allem – genau zu lesen. So sind wir gegen Irrlehren, die durch die Verschlagenheit der Menschen und des Teufels entstehen, geschützt. Natürlich können wir nicht die volle Erkenntnis haben, und das systematische Bibelstudium wird eine Lebensaufgabe für uns sein; aber wir können dadurch eine sehr große Anzahl von Irrtümern abwehren. Wenn wir das Richtige kennen, können wir das Falsche entlarven.

Die Studienarbeit nimmt uns niemand ab. Es ist aber auch nicht für jeden eine Aufgabe, Irrlehren zu erkennen und zu entlarven. Gottes Geist gibt den Gläubigen verschiedene Aufgabengebiete. Es wird sich also nicht jeder mit diesem schwierigen Thema befassen können, weil sein Dienst anders aussieht. Trotzdem ist jeder Gläubige aufgerufen die Bibel zu lesen, wenn er lesen kann, und sich die Dinge, die er für seine Gabe benötigt, daraus zu erarbeiten. Nicht jeder ist ein Lehrer, nicht jeder hat eine soziale Aufgabe, nicht jeder ist Hirte. Erst das Zusammenspiel der einzelnen Gaben ergibt ein großes Ganzes. Die Grundlage dafür bildet u. a. das systematische Bibelstudium.

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