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Worship

438811_web_R_by_Friedrich Hillenbrand_pixelio.de
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Der Weg vom Heavy Metal und der Gothic-Musik zur klassischen Musik liegt bereits hinter mir und ich bin froh, diesem Rock entkommen zu sein. Zur Zeit läuft bei mir der Piano-Channel vom Klassikradio, da ich schon immer ein Fan von Pianos und Klavieren war. Das hätte eigentlich niemand, der mich kennt, geglaubt, dass ich auf Klassik umsteigen würde. Doch diese Musik entspannt mich und füllt den Raum mit positiven Klängen, während früher Anspannung, Zorn und Depression aus den Lautsprechern kamen. Natürlich kann auch klassische Musik traurig klingen, aber wenn der Komponist ein weiser Mann war, dann treibt er die Verzweiflung nicht zu sehr auf die Spitze, oder er baut den Trost am Schluss gleich mit in sein Werk ein. Es gibt auch eine heitere Melancholie, wie der Komponist Frédéric Chopin in seiner unnachahmlichen Weise erschuf. Solche Musik belastet nicht, sondern befreit, das ist in unserer heutigen Zeit, wo wir mit negativen Bildern, Stimmen, Meinungen, Nachrichten und Musik überlastet werden, eine Wohltat.

Neulich stieß ich im Internet wieder auf die moderne Worship-Musik, die vorgibt, christliche Anbetungsmusik zur Ehre Gottes zu sein. Natürlich kenne ich diese Musik schon länger und habe sie auch meistens gemieden, denn ich mag sie nicht. Diese amerikanische Musikrichtung schwappte zu uns herüber und überflutete den christlichen Sektor. Man kann sagen, dass der Worship die ganze Christenheit wie ein Sauerteig durchdrungen hat. Im Endeffekt handelt es sich dabei aber um Rock-Rhythmen und ganz simpel komponierte Lieder, die die Gefühlswelt des Hörers mit wenigen Noten ansprechen. Der Text ist dabei nicht sehr tiefgründig. Er gibt zwar mit Hilfe der Mimik der Sänger und Musiker vor, tiefgründig und ernst zu sein, aber meistens hören sich diese Lieder an, als hätte sie ein Grundschüler geschrieben. Nichts gegen Grundschüler! Aber die Texte werden auch durch die unzähligen Wiederholungen, mit welchen der Worship in einen Art Trancezustand versetzt, nicht tiefer. Wir kennen das aus den fernöstlichen Religionen. Dort wird ein Mantra so oft wiederholt, bis der Hörer in Trance versetzt wird (vgl Mt 6,7). Dem ähnelt auch der Rosenkranz. Das sind uralte heidnische Praktiken, mit der sich der Singende für Eindrücke aus der dämonischen Welt öffnet.

Was dem Betrachter auffällt, sind die immer wieder auftauchenden Aussagen, bei denen eine Tat beschrieben wird. So hört man z. B. „Ich preise dich“, „Ich bete dich an“, „Ich liege auf Knien vor dir“ und so weiter. Natürlich finden wir auch in den Psalmen solche Aussagen, diese sind eher selten, aber diese Merkmal sticht förmlich ins Auge. Soll hier Frömmigkeit präsentiert werden so nach dem Motto: „Schau mal Gott, was ich alles für dich tue?“ Oder will man das vor seinen Mitchristen zur Schau stellen? Nehmen wir an, wir sprechen mit Gott, sagen wir dann „Gott ich bete dich an“ oder tragen wir nicht vielmehr unser Anliegen einfach vor? Gott sieht aber auch, wenn wir vor ihm knien. Wir müssen das nicht extra andeuten.

Was man zudem beobachten kann, ist die ständige Wiederholung des Sachverhaltes auf Jesus Christus zu warten. „We wait for you“, „I wait for you“, „Fill this Room with your present“ sind solche Aussagen, die am biblischen Sachverhalt, dass Jesus Christus im Heiligen Geist bereits bei den echten Christen ist, total vorbeigehen. Jesus Christus ist mitten unter Zweien oder Dreien, die in seinem Namen versammelt sind (Mt 18,20). Jesus Christus ist allgegenwärtig (Ps 139,7-12), wozu sollen wir auf ihn warten? Aber dieses immer wieder erwähnte Warten erinnert mich stark an die Gemeinde in Laodizea, wo Jesus Christus vor der Türe stand (Offb 3,20). Wird hier vielleicht unfreiwillig die Wahrheit ausgesprochen?

Wenn man sich ein Worship-Konzert auf YouTube anschaut, dann staunt man, dass diese fast immer in abgedunktelten Räumen mit zahlreichen Lichteffekten stattfinden. Das kenne ich von früher, als wir als Jugendliche von Konzert zu Konzert tingelten und die Nacht zum Tag machten. Im Schutze der Dunkelheit neigt man eher dazu, seinen geheimsten Begierden und Sehnsüchten nachzugeben. Und das taten wir früher dann reichlich, wenn man sich bei dem Konzert betrank oder danach ins Bordell ging.

Die Lichteffekte tragen außerdem dazu bei, die Gefühlswelt anzusprechen und erleichtern den Eintritt in den Trancezustand. Die Lichter strahlen ein wenig in dem sonst so dunklen Saal. So etwas braucht die Welt, weil sie ihre Taten nicht ans Licht Gottes bringen will (Joh 3,19-20), aber brauchen die Christen so etwas? Wir sind doch dazu berufen, „wie am Tag“ zu wandeln (Röm 13,12-13).

Auch die Zuckungen des Körpers, die hochgestreckten Hände und das Zeigen von Symbolen mit den Fingern, – etwas, was die Bibel verurteilt (vgl Spr 6,12-13) – und das Tanzen zum Rhythmus kommt aus der Welt. Das erinnert stark an den Tanz um das goldene Kalb (2Mo 32). (Eine Tatsache, die ich früher an mir selber feststellte, wenn ich Rockmusik hörte, war, dass ich selber ohne Kommando und Aufforderung mit mit meinen Fingern die Bockshörner formte oder den Zeigefinger gen Himmel streckte. Es scheint im Geist der Rockmusik zu liegen, solche Gesten auszulösen. Dahinter stecken ohne Zweifel die Dämonen.)

Die ganze Worship-Szene scheint mir eher mehr Show zu sein, als das Zeichen einer wirklichen Frömmigkeit. Man kann auch fromm sein ohne Gefühlsduselei, ohne dass man Gott seine Frömmigkeit präsentieren will, was oft mehr dem Schein als dem Sein entspricht. Gott sieht darauf, wie wir im Alltag leben und nicht nur auf unsere Emotionen während einer Massenveranstaltung. Gott kennt uns genau und er weiß um unsere dunklen Flecken. Irgendwie sind auch die meisten von uns geschickte Heuchler in manchen Dingen, – ich nehme mich da auch nicht aus -, aber vor Gott können wir das vergessen, Gott kennt unsere geheimsten Gedanken. Vor Menschen mag die Heuchelei gelingen, vor Gott nicht!

Echte Anbetung zeichnet sich durch ein vor Gott geordnetes Leben ab, nicht durch unseren vermeintlich schönen Gesang.

Röm 12,1 Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst!

Das ist eine Lebensaufgabe. Und wir versagen dabei sehr oft!

Am 5,23 Tue nur hinweg von mir den Lärm deiner Lieder, und dein Harfenspiel mag ich nicht hören!

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