Unsere eigenen Gebote

Zur Zeit beschäftige ich mich weiterhin damit, was es heißt „in Christus“ zu sein. Wenn man „in Christus“ ist, dann ist man dem Gesetz mit all seinen Satzungen und Geboten gestorben und Christus ist jetzt der neue HERR im Leben:

Röm 10,4 Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt.

Röm 7,6 Jetzt aber sind wir vom Gesetz frei geworden, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so daß wir im neuen Wesen des Geistes dienen und nicht im alten Wesen des Buchstabens.

Gal 2,19 Nun bin ich aber durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, um für Gott zu leben.

Das heißt jedoch nicht, dass wir munter drauflos sündigen können und alles tun können, was wir wollen; nein, wir sollen uns von Christus umgestalten lassen, so dass wir „in Christus“ gerecht leben und wandeln. Wir sollen uns vom Heiligen Geist erfüllen lassen, damit wir die Werke des Fleisches „nicht vollbringen“ (Gal 5,16). Wir brauchen ein neues Herz und eine neue Gesinnung, damit wir automatisch das tun, was Gott gefällt. In der Lehre des Neuen Testaments wird aufgezeigt, wie wir uns als erlöste Menschen verhalten sollen, nicht um errettet zu werden, sondern weil wir errettet sind! Das schaffen wir jedoch nicht durch unsere eigenen Anstrengungen, sondern Gott, Jesus, muss alles in uns tun:

Joh 15,5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

So, wie wir für unsere Errettung nichts beitragen konnten, so können wir für das geistliche Leben nichts beitragen, außer „in Christus“ zu bleiben und uns von ihm verändern zu lassen. Das ist das einzige, was wir beachten müssen. Alles andere wird sich dann von alleine ordnen.

Wir neutestamentlichen Gläubigen neigen beim Bibellesen gerne dazu, die Pharisäer zu verurteilen. Die Pharisäer waren so gesetzlich, dass sie dem Gesetz Gottes noch unzählige andere Satzungen und Gebote hinzufügten, die von Gott gar nicht gefordert wurden (Mk 7,9). Dabei waren sie darauf bedacht, bessere Menschen zu werden. Indem sie ihre eigenen Überlieferungen dem Wort Gottes hinzufügten, wurden sie jedoch eher schlechter als die übrigen, die dieses Regeln nicht einhalten konnten. Das lag u.a. auch daran, dass sie Gottes Gebote zugunsten ihrer eigenen aushebelten und so gegen Gottes Willen verstießen. Jesus Christus konnte gegen Ende seines Wirkens nur noch scharfe Verurteilungen gegen diese religiöse Elite ausrufen (Mt 23), weil sie sein Gnadenangebot nicht annahm und daher unter das Gericht kommen musste.
Nun sollten wir uns nicht über die Pharisäer erheben, denn auch wir haben uns Traditionen, Menschengebote und eigene Strategien angeeignet, die nicht unbedingt gut sind. Wir haben, ohne dass wir es wollten, auch eigene Gedankengebäude im Kopf. Dies ist nicht nur auf die Erziehung in der Familie zurückzuführen, sondern auch auf Erfahrungen, die wir in unserem Leben gemacht haben. Sind wir von unseren Eltern oder Mitmenschen verletzt worden, so eignen wir uns Strategien an, damit dies in Zukunft nicht mehr passieren kann. Haben wir selber andere verletzt, dann wenden wir unser Wissen und Können an, um dies in Zukunft zu vermeiden. So entstehen unsere eigenen Menschengebote und Traditionen. Ich will eine kurzes Beispiel von mir selber einbringen:

Ich musste mir in meiner Kindheit immer die Liebe und Anerkennung meines Vaters verdienen. Mein Vater litt selber unter einer eigenen schweren Kindheit und wurde danach Alkoholiker. So kam es, dass ich nie wusste, woran ich bei meinem Vater war. Zum einen konnte er sehr liebevoll und mir zugewandt sein, zum anderen konnte er mich mit seinen Worten und Gesten scharf verurteilen und verletzen. Ich weiß heute, dass das am jeweiligen Alkoholpegel lag und nicht unbedingt am Charakter meines Vaters. So eignete ich mir seit frühester Kindheit an, ja keinen Streit zu provozieren und es meinem Vater immer recht zu machen. Ich fiel also nicht unangenehm auf und hielt mich bei Streitereien immer heraus, indem ich mich zurückzog. Auch gewöhnte ich es mir an, zu versuchen, es allen anderen immer recht zu machen, um deren Missfallen zu vermeiden. Ich entwickelte eine Sensibilität für andere und wusste, wie ich andere behandeln musste, damit ich es immer allen recht machen konnte. Das nennt man Manipulation! Diese Strategie wurde zu meinem eigenen Gesetz und später zu meiner eigenen Tradition. Ich selbst hatte mir meine Menschengebote gemacht. So will ich darum nicht unbedingt mit dem Finger auf die Pharisäer zeigen, sondern mir ihren Fehler zu Herzen nehmen. Ich denke, dass können wir alle tun.

Natürlich ist nicht alles schlecht, was unsere Erziehung anbetrifft. Es ist aber auch nicht alles gut, was wir von unseren Eltern übernommen haben und was wir uns selbst einreden.

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Christus kam auch, um uns von diesen Strategien, Denkmustern und Satzungen, die wir uns selber auferlegt haben, frei zu machen. Wir brauchen nicht länger unsere Seelen damit zu quälen. Unsere Vergangenheit und unsere Zukunft dürfen wir getrost in seine Hände legen, auch wenn wir auf dieser Erde nicht alle Prägungen loswerden. Wir müssen nur öfter dazu bereit sein, uns auch einmal selber zu hinterfragen. Wir müssen uns selber prüfen, warum wir manchmal immer noch an unseren eigenen selbstgemachten Menschengeboten festhalten, die nicht gut für uns und andere sind. Wir müssen fähig sein, unser Denken zu verändern und unter den Gehorsam Christi zu bringen, damit wir diese eingefahrenen Wege verlassen können und offen für Neues sind. Das ist viel Arbeit und anstrengend. Aber es wird sich lohnen, wenn wir es beherzigen:

Röm 12,2 Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.

1Petr 1,18 Denn ihr wißt ja, daß ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel,
19 sondern mit dem kostbaren Blut des Christus, als eines makellosen und unbefleckten Lammes.

Nicht alles, was wir gut finden, muss auch Gott gut finden. Nicht alles, was wir uns angeeignet haben an Strategien und eigenen Geboten, muss Gottes Willen sein. Manchmal schadet es uns selbst und unseren Mitmenschen mehr, als das es nutzt, wenn wir nach unserem Gutdünken handeln. Unsere besten Absichten können in den Augen Gottes eine totale Zielverfehlung sein. Darum ist es so wichtig, dass wir „in Christus“ sind und dass der heilige Geist uns leiten kann. Beten wir darum!

 

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