Viel Wissen macht nicht unbedingt weise

DSCN0674 (Small)In der heutigen Zeit herrscht eine wahre Informationsflut. Noch nie war es so leicht, an wichtige Informationen zu kommen, wie heute. Leider auch an viele Schund-Informationen. Das Internet macht es möglich, sich wirklich zu jedem Thema zu informieren, und sei es noch so klein und unbedeutend. Leider wird auch viel Unwichtiges heute in gewaltiger Geschwindigkeit um den ganzen Globus gejagt. Wir leben in einem Informationszeitalter. Während man früher in die Bibliothek gehen musste, hat heute jeder Zugang zu sämtlichen Bibliotheken und zu dem Wissen der ganzen Welt. Früher sammelten die Städte und Klöster das Wissen – heute reicht ein Smartphone.

Die Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist: Sieht die Welt deswegen besser aus? Man müsste doch meinen, dass durch das ganze Wissen die Menschheit klüger geworden sei. Doch das ist offensichtlich nicht der Fall. Allein in den letzten Jahren wurde die Situation auf dem Globus und auch in Deutschland immer schlimmer. Die Kriege haben nicht aufgehört, obwohl jeder sich aus der Geschichte informieren kann und sehen kann, dass Kriege noch nie gut waren. Man müsste doch wissen, dass unser Finanzsystem nur für die funktioniert, die an der Spitze der Pyramide sind. Trotzdem wird dieses System beibehalten. Man müsste doch gelernt haben, dass sich eine gute Familienpolitik wertvoll auf eine ganze Gesellschaft auswirken kann, und trotzdem sollen die Familien in den Hintergrund treten. Man müsste doch gelernt haben, dass jede ungerechte Herrschaftsform häufig mit Gewalt beendet wurde. Trotzdem tauchen regelmäßig wieder ungerechte Herrscher auf. Auch in unserem Land.

Ich habe jetzt schon mehrmals von Freunden und Bekannten gehört, dass ich angeblich viel wissen würde. Ich muss zugeben, dass ich durch meine psychische Krankheit gezwungen war, mich auf jedem Gebiet, speziell im christlichen Glauben, zu informieren. Meine Krankheit ließ mir keine Ruhe, so dass ich unzählige christliche Bücher las, Predigten hörte und Portale im Internet besuchte. Noch heute versuche ich, mir Wissen und Allgemeinbildung anzueignen, weil mir das hilft, die Krankheit zu ignorieren und meinen Geist zu beschäftigen, der an sich krank ist. Doch bevor ich anfange, mich über andere deswegen zu erheben, möchte ich behaupten, dass viel Wissen mich nicht zu einem besseren Menschen gemacht hat. Das Wissen hat mich nicht gesund gemacht und, das Wissen hat auch nicht dazu geführt, dass ich mein Leben weiser leben würde. Denn Wissen macht nicht zwangsläufig glücklich und zufrieden. Die Bibel spricht viel von menschlicher Weisheit. Der König Salomo, der weiseste Mensch, der jemals gelebt hat, rief einmal aus:

Prediger 1
12 Ich, der Prediger, war König über Israel in Jerusalem. 13 Ich richtete mein Herz darauf, mit Weisheit alles zu erforschen und zu ergründen, was unter dem Himmel getan wird. Das ist ein mühseliges Geschäft, das Gott den Menschenkindern gegeben hat, damit sie sich mit ihm plagen sollen. 14 Ich beobachtete alle Werke, die getan werden unter der Sonne, und siehe, es war alles nichtig und ein Haschen nach Wind! 15 Krumme Sachen kann man nicht gerade machen, und die, welche fehlen, kann man nicht zählen. 16 Da redete ich mit meinem Herzen und sprach: Siehe, nun habe ich mir mehr und größere Weisheit angeeignet als alle, die vor mir über Jerusalem herrschten, und mein Herz hat viel Weisheit und Wissenschaft gesehen; 17 und ich richtete mein Herz darauf, die Weisheit zu erkennen, und zu erkennen, was Tollheit und Unverstand sei; aber ich habe auch das als ein Haschen nach Wind erkannt. 18 Denn wo viel Weisheit ist, da ist auch viel Enttäuschung, und wer sein Wissen mehrt, der mehrt seinen Schmerz.

Salomo redet hier hauptsächlich von menschlichen Wissen, menschlicher Weisheit, die das Leben nicht unbedingt besser macht.

„Wer sein Wissen mehrt, der mehrt seinen Schmerz.“, so sagt Salomo – und es ist tatsächlich etwas der Aussage dran. Viele von uns wissen, wie man handeln sollte, damit es mehr Gerechtigkeit und Glück im eigenen Leben und im Leben der Mitmenschen regnen sollte. Doch obwohl wir soviel wissen, können wir das Wissen oft nicht anwenden, weil in uns eine Kraft wirkt, die allem Guten entgegengesetzt ist. Anderen können wir oft einen guten Rat geben, aber wir selber nehmen keinen guten Rat an. Wir wissen zwar, was wir tun sollten, aber wir können einfach nicht über unseren eigenen Schatten springen. Wie will ich die Welt verändern, wenn ich nicht einmal mich selbst verändern kann? In diesem Dilemma steckt der moderne Mensch, der soviel weiß – aber unfähig ist, sein Wissen anzuwenden. Und damit, dass wir eigentlich den besseren Weg kennen, sind wir zutiefst frustriert, wenn´s hinten und vorne nicht klappt. Das Wissen entwickelt einen Bumerang Effekt und kommt zurück und klagt uns an, weil wider besseres Wissen gehandelt haben.

Mit der Zeit verzweifelt man dann nicht nur an sich selbst, sondern auch an der Welt. Man muss zuschauen, wie die ganze Welt wider besseres Wissen kaputtgeht. Man schaut tatenlos zu, wenn wieder ein Krieg begonnen wird, wenn Arme ausgebeutet werden, wenn Unrecht und Gesetzlosigkeit herrschen und sich die Abwärtsspirale immer schneller und schneller dreht. Denn Politkern und Machthabern geht es auch nicht anders als uns. Auch sie können nicht aus ihrer Haut. Wie wir!

Wissen allein schafft kein besseres und zufriedeneres Leben.

Wissen an sich ist darum nicht schlecht! Es ist gut, zu lernen und sich auf dem Laufenden zu halten. Es ist wichtig, eine gute Ausbildung zu machen. Doch diese Dinge bringen keine echte Weisheit ins Leben.

Göttliche, echte Weisheit führt dazu, dass man das, was man in der Bibel liest, anwendet und danach lebt. Und für diese Weisheit muss man nicht viel wissen. Es gibt viele Christen, die keine theologische Debatte führen können, weil ihnen das Hintergrundwissen fehlt. Sie wissen auch nicht um die verschiedenen theologischen Richtungen und Gedankengebäude. Sie können mit theologischen Fachbegriffen nichts anfangen. Trotzdem sieht man in ihrem Leben, dass Gott bei ihnen am Werk ist. Die Dinge, die sie wissen, wenden sie an. Sie wissen einfach, dass Gott sie liebt und lassen ihn in ihrem Leben Gott sein. Oft sind das ganz einfach gestrickte Menschen. Ehrlich und liebevoll. Diese Menschen bewundere ich. Sie leben manchmal weiser als die Menschen, denen das viele Wissen zu Kopf gestiegen ist. Sie sind es, die unscheinbar vor sich hin leben und doch eine bleibende Wirkung hinterlassen. Sie haben echte Weisheit.

Pred 12,13 Laßt uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus.

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