Von Gott enttäuscht

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Wer kennt das nicht? Man ist in einer Notlage, sei es durch Krankheit, Arbeitslosigkeit, Ehelosigkeit, Problemen mit Mitmenschen, finanziellen Problemen oder irgend eine andere Not, in die man geraten ist. Das Problem ist dringend. Also wendet man sich an Gott. Nicht nur Christen, sondern auch Atheisten beten ab und an. Sie wenden sich an Gott, weil sie instinktiv wissen, dass Gott diese Probleme lösen kann. Manchen Menschen ist es eine Last, andere um Hilfe zu bitten. Aber auch diese erkennen: „Wenn ich zu Gott gehe, dann könnte er vielleicht mein Problem lösen. Gott ist doch allmächtig. Für ihn wäre es leicht, mir zu helfen.“
Manche formulieren ein ausgefeiltes Gebet, manche schicken nur einen Notruf gen Himmel. Manchmal werden diese Gebete sofort erhört, doch manchmal muss man feststellen, dass sich die Situation nicht ändert und sogar noch schlimmer zu werden scheint. Wird das Gebet nicht erhört, dann steht man zuerst schockiert da. Dann fragt man sich, wieso Gott nicht geholfen hat. Hat man eine unbekannte Sünde in seinem Leben, dass Gott nicht hilft? Liebt einen Gott nicht? Will Gott nicht helfen, weil er sogar gegen einen ist? So kann es sein, muss es aber nicht. Diese Fragen wandeln sich nach und nach in Frust um. Zuletzt kann sich dann der Frust in Anklage gegen Gott verwandeln, und manche geben dann sogar ganz ihren Glauben auf. Ich denke, so ist auch das alte Sprichwort entstanden: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!“ Ja, wenn Gott mir nicht hilft, dann muss ich selber nachhelfen. In diesem Spruch klingt der Sarkasmus, der durch unbeantwortete Gebete entstanden ist, mit.
Aber es gibt Situationen, in denen wir uns eben nicht selber helfen können. Uns geht es dann wie einem Schaf, das auf dem Rücken liegt und mit den Beinen strampelt. (Ein Schaf das auf dem Rücken liegt, kommt nur schwer wieder auf die Beine. Es ist dann voll und ganz auf die Hilfe des Hirten angewiesen.)

Viele Menschen, deren dringendste Gebete nicht beantwortet wurden, werden bitter und zynisch. Manche wenden sich von Gott ab.

Die Frage ist: „Wie gehe ich mit unbeantworteten Gebeten um?“

Philip Yancey hat ein hervorragendes Buch darüber geschrieben, das ich hier an dieser Stelle wärmstens empfehlen kann. Es ist HIER erhältlich.

Ich selbst fand auch eine Lösung für dieses Dilemma. Viele meiner Gebete wurden nicht erhört. Ich möchte fast behaupten, dass mindestens die Hälfte meiner Bitten, die ich an Gott richtete, nicht erhört wurden. Das ist zunächst einmal sehr frustrierend. Doch im Nachhinein waren vieler meiner Bitten einfach nur selbstsüchtig oder unwichtig. Trotzdem gab es auch Bitten, die dringend waren, weil ich mich in Not befunden hatte. Auch manche dieser Bitten wurden nicht erhört.

Wir Menschen scheinen manchmal sehr genau zu wissen, was wir brauchen. Wenn wir das und das bekommen, meinen wir, dann geht es uns besser. Wenn wir krank sind, dann scheint uns die Heilung von einer Krankheit logisch. Wenn wir finanzielle Engpässe haben, ja, dann brauchen wir einfach eine Finanzspritze. Logisch! Wenn wir familiäre Probleme haben, dann muss Gott die betreffende Person einfach ändern, meinen wir. Kurzum: Der leichteste Weg erscheint uns als der Beste.

Doch Gott denkt anders.

Gottes Prioritäten sind anders als unsere. Gott ist nicht in erster Linie darauf bedacht, dass wir ein Leben ohne Probleme haben. Gott ist darauf bedacht, uns in das Ebenbild seines Sohnes zu verwandeln:

Röm 8,29 Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

Dieser Satz richtet sich nur an Christen. An echte Christen. Gottes erste Priorität ist es, Christen Christus ähnlich zu machen. Alles andere ist dem untergeordnet. Danach erst kommen unsere Bedürfnisse. Natürlich sorgt Gott auch für unsere Bedürfnisse, sonst würden wir ja zugrunde gehen. Aber diese Bedürfnisse sind dem Primärziel untergeordnet.

Der Weg, um Christus ähnlich zu werden, geht fast nur über das Leid. Gott benutzt Leid, um uns zu verändern und zu formen:

1Petr 4,1 Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat mit der Sünde abgeschlossen,

1Petr 4,13 sondern in dem Maß, wie ihr Anteil habt an den Leiden des Christus, freut euch, damit ihr euch auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freuen könnt.

Nein, wir sind keine Masochisten, die das Leid suchen sollen und sich darin suhlen sollen. Aber wir sollen uns freuen, trotz der Leiden. Wir wissen, dass diese Leiden uns in die Herrlichkeit bringen werden. Leid ist nicht schön, und wir sollen immer auch bestrebt sein Leid zu lindern. Aber wenn wir für Gott leiden, das schließt auch unbeantwortete Gebete mit ein, dann sollen wir uns freuen, dass Gott bei uns am Werke ist. Die Leiden werden in eine gewaltige Herrlichkeit münden:

Röm 8,18 Denn ich bin überzeugt, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.

Selbst Jesus Christus hatte das Problem, dass sein dringendes Gebet anders erhört bzw. nicht erhört wurde. Im Garten Gethsemane betete er unter großen Qualen darum, ob es nicht einen anderen Weg geben würde, als gekreuzigt zu werden:

Luk 22,41 Und er riß sich von ihnen los, ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder, betete 42 und sprach: Vater, wenn du diesen Kelch von mir nehmen willst — doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! 43 Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 44 Und er war in ringendem Kampf und betete inbrünstiger; sein Schweiß wurde aber wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.

Gottes Antwort war: Nein. Jesus Christus musste einen Verbrechertod sterben, damit Gott uns erlösen konnte. Aber Gott stärkte ihn diesen Weg zu gehen.

Auch wir können feststellen, dass Gott manchmal „Nein“ zu uns sagt. Aber wenn wir an ihm dranbleiben, dann gibt er uns die Kraft damit zu leben. Wir brauchen dann nicht zu verzweifeln und bitter zu werden. Wir müssen auch nicht den Glauben aufgeben.

Ich denke, dass viele Gebete, die wir beten, darauf abzielen, Leid zu vermeiden. Manchmal erhört Gott diese Gebete, aber manchmal müssen wir durch das Leid hindurchgehen. Das Primärziel ist höher, als unser Wohlergehen.

Zuletzt müssen wir uns auch eingestehen, dass Gott einfach Gott ist und wir nur Geschöpfe. Gott ist souverän und er tut was er will:

Hi 23,13 Doch Er bleibt sich gleich, und wer will ihm wehren? Was er will, das tut er.

Das heißt nicht, dass Gott ein grausamer Despot wäre. Nein, er hat immer das Beste im Sinn:

Jes 55,8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; 9 sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Jer 29,11 Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.

Nur manchmal können wir nicht erkennen, dass das Beste vielleicht auch Leid beinhaltet. Gott hat eben andere Gedanken als wir.

Menschen, die viel gelitten haben und Gott treu geblieben sind, sind auch schöne Menschen. Sie können mit anderen mitfühlen und können barmherzig mit ihnen sein.

Vielleicht können wir dann auch eines Tages erkennen, warum Gott unsere dringendsten Gebete nicht erhört hat.

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