Von Vätern, Erziehung und bösen Buben

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Wir leben heute weitgehend in einer vaterlosen Gesellschaft. In dem interessanten Buch von Peter Ballnik „Vaterseelenallein“, das ich vor einiger Zeit gelesen habe, geht der Autor intensiv auf die Problematik, keinen Vater zu haben, ein. Vor allem für Jungen sind die Folgen einer vaterlosen Erziehung verheerend. Aber für Mädchen auch nicht nicht weniger. Leider schildert P.  Ballnik in seinem Buch zum größten Teil nur das Problem und bietet letztendlich wenig Lösungsansätze an, aber ich vermute, das war auch gar nicht von P. B. so beabsichtigt. Das Buch ist zwar im christlichen Adeo-Verlag erschienen, enthält aber so gut wie gar keine christliche Nahrung. Trotzdem kann man das Buch an kritisch lesende Christen weiterempfehlen, da es zeigt, dass ein Vater genauso wie eine Mutter zur Erziehung und zum Leben des Kindes dazugehört, und diese Tatsache heutzutage immer noch gerne verschwiegen wird, auch wenn zum Glück immer wieder einige Väter aufwachen und die Erziehung wieder ernst nehmen.

Wie Peter Ballnik völlig richtig schreibt: „Die Anforderungen an die Väter sind hoch.“ Ein Vater ist genauso unentbehrlich für die Entwicklung eines Kindes wie eine Mutter. Eine Frau kann keine Vaterfigur sein und ein Mann keine Mutterfigur darstellen. Zur Entwicklung eines Kindes sind Vater und Mutter wichtig! Heute will man aber angesichts der Gendermainstreaming-Debatte, bei der die natürlichen Geschlechter mitsamt ihren Aufgaben abgeschafft werden sollen, nichts mehr davon hören. Meiner Meinung nach brauchen wir dabei nur ein paar Jahre zu warten. Wenn ein wenig Zeit vergangen ist, werden die Folgen und die Schäden dieser Ideologie ganz klar sichtbar werden so wie bei jeder anderen schädlichen Ideologie, die es in der Menschheitsgeschichte schon gab. Wie der Heidenapostel Paulus schon warnte:

Kol 2,8 Habt acht, daß euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß.

Die Gender-Ideologie wird sich in einigen Jahren als „leerer Betrug“ herausstellen. Christen können das schon jetzt sagen; die Welt wird das jedoch höchstwahrscheinlich auch noch bitter bereuen und einsehen müssen, denn die Folgen könnten katastrophal sein. Wer Gottes Ordnungen verwirft, fügt sich selbst Schaden zu.

Manchmal besteht das Problem jedoch nicht darin, vom Vater getrennt zu sein, sondern aus einen gewalttätigen, brutalen Vater, der seine Umwelt tyrannisiert. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: Ein abwesender, schwacher Vater kann sich genauso negativ auf die Seele eines Kindes auswirken. Ich konnte in meinem Leben und am Leben meiner Bekannten, Freunde und Verwandten erkennen, dass sich eine negative oder nicht vorhandene Vaterbeziehung wesentlich ungünstig auf ein Leben auswirken kann. Natürlich ist auch ein verhältnismäßig guter Vater weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber eine gute und stabile Vater-Kind-Beziehung bildet einen guten Ausgangspunkt für das weitere Leben. Sie verhindert aber auch, dass ein Kind später einmal auf die schiefe Bahn gerät.

Ein Vater, der seine Aufgabe ernst nimmt, ist darum wesentlich daran beteiligt, sein Kind so erziehen, dass es sich und anderen nicht schadet, indem es sich an sinnvolle Regeln, Vorschriften Gottes und die staatlichen Gesetzgebung hält. Das wird nicht nur verhindern, dass das Kind zum Verbrecher wird und dadurch seinen Mitmenschen schadet, es kann auch verhindern, dass das Kind sich selber schadet, indem es zu Drogen, Alkohol oder Zigaretten greift oder gar zum Selbstverletzer wird. (Man sollte sich wirklich einmal die Mühe machen und erforschen, wie viele Gefängnisinsassen, Alkoholiker, Drogenabhängige und Raucher eine ungesunde Beziehung zum eigenen Vater hatten.) Der liebevolle Vater ist zur Gewissensbildung genauso wichtig wie die Mutter:

Spr 1,8 Höre, mein Sohn, auf die Unterweisung deines Vaters, und verwirf nicht die Lehre deiner Mutter! 9 Denn sie sind ein schöner Kranz für dein Haupt und ein Schmuck um deinen Hals.

Das Buch der Sprüche, das hier zitiert wurde, enthält väterliche wie mütterliche Ratschläge, die zeitlos und richtig sind! Natürlich stammen sie von Gott selber, der diese Worte durch den Heiligen Geist gehaucht hat. Die Lebensregeln darin wurden von von König Salomo gesammelt, der seine Kinder unterwies. Auffällig hierbei ist, dass Salomo nicht nur sagt: „Du darfst das nicht tun und sollst dagegen das tun!“ So als wären Regeln an sich sinnlos und nur dazu da, unsere Freiheit einzuschränken und uns damit den Spaß zu verderben. Er zeigt in eindringlicher Art und Weise die Konsequenzen eines guten und eines schlechten Lebensstils auf: Segen oder Fluch. Ein Kind sollte schon früh lernen, dass das eigene Verhalten positive oder negative Konsequenzen haben wird. Das sollte Erziehung immer beinhalten!

Mich persönlich würde interessieren, wie viele Menschen zu Kriminellen werden, weil sie keine gute Vaterbeziehung hatten, denn der Aussage im Buch der Sprüche, die gerade zitiert wurde, folgt sofort diese Aussage:

Spr 1,10 Mein Sohn, wenn dich Sünder überreden wollen, so willige nicht ein, 11 wenn sie sagen: »Komm mit uns, wir wollen auf Blut lauern, wir wollen dem Unschuldigen ohne Ursache nachstellen! 12 Wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die Lebendigen, als sänken sie unversehrt ins Grab. 13 Wir wollen allerlei kostbares Gut gewinnen und unsere Häuser mit Raub füllen. 14 Schließ dich uns auf gut Glück an, laß uns gemeinsame Kasse führen!« 15 Mein Sohn, geh nicht mit ihnen auf dem Weg, halte deinen Fuß zurück von ihrem Pfad! 16 Denn ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, um Blut zu vergießen. 17 Denn vergeblich wird das Netz ausgespannt vor den Augen aller Vögel; 18 sie aber lauern auf ihr eigenes Blut und stellen ihrem eigenen Leben nach. 19 So geht es allen, die nach [ungerechtem] Gewinn trachten: er kostet seinen Besitzern das Leben!

Luther übersetzte Vers 10 so:  Spr 1,10 Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht. (Luther 1984).

Es ist meiner Meinung nach kein Zufall, dass die Aussagen zur Bedeutung der Eltern in direktem Zusammenhang mit den Warnungen vor den Verbrechern stehen und damit das erste Kapitel des Buches der Sprüche bilden.

Die „Sünder“ oder „bösen Buben“ stehen hier für Verbrecher, die auf einen unguten Weg gekommen sind. Sie schaden nicht nur anderen, sondern letztendlich sich selber (Vers 18 und 19). Verbrechen zahlt sich niemals aus. Wir können uns noch so viele Beispiele anschauen – irgendwann werden die meisten Verbrecher erwischt. Ich glaube nicht, dass solche TV-Serien wie CSI oder andere Crime-Serien völlig realitätsfern sind. Auch die Geschichte zeigt uns, dass die meisten Verbrecher – und waren sie auch noch so gerissen – irgendwann einen Fehler machten und erwischt und eingesperrt wurden. Diejenigen dagegen, die nicht erwischt wurden, führten meist ein Leben in Angst und Sorge, doch eines Tages gefasst zu werden. So stelle ich mir nicht das ideale Leben vor!

Es gibt natürlich auch Staaten mit einer schwachen Justiz und Exekutive, so dass viele Verbrecher anscheinend ungeschoren davon kommen, wie z. B. in Italien viele Mitglieder der Mafia. Doch es ist eine Tatsache, dass diese unbehelligten Verbrecher auch Opfer von anderen Kriminellen werden können, die es auf ihren Machtstatus oder ihr Vermögen abgesehen haben. Wer sich einmal ins kriminelle Milieu begeben hat, wird auch von anderen Kriminellen beeinflusst; auch im kriminelle Milieu gibt es Hierarchien, die eingehalten werden müssen, ansonsten kann es schwerwiegende Konsequenzen haben. Die Geschichte zeigt uns doch, dass kriminelle Personen mit viel Macht und Einfluss Opfer von anderen Verbrechern wurden, die genau diese Macht für sich selber beanspruchten.

Genau darum sollte eine derartige Wissensvermittlung vom Vater an einem Sohn oder an eine Tochter zuteil werden, damit sich er/sie nicht auf einen solchen Weg begibt. Stattdessen sollte das Kind angehalten werden, nicht nur das Beste für sich, sondern auch für seine Mitmenschen zu suchen. Natürlich kann die beste Erziehung umsonst sein, wenn man sie als Kind nicht zu Herzen nimmt und ständig ungehorsam ist. Trotzdem ist Erziehung wichtig:

Spr 22,6 Gewöhne einen Knaben an seinen Weg, so lässt er auch nicht davon, wenn er alt wird.

Mich wundert es nicht, dass einer der bekanntesten Rapper in Deutschland, der früh von seinem Vater verlassen wurde, Beziehungen zum organisierten Verbrechen unterhält. Der Rapper selbst geht nicht immer gerade Wege. Ihm wird nachgesagt, viele Liedpassagen anderer Gruppen in seine eigenen Lieder widerrechtlich eingebaut zu haben. Daneben soll er auch seine Freundin geschlagen haben und andere Menschen bedroht haben. Kann es sein, dass ein fehlender Vater für die mangelhafte Gewissensbildung des Musikers verantwortlich ist?

Kein Kind kann etwas dafür, wenn sich die Eltern scheiden lassen, wenn der Vater ein bekannter Trinker ist, oder wenn ein Vater seine Aufgabe zur Erziehung nicht wahrnimmt. Was also kann man tun, wenn man durch die Vorgeschichte im Elternhaus Schaden genommen hat oder gar zum Verbrecher geworden ist?

Hierbei kommt der Glaube an Jesus Christus und das Evangelium ins Spiel. Für kaputte Menschen bietet Jesus Christus Heil und Erlösung an. Es steht jedem Menschen offen, Buße zu tun und sich von Jesus Christus führen zu lassen. Bei Jesus Christus gibt es keine hoffnungslosen Fälle.

Sehr gut wird das meiner Meinung nach an Timotheus aufgezeigt. Timotheus war ein junger Begleiter des Apostels Paulus, der schon als Kind oder Jugendlicher zum Glauben an Jesus Christus kam. Kein Mitarbeiter war mit dem großen/kleinen Apostel so vertraut wie Timotheus (Phil 2,19-21), den der Apostel als seinen geistlichen Sohn bezeichnete (1Tim 1,2; 2Tim 1,2). In den zwei Briefen, die Paulus an Timotheus schrieb, wird kein Vater des jungen Mannes erwähnt, lediglich seine Mutter und Großmutter (2Tim 1,5). Wir wissen nicht, was mit Timotheus´ Vater geschehen ist. Vielleicht hat er die Familie verlassen, oder er ist früh gestorben, oder er war einfach nur abwesend. Wir wissen nichts darüber. Wäre der Vater des Jüngers noch da gewesen, dann hätte ihn Paulus aus Respekt sicherlich erwähnt.

Wir sehen am Beispiel der Beziehung zwischen Paulus und Timotheus, wie geistliche Vaterschaft aussehen kann, wenn kein richtiger Vater da ist. Dazu sollte man einfach einmal die beiden Timotheusbriefe lesen, die behutsam, warnend, aber auch erbauend sind. Fehlende Vaterschaft kann letztendlich durch Jesus Christus, der in Paulus wirkte, wettgemacht werden, weil uns Jesus Christus zum richtigen Vater führt:

Joh 16,27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.

Auch wenn das eigene Leben verkorkst ist, Jesus Christus bietet immer die Möglichkeit zur Umkehr. Das gilt im Übrigen auch für Väter.

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Ein Gedanke zu „Von Vätern, Erziehung und bösen Buben“

  1. Fehlt z. B. die männliche Gegengeschlechtlichkeit schon in den ersten Lebensmonaten des Kleinkindes, so kann zum Beispiel die frühe und für die Sprach- bzw. Kognitiventwicklung des Kleinkindes entscheidend wichtige Mutter-Kind-Dyade um das 4- 5. Lebensjahr durch den Vater nicht langsam umstrukturiert werden.
    Da das Kleinkind sich schrittweise von der engen Mutterbindung lösen muss, benötigt es eine Anlehnung an den Vater. Neben diesem Halt ist der Vater später ein immer stärkeres Orientierungs- und Identifikationsobjekt und damit unverzichtbar.
    [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4]

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