Was Gott gibt und was er nimmt

610883_web_R_K_B_by_Jörg Kleinschmidt_pixelio.de
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Als ich ein Kind war und den katholischen Religionsunterricht besuchte, kam ich immer wieder in Kontakt mit der katholischen Denkweise, die besagt: Verzichte auf gute Dinge und leide viel, damit dich Gott gnädig ansieht. Ich dachte früher ernsthaft, dass heilige Menschen auf die schönen Seiten im Leben verzichten müssten, damit sie Gottes Ja erhalten. Gerade im Katholizismus ist Askese und Leibfeindlichkeit ein weit verbreitetes Übel. Manche wählen die Ehelosigkeit und verzehren sich dann vor Begierde nach Sex. Anderes peitschen sich selber aus oder schädigen ihren Körper durch diverse Sühn- und Bußpraktiken. Andere wollen stellvertretend für andere Menschen leiden, indem sie sich als Sühneseelen sehen. Geht´s dir richtig dreckig, so denken sie, dann akzeptiert dich Gott. Ich frage mich heute ernsthaft: Was erwarten diese Leute vom Himmel? Im Himmel gibt es Feste, Arbeit, gute Speisen – aber der Mittelpunkt ist Jesus Christus selber! Im Himmel gibt es auch Freude und Anbetung! Warum sollte man sich also hier nicht freuen dürfen? Wenn im Himmel Feste gefeiert werden, warum soll man hier nicht feiern? Gott ist doch ein Gott, der uns überreiche Freude geben will. Er will auch für unsere Bedürfnisse sorgen. Diese Dinge sind zwar zuerst einmal zweitrangig, aber sie gehören zur Erlösung dazu. Gottes erste Priorität ist, dass er uns in das Ebenbild Seines Sohnes verwandeln will, damit wir seine Herrlichkeit und seinen Charakter widerspiegeln. Aber er will uns auch mit Gutem überschütten. Gott gibt gerne!

Aber Gott kam auch, um uns etwas wegzunehmen. Er will unsere Sündenlast wegnehmen. Er will das schlechte Gewissen wegnehmen. Er wird uns auch gute Dinge wegnehmen wollen, wenn sie uns schaden, wenn wir sie missbrauchen. Ein Beispiel ist die entartete Sexualität. Sexualität ist zwar ein Gottesgeschenk, dass richtig angewendet ungeheuer spannend und befriedigend ist. Ich rede hier von der verbindlichen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. Wer niemals verliebt war, der ist ein armer Tropf. Ich könnte heute unter Teenagern eine Umfrage machen – die meisten von ihnen würden sich wünschen, einen einzigen Partner für das ganze Leben zu finden. Niemand wählt freiwillig die Promiskuität. Das ist meine feste Überzeugung. Doch kein Gebiet im Leben eines Menschen ist derartig heftig vom Teufel angegriffen, wie die Sexualität. Heute gibt es kaum noch Menschen, die ihr Leben lang zusammen bleiben. Es gibt Lebensabschnittspartner, Seitensprünge, sexuellen Missbrauch, Pornosucht, Swingerclubs, Bordelle und viele andere Dinge, durch die Menschen verhindert werden, ihre Sexualität tatsächlich als Erfüllung zu erleben, so wie Gott es sich gedacht hat. Missbrauchte Sexualität erzeugt missbrauchte Menschen. Gottes gute Gabe wird bis zur Unkenntlichkeit pervertiert und schade mehr, als sie nutzt. Die Kirche lehrte früher, dass Sexualität etwas Unsauberes wäre – heute lehrt sie, dass jeder seine Sexualität ungebremst ausleben soll. Beides ist nicht gut!

Um auf die einleitenden Worte zurückzukommen: Ich glaube nicht, dass Jesus Christus kam, um alle zu Eunuchen zu machen. Er kam, um uns wieder so zu machen, wie wir von Anfang an gedacht waren. Er kam nicht, um uns gute Dinge wegzunehmen, wie z. B. auch die Sexualität, sondern er kam, um die Dinge wieder zurechtzurücken, damit wir sie wieder genießen können, ohne Schaden davon zu tragen. Die Bibel ist kein Katalog von Verboten, weil Gott uns gute Dinge missgönnen würde, wie viele glauben. Sie ist die Lebensanweisung dafür, wie wir Freude und Befriedigung finden können, wenn wir Gottes Anweisungen befolgen. Gott hat uns geschaffen. Er weiß, was wir brauchen. Er weiß, wie wir die Gaben richtig einsetzen sollen, damit niemand von uns Schaden dabei nimmt. Aber Gott will uns auch sich selbst schenken. Es geht nicht nur um die Gabe, sondern auch um den Geber! Gott will eine Beziehung mit uns!

Gott ist also kein Gott, der einem kleinen Jungen sein Bonbon klaut und sich freut, wenn der Junge traurig ist. Gott ist ein Gott, der einem kleinen Jungen ein Bonbon schenkt, der aber erwartet, dass er es nach dem Essen lutscht. Sinnbildlich ausgedrückt.

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