Widersprüchliche Auslegungen der Prophetie und der Eschatologie

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Zur Zeit lese ich das „Handbuch der biblischen Prophetie“ von Arnold Fruchtenbaum. Dieses Buch ist sehr interessant, da es einen Überblick über die Voraussagen der Bibel für die Zukunft der Menschheit gibt. In den letzten Jahren habe ich auch vermehrt Vorträge von Dr. Roger Liebi gehört und Bücher von ihm gelesen. Auch er beschäftigt sich mit biblischer Prophetie. Interessant an diesen beiden Personen, die sich sehr ausführlich und genau mit der Bibel beschäftigt haben, ist, dass sie sich teilweise in gewissen Schlussfolgerungen, die sie ziehen, widersprechen. Wenn man dann noch das Missionswerk Mitternachtsruf, dass sich ebenfalls sehr genau mit der biblischen Prophetie beschäftigt, hinzunimmt, dann ist die Verwirrung komplett. Welche Auslegung ist nun richtig? Warum widersprechen sich die Ausleger der Bibel manchmal so kontrastreich? Nicht nur in der Eschatologie, der Lehre von den letzten Dingen, ist das so, sondern auch in anderen grundsätzlichen Fragen. Eine Frage, die ebenso unterschiedlich beantwortet wird, ist die Frage, ob ein Wiedergeborener Christ wieder verloren gehen kann. Auch hier herrscht keine einheitliche Auffassung in der Christenheit. Die einen sagen dies, die anderen behaupten das Gegenteil. Zuletzt kommt es dann zu Streit, man spricht dem Gegenüber den Glauben ab und verdammt ihn, nur weil er eine andere Ansicht hat.
Doch hier soll es zuerst um die Eschatologie gehen. Die Eschatologie ist laut wikipedia „ein theologischer Begriff, der die prophetische Lehre von den Hoffnungen auf Vollendung des Einzelnen (individuelle Eschatologie) und der gesamten Schöpfung (universale Eschatologie) beschreibt. Man versteht darunter auch die Lehre von den sogenannten letzten Dingen und damit verbunden die „Lehre vom Anbruch einer neuen Welt“.“

Im Alten Testament gab es viele Voraussagen über das erste und zweite Kommen von Jesus Christus. Israel wartete auf einen Erlöser, der das Land Israel gegen die Angriffe der Heiden verteidigen sollte und Israels Königsherrschaft über die Nationen wiederbringen sollte. Das messianische Friedensreich. Sogar die Jünger Jesu glaubten, dass sich dies zu ihren Lebzeiten erfüllen würde. Doch Jesus Christus kam zuerst als der leidende Messias. Damit rechneten die Jünger nicht. Auch nach seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung rechneten die Jünger mit dem messianischen Friedensreich zu ihren Lebzeiten. Doch Jesus sagte ihnen, dass sie zuerst das Evangelium verkünden sollten. Die Zeitpunkte, wann Jesus das Reich Israel wieder zur Blüte bringen würde, seien für sie nicht ausschlaggebend. Das würde erst später kommen.

Die Leute zur Zeit des Herrn hatten das Alte Testament und sie hatten die Schriftgelehrten, die ihnen die Bibel erklärten und auslegten. Nicht alles, was die Bibelausleger damals behaupteten, war richtig, aber im großen und ganzen auch nicht ganz falsch. Die Leute zu Jesu Zeiten hatten also aus dem Alten Testament und durch die Auslegung der Schriftgelehrten ein Grundwissen. Sie wussten um bestimmte Eigenschaften, die der Messias haben sollte, und sie wussten ungefähr, was er alles tun würde. Aber die wenigsten rechneten mit einem Messias, der leiden würde. So waren sie zudem auch ganz entsetzt, als Jesus ihnen erklärte, dass Gott in Zukunft auch zu den Heiden gehen würde, um diese zu erretten. Fest steht: Die Menschen zu Jesu Zeit hatten Grundkenntnisse. Sie hatten einzelne Puzzlestücke, aber sie wussten nicht, wie diese zusammengehörten. Das wurde erst offensichtlich als Jesus Christus die Prophezeiungen erfüllte.

Wir befinden uns heute in der gleichen Situation. Wir haben heute die Aussagen der Schrift, was in Zukunft alles geschehen soll. Doch viele Ausleger sind sich nicht einig und widersprechen sich sogar, wenn es um das Gesamtbild geht. Auch wir haben Puzzlestücke in der Hand. Aber wir wissen nicht genau, wie und wann sich bestimmte Dinge in der Zukunft erfüllen werden, sprich, wie sich alles zusammensetzen lässt. Wir wissen zwar, dass eine Entrückung der Gemeinde stattfindet und wir wissen, dass sie jederzeit stattfinden kann. Wir wissen aber nicht, wann genau sie stattfindet. Wir wissen, dass ein Antichrist kommen wird, aber nicht genau wann und auch nicht wie. Laut Hesekiel wird eine Person namens „Gog“ Israel angreifen; im Schlepptau wird er mehrere Völker haben. Aber wir wissen nicht genau, ob es vor oder nach der großen Trübsal stattfindet. Oder gar am Ende des Tausendjährigen Reiches? Wird er mit heutigen Waffen kämpfen, oder wieder mit Schwertern und Speeren wie früher? Fragen über Fragen.

Eine Sache ist sicher: Wenn die Prophezeiung über die Zukunft in der Gegenwart eintritt, dann wird alles erst richtig klar.

Das Ganze ist wie ein Puzzle. Ein Teil des Puzzles ist schon zusammengesetzt und ein Teil noch nicht. Immer wieder fügt Gott ein neues Teil in das Puzzle ein. Wir wissen heute mehr als die Reformatoren. Wir wissen mehr als die Leute zur Zeit Jesu, und wir wissen mehr als die Leute, die vor der Sintflut gelebt haben. Trotzdem haben wir noch nicht das Gesamtbild vor Augen. Die Menschen, die nach uns kommen, werden noch mehr wissen als wir. Und eines Tages wird das ganze Puzzle zusammengesetzt sein. Bis dahin können wir bei manchen Dingen eben nur spekulieren und uns widersprechen.

Daher sollten wir nicht verzweifeln, nur weil es unterschiedliche Auslegungen der Eschatologie gibt. Irgendwann einmal werden wir tatsächlich das Gesamtbild, das jetzt noch nicht fertig ist, sehen. Bis dahin wissen wir einfach nicht alles!

Wir kennen aber schon viele Tatsachen, die wir heute für unser Leben anwenden können. Wir wissen, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, der für unsere Sünden am Kreuz starb, auferstand, in den Himmel auffuhr und eines Tages wiederkommen wird. Wenn wir nur das wissen und im Glauben für uns selber annehmen, dann wissen wir das Wichtigste. Durch die Lehre der Apostel wissen wir, wie wir heute leben sollen. Wir wissen, wie Gott über uns denkt, was er für uns tat und tut. Und wir wissen, wenn wir an Ihn glauben, dass wir gerettet sind. Wenden wir einfach mal das an, was wir wissen! Der Rest wird sich nach und nach zeigen.

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