Wir können Gott nicht zwingen uns zu erhören – auch nicht durch die besten Methoden

DSCN0955 (Medium)Monatlich erscheinen neue Bücher, die eine Art Patentlösung für das christliche Leben anbieten sollen. Waren es früher Bücher wie „Das Gebet des Jabez“, so sind es heute Bücher wie „Kreiszieher“ und andere. Viele dieser Bücher bieten eine gewisse Strategie an, wie man geistlich erfolgreich sein könne und wie man ein siegreiches Leben führen könne. Sieg wird verheißen, wenn man den Anweisungen der Bücher folgen würde. Niederlage sei etwas, was Gott nie gutheißen würde. Wer Niederlagen einstecken würde, der hätte gewisse Mechanismen im geistlichen Leben noch nicht erkannt, so die Devise.

„Du musst Dir nur diese Strategie aneignen und Dein Glaubensleben funktioniert!“

„Wenn Du diese Methoden anwendest, dann kommst Du zu Deinen Zielen!“

Es gab viele Bücher, die das Thema hatten, Gott einen Segen abzuluchsen und ihn zu zwingen, sofort und unmittelbar zu handeln. Über die Jahre hinweg habe ich viele Bücher, die diesen Tenor hatten, gelesen. Daraufhin begann ich, die Ratschläge der Bücher anzuwenden. Doch Erfolg machte sich nicht breit. Ich probierte zwar die angebotenen Methoden aus, doch Gott ließ sich nicht von mir zwingen, die beschworenen Resultate zu liefern.

Die einzigen, bei denen es gewirkt hat, scheinen die Autoren zu sein.

Gott ist eben kein Wunschautomat, wo man seinen Wunsch reinsteckt und dann den großen Gewinn machen kann. Leben mit Gott ist eine Beziehung. Leben mit Gott ist zwar an geistliche Gesetze gebunden, aber wir können Gott nicht zwingen, unsere Wünsche zu erfüllen. Gott hat zwar versprochen immer mit uns zu sein, aber die Art und Weise, wie er Gebete erhört und unser Leben gestaltet, sind seine Sache.

Wir Menschen haben viele Wünsche. Manche möchten von sofort von Krankheit, Armut und Niederlage befreit werden. Manche haben ehrbare Absichten und beten gewissenhaft, aber Gott scheint sie manchmal nicht zu erhören. Obwohl sie es ehrlich meinen, scheinen sie bei Gott auf taube Ohren zu stoßen. Wenn sogar dann noch das Gegenteil eintritt, von dem was man erhofft hat, fragt man sich, ob man überhaupt noch beten soll.

Wenn wir Gott vor unseren Karren spannen könnten, dann wäre er nicht mehr Gott. Gott hat Gedanken, die unsere Gedanken bei Weitem übersteigen:

Jes 55, 8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr;
9 sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Das, was uns logisch erscheint, muss für Gott nicht logisch sein. Während wir meistens nur auf uns und unsere Freunde bedacht sind, hat Gott nicht nur das Große und Ganze im Blick, sondern vielleicht auch die Menschen, an die wir gar nicht denken, die wir vielleicht gar nicht kennen.

Wer sich einmal vor Augen führt, wie groß das Universum ist und wie viele Menschen auf dieser Erde leben, die alle von Gott abhängig sind, dann erscheinen unsere Gedanken und Wünsche plötzlich als unwichtig. Wenn wir Gott durch unsere falschen Wünsche beeinflussen könnten, nur um unsere egoistischen Ziele verwirklicht zu haben, dann könnte das wahrhaft böse ausgehen. Das, was uns gut erscheint, kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Wer z. B. um Reichtum bittet, übersieht vielleicht, dass das viele Geld seinen Charakter zerstören könnte. Wer um Heilung betet, übersieht vielleicht, dass er, wenn er gesund wäre, sich wieder von Gott abwenden würde.

Trotzdem erhört Gott auch Gebete. Denn sonst bräuchten wir nicht mehr zu beten. Gott lässt sich auch von uns beeinflussen, wenn wir die richtigen Ziele und Absichten haben. Gott fordert uns auf zu beten. Er prüft jedoch, ob das, um was wir ihn bitten, richtig und gut ist. Wenn Gott sein „ok“ dazu gibt, dann werden wir Gebetserhörungen sehen, ohne dass wir mit Strategien oder Methoden arbeiten müssen. Wir müssen dann nicht zehnmal täglich das Gebet des Jabez beten oder die Hände an ein Objekt unserer Wahl (Kreiszieher) legen, sondern einfach in kindlichem Vertrauen beten.

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