Wir sind begrenzt und wissen nicht alles

dscn1173-largeWir sind Menschen. Wir sind begrenzt. Wir können weder unseren Herzschlag richtig kontrollieren. Noch haben wir Macht über unsere Verdauung. Wenn wir krank werden, müssen wir uns auf Hilfe verlassen. Wenn wir Depressionen haben, dann können wir sie nicht so leicht abschütteln.
Wir sind nicht nur durch unseren Körper begrenzt, auch unser Geist oder Verstand ist begrenzt. Manche tun sich schwer mit Mathematik, andere verzweifeln bei Chemie. Wiederum andere sind sprachlich nicht gewandt und haben Probleme mit der Rechtschreibung. Alles in allem sind wir nicht perfekt. Wir sind keine Supermänner im Verstehen.

Wenn Gott etwas tut, dann können wir ihn oft nicht verstehen, und wir kommen an die Grenzen unseres Verstandes. Manchmal legen wir uns zwar eine Erklärung zurecht, aber wir irren uns gewaltig. So ist es auch Hiob ergangen.

Hiob, ein Mann aus Uz, war ein Mann, für den Gerechtigkeit nicht bloß ein leerer Begriff war. Er war ein Mann, der Gerechtigkeit lebte. In den einleitenden Worten des Buches Hiob (welches zur ältesten Literatur der Welt zählt und im Alten Testament steht) wir uns erklärt: Hiob „war ein untadeliger und rechtschaffener Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied.“ (Hiob 1,1b)
Was dieser Mann dann erlebte, war eine Katastrophe, die sein Leben so stark traf, dass er am Leben verzweifelte. Hiob war ursprünglich sehr reich. Er hatte sieben Söhne und drei Töchter. Auch viel Vieh und viel Gesinde in seinem Haus. Plötzlich wurde ihm alles entrissen. Zuerst verlor er sein Vieh und seine Knechte (Hiob 1,14 – 17), dann verlor er seine Kinder, die starben (Hiob 1,18 – 19).
Zum Schluß verlor er noch seine Gesundheit und litt an sehr bösen Krankheiten (Hiob 2,7 – 8).
Weder Hiob noch seine Frau verstanden, warum dieses Unheil über sie gekommen war.

Wir sehen Hiob nun mitten im Leiden. Hiob leidet nur noch und weiß nicht, warum Gott dies zugelassen hat.

Als schließlich die Freunde Hiobs kommen und ihn trösten wollen, verstehen auch sie nicht, warum Hiob plötzlich so viel Unheil erdulden muss (Hiob 2, 11 – 13).

Wenn sich eine Katastrophe ereignet oder andere Dinge, auf die wir keine Erklärung haben, fragen wir uns, was Gott wohl meint, wenn er bestimmte Ereignisse zulässt oder bewirkt. Unser Verstand arbeitet dann fieberhaft und wir wollen eine Erklärung. So kann es kommen, dass wir meinen, die Beweggründe Gottes zu verstehen. Wir legen uns eine Erklärung zurecht, die wir in unserem Verstand finden, aber sie ist falsch.

Im Fall Hiob kommen die Freunde zu der Erklärung: Hiob hat gesündigt und die Folge davon ist, dass Gott ihn dafür so hart bestraft.

Der ratlose Hiob jedoch erklärt den Freunden, dass er sich keiner Sünde bewusst ist.

In den folgenden Kapiteln entwickeln sich Streitgespräche zwischen Hiob und seinen Freunden, die zu harten verbalen Auseinandersetzungen führen. Die Gespräche spitzen sich so zu, dass die Freunde Hiob durch ihre lieblosen Worte verletzen und das Hiob verletzende Äußerungen an seine Freunde richtet. Die Freunde unterstellen Hiob mehrere schwere Sünden und Hiob unterstellt Gott, dass er ihn grundlos bestrafen würde. (Lesen sie einmal das ganze Buch. Man hat es an einem Nachmittag durchgelesen.)

Beide Seiten ringen um eine Erklärung, aber beide Seiten irren sich. Die Erklärung für Hiobs Leid lesen wir am Anfang des Buches, wo es heißt:

Hi 1,6 Es geschah aber eines Tages, daß die Söhne Gottes vor den Herrn traten, und unter ihnen kam auch der Satan. 7 Da sprach der Herr zum Satan: Wo kommst du her? Und der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln darauf! 8 Da sprach der Herr zum Satan: Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet ! 9 Der Satan aber antwortete dem Herrn und sprach: Ist Hiob umsonst gottesfürchtig? 10 Hast du nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingehegt? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet, und seine Herden breiten sich im Land aus. 11 Aber strecke doch einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat; laß sehen, ob er dir dann nicht ins Angesicht absagen wird! 12 Da sprach der Herr zum Satan: Siehe, alles, was er hat, soll in deiner Hand sein; nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus! Und der Satan ging vom Angesicht des Herrn hinweg.

(Später erhält Satan noch die Erlaubnis Hiob selbst anzutasten (Hiob 2, 4-8).)

Die Ursache an Hiobs Leid ist nicht seine Sünde, sondern seine Gerechtigkeit. Und die Katastrophe ist eine schwere Prüfung seines Glaubens und seines Charakters. Satan unterstellt Hiob, dass er nur gerecht wäre, weil Gott ihm so viel Reichtum gegeben hätte. Er unterstellt Gott Hiob bestochen zu haben. Als Folge lässt Gott zu, dass Satan Hiobs Leben zerstören darf, damit herauskommt, ob Hiob auch im Leid noch an seiner Gerechtigkeit festhält. Das ist die Ursache der Katastrophe.

Weder Hiob, noch seine Frau und seine Freunde verstanden damals, warum die Katastrophe gekommen war. Alle drei Parteien suchten nach Erklärungen, aber die Erklärungen waren alle falsch. Erst als Gott  Hiob und seinen drei Freunden aus einem Wettersturm antwortete, wurden die Dinge wieder gerade gerückt (Hiob 38-41) und Hiob wieder hergestellt.

Diese Geschichte lehrt uns, dass wir uns nicht voreilig irgendwelche Interpretationen für das Wirken Gottes zulegen sollten. Es gibt Dinge, die wir einfach nicht sofort verstehen. Manchmal handelt Gott rätselhaft und wir müssen das einfach aushalten, ohne sofort eine Erklärung zu finden. Wir finden zwar auch in der Bibel viele Geschichten, die uns Gottes Beweggründe mitteilen, aber manchmal müssen wir mit offenen Fragen leben. Wir können jedoch daran festhalten, dass Gott absolut gut ist und bleibt, auch wenn wir ihn momentan nicht verstehen. Manchmal kann man erst hinterher erkennen, wozu gewisse Ereignisse gut waren. Manchmal vielleicht nie.

Gott selbst sagte:

Jes 55,8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; 9 sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Manche Gedanken sind einfach zu hoch für uns. Daher sollten wir lernen, mit unbeantworteten Fragen zu leben, statt uns sofort eine Erklärung auszudenken, die falsch sein könnte. Wir wissen einfach nicht alles. Daher ist Demut, dass wir in unserem Wissen begrenzt sind, eine gute Eigenschaft.

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